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LOKHA1SF3IAD

1.Sf3 - Eröffnung für Weiß nach Kramnik - Band 1 a

300 Seiten, kartoniert, Chess Stars, 1. Auflage 2006

Aus der Reihe »Chess Stars Openings«

20,95 €
Inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Das Serienkonzept

Vor Ihnen liegt der erste Buchband aus der Serie "Eine Eröffnung für Weiß nach Kramnik - 1.Sf3".

Das Buch, das Sie in der Hand halten ist kein Eröffnungsbuch im üblichen Sinne. Dieses Buch ist nicht über den Zug 1.Sf3 im Sinne der Reti- Eröffnung. Es zeigt auf, wie man seine Eröffnungsprobleme mit Hilfe von Vladimir Kramnik (mein Freund und unsichtbarer Koautor) ein für alle Mal und unter meiner Führung lösen kann.

Die Idee, dieses Buch zu schreiben, hatte ich schon vor langer Zeit. Das Problem mit der Eröffnungswahl hat die Schachspieler schon im­mer begleitet. Heutzutage aber hat es im modernen Schach eine noch größere Bedeutung erlangt. Es ist kein Geheimnis, dass viele Partien gewonnen werden, gerade weil einer der Gegner eine bessere Eröff­nungsvorbereitung vorweisen konnte, der eine richtige Eröffnung­swahl zugrunde lag. Doch wie sollte man dies erreichen? Wie aus dem Meer von Eröffnungsschemata, Plänen und Varianten das Passende finden?

Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, ist, einen der gegenwär­tigen führenden Großmeister, dessen Erfolge man bewundert und des­sen Stil ungefähr dem eigenen entspricht, als Vorbild auszuwählen. Als nächstes versucht man, das eigene Eröffnungsrepertoire entsprechend dem des Idols aufzubauen. Doch es gibt hier einige Schwierigkeiten. Erstens: Wen soll man als Vorbild wählen und zweitens: Wie soll man anfangen, die Eröffnung seines Idols zu spielen? Natürlich kann man seine Partien aus Datenbanken herausfiltern und versuchen, sie zu studieren. Dies ist aber nicht so einfach, denn unser zukünftiger Geg­ner kennt die neueste Theorie, die man auf höchstem Level anwendet, möglicherweise nicht. Er kann in einem beliebigen Moment mit einem mittelmäßigen Zug von der Theorie abweichen, so dass man selber entscheiden muss, wie es weitergeben soll, welchen Plan man wählen muss, um Vorteil zu erzielen.

Ein Großmeister spielt nicht nur eine bestimmte Eröffnung. Sein ganzes Eröffnungsrepertoire bildet eine "runde Verteidigung", mit an­deren Worten, jeder Großmeister hat eine Reihe von Schemata, die er gut kennt. Er mag es, sie zu spielen und ist stets bemüht, das Spiel in eine seiner gut ausgearbeiteten Stellungen einzulenken. (Zum Beispiel, wer mit Schwarz gerne Damengambit spielt, versucht sowohl nach 1.c4 als auch nach 1.Sf3 die für diese Eröffnung typischen Aufbauten zu bekommen.) Letztendlich, nachdem er Hunderte von Stunden in den Aufbau seines Eröffnungsrepertoires investiert hat, ist der Groß­meister auf beliebige Überraschungen in der Eröffnung vorbereitet.

Ich schlage Ihnen vor, viel Zeit und Mühe zu sparen und bin bereit, all Ihre Eröffnungsprobleme mit Weiß zu lösen. Wir werden lernen, die Eröffnung wie Kramnik zu spielen. Es gibt aber einen Unterschied. Alle Gegner von Kramnik sind Großmeister, denen es nicht in den Sinn kommen wird, einen nicht besonders "klugen" Zug zu spielen, während Ihr Gegner leicht so spielen könnte, dass sie selbstständig handeln müssen. Doch Sie werden in diesem Buch die richtige Ant­wort finden! Es ist ein Buch für diejenigen, die in der Eröffnung wie Kramnik spielen wollen, aber etwas schwächere Gegner als Anand und Topalov haben...

Wenn Kramnik seine Partie mit 1.Sf3 eröffnet, hat er keineswegs vor, Reti zu spielen. Er möchte vielmehr angenehme Aufbauten be­kommen, sollte sein Gegner beabsichtigen, die Bogoljubow-Indische, Grünfeld oder die Benoni Verteidigung zu spielen.

Derjenige, der lernen (oder sich verbessern) möchte, wie man mit Weiß nach 1.Sf3 spielen sollte, muss nicht unbedingt Fachmann für die Bogoljubow-Indische Verteidigung und noch weniger für die Grünfeld Verteidigung sein. Nachdem Sie dieses Buch studiert haben, werden Sie immer in der Lage sein, das Spiel in bekannte Stellungen einzulenken (und dies ist sehr angenehm!) und sich sicher fühlen, weil Sie die für diese Eröffnung typischen taktischen und strategischen Nu­ancen und Ideen kennen. Sie werden außerdem lernen, nicht nur bei einem korrekten Spiel des Gegners Vorteil zu erzielen sondern auch nach seinen weniger klugen Entscheidungen.

Zudem ist es sehr selten, dass Schachspieler mit einer Spielstärke unter 2200 geschlossene Eröffnungen wählen. Sie schätzen Stellungen nach 1.d4 oder 1.c4 als äußerst langweilig ein. Für sie ist es viel interes­santer, wenn sie nach 1.e4 mit 1...e5 antworten und danach eine witzige Eröffnung wie das Königsgambit oder das Evansgambit analysieren...

Spielen Sie 1.Sf3! und Ihr unerfahrener Gegner könnte schon im ersten Zug einen Fehler begehen, und nun greifen Sie ihn an! Sogar, wenn Schwarz die Eröffnung "nach allen Regeln" spielt, werden Sie, meinen Empfehlungen folgend, die Initiative ergreifen, wonach Sie alles in der Hand oder besser gesagt im Kopf haben.

Vorwort

Lieber Leser,

im ersten Teil dieses Buches beschäftigen wir uns mit den Variant­en nach 1.Sf3 Sf6 2.c4 d6 3.d4 (Alle Anhänger von 1.d4 aufgepasst: Wir kehren auf die Hauptschiene zurück!). Seltsam, dass es in der rus­sischen Schachliteratur für dieses nicht sehr junge Eröffnungssystem keine offizielle Bezeichnung gibt. In gewisser Weise hätte es den Na­men "nicht ganz Königsindisch" oder "fast Königsindisch" verdient. Der Punkt ist, dass in diesem Teil Varianten untersucht werden, in denen Schwarz entweder mit der Entwicklung des schwarzfeldrigen Läufers nach g7 wartet oder seine Zukunft nach e7-e5 und Lf8-e7 ganz anders plant. Diese Eröffnungsaufbauten haben seit langem den ver­dienten Ruf, zwar solide, aber wenig aussichtsreich zu sein. Obwohl dies im Prinzip stimmt, hat Weiß alles andere als leichtes Spiel. Seine Hauptaufgabe besteht oft darin, eine von mehreren aussichtsreichen Fortsetzungen auszuwählen. Ich hoffe, dass Ihnen dieses Buch helfen wird, die richtige Wahl zu treffen.

Der zweite Teil dieses Buches ist hinsichtlich der gegenwärtigen Eröffnungstheorie der aktuellste. Er ist den Aufbauten gewidmet, die unter der zwar nicht offiziellen, aber landläufigen Bezeichnung "Anti-Grünfeld" bekannt sind. Da dies eines der wenigen "Antisysteme" ist, die in dieser Buchserie untersucht werden, möchte ich noch einmal auf das Gesamtkonzept der Reihe "1.Sf3 - Ein Eröffnungsrepertoire für Weiß nach Kramnik" eingehen. Meine Empfehlung, die Partie mit dem Springerzug zu beginnen, ist auf keinen Fall eine Anspielung darauf, dass Weiß auf einen Kampf im Zentrum sowie auf Eröffnungsvorteil verzichten sollte. Zudem entstehen in den meisten Fällen nach ein paar Zügen Stellungen, aktuell auch für Schachspieler, die daran gewöhnt sind, die Partie mit 1.d4 oder 1.c4 zu beginnen. Es gibt allerdings eine Reihe von Eröffnungsaufbauten, denen man dank des raffinierten ersten Springerzugs ausweichen kann. Eine davon ist die Grünfeld Verteidigung, die ihre Wiedergeburt nicht zuletzt den Erfolgen von Garry Kasparov zu verdanken hat.

Also, nach 1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 setzt Schwarz mit 3...d5 fort. Damit gibt er zu verstehen, dass er die Königsindische Verteidigung nicht zu spielen gedenkt und fordert seinen Gegner auf, zu Hauptvari­anten der Grünfeld Verteidigung überzugehen. Doch die ungewöhnliche Antwort 4.Da4+!? weicht der Grünfeld Verteidigung aus und stellt Schwarz vor keine so einfachen Aufgaben. Die Theorie dieses Systems ist relativ jung, weshalb oft schon nach 7-8 Zügen ein kreatives, selb­stständiges Spiel beginnt. Ich hoffe, dass es mir in diesem Buch gelun­gen ist, das gesammelte, praktische Material zu systematisieren und auf die aussichtsreichen Spielstrategien im Kampf um Eröffnungs­vorteil einzugehen. Meiner Meinung nach bietet das "Anti-Grünfeld" keine schlechteren Aussichten für Weiß, als die Hauptvarianten dieser Verteidigung, zudem wesentlich mehr Spielraum für Kreativität und Fantasie.

Im dritten Teil beginnen wir mit der Königsindischen Verteidigung. Der Hauptvariante sowie den aktuellen Varianten musste aufgrund ihrer Schwierigkeit und strategischen Selbstständigkeit ein ganzer Band gewidmet werden, doch auch die hier untersuchten Varianten verdienen unsere volle Aufmerksamkeit. Die meisten davon sieht man in der heutigen Turnierpraxis relativ selten, aber der Überraschungsef­fekt rechnet sich oft.

Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie sich hoffentlich bald an ähnlichen Überraschungen erfreuen können.

August 2006

A. Khalifman

14. Weltmeister

Weitere Informationen
Gewicht 350 g
Hersteller Chess Stars
Breite 14,5 cm
Höhe 21,5 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2006
Autor Alexander Khalifman
Reihe Chess Stars Openings
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 9548782529
ISBN-13 9789548782524
Seiten 300
Einband kartoniert

007 Das Serienkonzept

009 Vorwort

Teil 1. Altindische Verteidigung

1.Sf3 Sf6 2.c4 d6 3.d4

013 1 Abweichungen; 3...Lf5

021 2 3...Lg4

040 3 3...Sbd7 4.Sc3 c6 5.e4 e5 6.Le2 Le7 7.0-0 Dc7; 7...a6; 7...0-0 8.Le3 ohne 8...a6

063 3...Sbd7 4.Sc3 c6 5.e4 e5 6.Le2 Le77.0-0 0-0 8.Le3 a6

Teil 2. Anti-Grünfeld

1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Da4

087 5 4...c6; 4...Sc6

097 6 4...Ld7 5.Db3 dc 6.Dxc4 ohne 6...a6

108 7 4...Ld7 5.Db3 dc 6.Dxc4 a6

Teil 3. Königsindische Verteidigung

1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4

118 8 4...c5; 4...e5

123 9 4...0-0 5.d4 c6

130 10 4...d6 5.d4 Abweichungen

139 11 4...d6 5.d4 0-0 6.Le2 a5; 6...c6; 6...Sbd7; 6...Sc6

158 12 4...d6 5.d4 0-0 6.Le2 c5

170 13 4...d6 5.d4 0-0 6.Le2 Lg4 7.Le3 ohne 7...Sfd7

185 14 4...d6 5.d4 0-0 6.Le2 Lg4 7.Le3 Sfd7

202 15 4...d6 5.d4 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Abweichungen Teil 4. Königsindische Verteidigung

1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.d4 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sbd7 8.Le3

234 16 Abweichungen; 8...a5; 8...h6

243 17 8...exd4

253 18 8...Te8

263 19 8.. De7

276 20 8...Sg4

286 21 8...c6

297 Variantenverzeichnis

Die beiden ambitionierten Reihen "Opening for White according to Kramnik" bzw. "... according to Anand" von GM Alexander Khalifman waren in den letzten Jahren schon fast fester Bestandteil unserer Buch­besprechungen. Insgesamt fünf Bände über das Repertoire mit l.Sf3 (Kramnik) und sieben Bände über 1.e4 (Anand) lagen bisher vor, bei letztgenannter Reihe stehen dabei noch die Bände über Sizilianisch aus.

Nun hat der bulgarische Verlag Chess Stars den Auftakt einer deutschsprachigen Ausgabe der Kramnik-Reihe herausgebracht. Ge­nauer gesagt handelt es sich um den Doppelband 1 a und 1 b, der ausführlich den Schwerpunkt Königsindisch abhandeln.

Nach einer gründlichen Untersu­chung des Repertoires gegen Altin­disch (l.Sf3 Sf6 2.c4 d6 3.d4) und der Anti-Grünfeld-Variante 1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Da4+, was zusammen rund 110 Seiten des Buches umfasst, folgt der erste Block über Königsindisch. Khalifman nimmt hierbei die Hauptvariante nach 1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.d4 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sbd7 8.Le3 sowie die verschiedenen Abweichungen auf dem Weg dorthin unter die Lupe.

Für die aktuelle Praxis dürften die modernen Varianten der Königsindischen Verteidigung einen höheren Stellenwert haben, diese wer­den im ebenfalls bereits vorliegenden Band 1b erörtert.

Auch hier wollen wir das von Kha­lifman empfohlene Repertoire nur grob skizzieren. Nach 7.0-0 exd4 8.Sxd4 werden die Züge 8...Te8 9.f3 Sc6 10.Le3 Sh5 11.Dd2 als Hauptva­riante betrachtet, der zweite Teil zeigt, wie Weiß den modernen Zug 7...Sa6 mit 8.Le3 bekämpfen kann, und Teil 3 ist der nicht zuletzt durch Kramniks Erfolge populär geworde­nen Variante 7...Sc6 8.d5 Se7 9.b4 gewidmet. Diese stellt übrigens mit rund 170 Seiten den eindeutigen Schwerpunkt dieses Bandes dar.

Wie schon bei den englischen Aus­gaben häufig betont besticht diese Reihe durch eine außerordentliche Qualität, die sich vor allem an geho­bene Ansprüche richtet. Die vorlie­gende deutsche Ausgabe präsentiert sich hierbei zudem in einer überarbeiteten und aktualisierten Ver­sion, die auch in dieser Hinsicht keine Wünsche offen lässt. Der Preis liegt bei 27,95 Euro je Band, über weitere Neuerscheinungen werden wir Sie natürlich auf dem Laufenden halten.

Schach Markt 4/2006

___________________

Schon vor zehn Jahren sagte Peter Swidler, damals Anfang zwanzig und bereits mehrfacher russischer Landesmeister: wenn man sich Eröffnungen anschaut, ergebe sich eine paradoxe Situation. "Sucht man mit Weiß, gibt es nirgendwo Vorteil, schaut man mit Schwarz, gibt es nirgendwo Ausgleich."

Die Suche wird immer ausgreifender. Ganz evident ist das zu sehen an der Eröffnungsreihe des Petersburger Großmeisters Alexander Khalifman. Zuerst publizierte der Verlag Chess Stars die fünfbändige Reihe für 1. Sf3-Spieler, die wie Wladimir Kramnik eröffnen wollen, und gegenwärtig ist der siebte Band erschienen der Repertoire-Reihe für 1. e4, dem Stil Viswanathan Anands nachempfunden - viele weitere Bände werden noch erwartet.

Der erste Band der Kramnik-Reihe ist jetzt in neuer Auflage erschienen (auch in einer deutschen Version!), und allein schon die Tatsache, dass aus Band eins der ersten Auflage zwei umfangreichere Bände der zweiten Auflage geworden sind, illustriert die Informationsfülle der gegenwärtigen Situation. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren veröffentlichte Konstantin Sakajew ein vielbeachtetes Grünfeld-Indisch-Buch für Weiß, und nur zwei Jahre später folgte jetzt die neue Auflage, natürlich ebenfalls weitaus umfangreicher.

Wie gesagt: die Menge der Informationen ist enorm, und als Amateur gewinnt man eine Ahnung vom Alltag eines Berufsschachspielers. Inhaltlich handelt der neue Band 1b von der Königsindischen Verteidigung aus der Sicht von Weiß. Die Herangehensweise ist einerseits klassisch mit Sf3 und Le2, dann aber packt Weiß den Stier mit 9. b4 bei den Hörnern.

Besondere Bedeutung in der neuen Folge haben neue Entwicklungen im System mit ... Sa6 und im Klassiker mit ... Sc6-e7 und 9.b4 in Verbindung mit ... f5 und ... Sh5 der Aufbau mit f2-f3. Bei ... Sa6 dauerte es ein wenig, bis sich die Kunde vom Zug c4-c5 verbreitete. Irgendwann gab es dann die GM-Premiere mit den Großmeistern David Navara und Luke McShane.

Im ganz klassischen System relevant waren ferner die Partien Van Wely - Radjabow, Bareev - Radjabow und Kramnik - Smirin, aber natürlich sind das nur vier Eckpfeiler von vielen. Bedeutsam war zum Beispiel auch die in der Neuauflage hervorgehobene Partie Pogorelow - Thiede (Spanien 2005), um nur einen der zitierten Berliner Schachfreunde zu nennen.

Studiert man die Varianten, so drängt sich die Vermutung auf, im Königsinder stecke Schwarz in der Klemme. Das erhoffte aktive Spiel, seit etwa 1946 von führenden Großmeistern entdeckt und entwickelt, wird unangenehm gedämpft und von einer großen weißen Klammer dominiert. Das Konzept der Khalifman-Bände sieht vor, sich die prinzipiellsten Varianten zu suchen, die mehr oder weniger auf ein einziges Abspiel fundieren oder auf zwei, drei wichtige Partien. Glücklicherweise hatte Kramnik damals ein sehr gutes Repertoire, und wie Kramnik jüngst bemerkte, habe er sich jüngst die ersten Bände "dieser feinen Serie vorgenommen und bemerkt: 'was für ein gutes Repertoire, warum sollte ich das nicht wieder spielen?'" Das Ergebnis mit seiner Rückkehr zu geschlossenen Eröffnungen konnte man anhand der Partien in Turin 2006 erleben.

In bedrängter Lage suchen Schwarzspieler immer mehr Nischen oder fahnden nach Lücken und brauen ihr Gegengift, das vielleicht für eine Partie ausreicht. Mark Hebden hat frühes ... Kh8 versucht, andere sehr zeitiges ... c6, wiederum andere präsentierten ein schnelles ... h5, aber inzwischen sind diese bunten Käfer aufgespießt, mit dem Vergrößerungsglas seziert und systematisch abgelegt. Interessant sind einige Vorschläge des Ukrainers Michail Golubev für Schwarz in seinem neuen Buch "Understanding the King's Indian". Im Allgemeinen aber merkt man immer wieder, wie Schwarz letztlich auf einen klassischen königsindischen Konter setzt. Zum Beispiel musste Hillarp-Persson lange paddeln, um gegen Babula ein Remis zu erreichen. Im Khalifman steht an dieser Stelle einfach nur "+-", und das reicht wohl auch. Interessant dabei ist nur, wie Hillarp-Persson der Houdini-Trick mit der Rettung gelang. Babula wird gespürt haben, dass er zwar auf Gewinn steht, aber auch ein Verlust möglich ist.

Für den Studierenden ist die Systematik sehr interessant. Aus Anmerkungen der ersten Auflage sind gleich ganze Kapitel geworden, dabei liegen nur fünf Jahre dazwischen. Die Autoren geben nicht nur den prinzipiellen Weg an, sondern zeigen auch sehr häufig, wie das weiße Spiel aktueller Partien zu verbessern ist. Manchmal, aber leider etwas selten, findet man auch schwarze Verbesserungsmöglichkeiten, vor denen man warnt oder die man mit Gegen-Neuerungen neutralisiert.

Inzwischen kann auch jeder Amateur mit der Computer-Engine nach Verbesserungen suchen, und es ergeben sich immer wieder überraschende Fragen, aber ganz wichtig ist im vorliegenden Fall die Autorität des Herausgebers, der nicht nur ein Großmeister und starker Analytiker, sondern auch ein hervorragender Praktiker ist. Nicht umsonst hat Khalifman 1999 bei der Fide-WM in Las Vegas den Titel geholt. Wenn ein Spieler wie der Khalif sagt: diese Stellung soll man anstreben, dann hat dies größeres Gewicht als wenn ein Durchschnittsspieler sagt: "Meine Engine sagt Minus 0.32 für Schwarz", und natürlich bedienen sich auch die Autoren der Computer.

Bislang einmalig ist der vorbildliche Vorstoß, die internationale, englische Ausgabe parallel mit einer deutschen Übersetzung zu veröffentlichen. Bislang hatten Bücher aus dem Englischen oder Russischen mit einer deutschen Bearbeitung lange auf sich warten lassen. Im vorliegenden Fall ist Zeit natürlich ein erheblicher Wert, und man kann vor dieser Entscheidung nur den Hut ziehen.

Bislang galt es im deutschsprachigen Raum als schwer, vernünftige Übersetzer aus dem Russischen zu finden, und mit WGM Vera Jürgens wurde ein guter Griff gemacht, denn ihre Bearbeitung ist gewissenhaft und transparent. Auch wenn in der allgemeinen internationalen Schachkommentierung zu viele Füllwörter und Satzbausteine Überhand nehmen: es ist nicht ihre Schuld, und es ist auch schwer zu sehen, wie man die Mehrbauern denn sonst nennen soll. Auch wenn irgendwas Aufmerksamkeit verdient, verdient es eben Aufmerksamkeit, und außerdem ist sie ja nicht Lektorin, sondern Übersetzerin. Die Bewertungen von Khalifman zielen in sprachlicher Hinsicht auf klare Aussagen ab, was erfreulich ist. Die neue Auflage auf Deutsch zu lesen ist ein neues, interessantes und willkommenes Erlebnis, auch weil die Übersetzung aus dem russischen Original abstammt, was den Text souveräner macht als die englische Fassung. Der Verlag wird aber zunächst abwarten, wie die deutschsprachigen Titel aufgenommen werden, bevor die kommenden Bände übersetzt werden.

Kramnik und Anand als Namenpaten der Titel zu nehmen wertet die Bücher als solche natürlich auf. Bei der Kramnik-Serie ist das Repertoire näher am Namensgeber dran als bei Anand, aber das liegt auch an der Konsistenz. Der Verlag wird aber keine solchen Reihen ohne das prinzipielle Einverständnis der Stars herausgeben, denn eine negative Reaktion ihrerseits würde die Buchreihe zerstören. Für die Gehuldeten geht ein Einverständnis offenbar in Ordnung, weil es ein qualitativ hochwertiges Produkt ist. Nicht als Autoren, aber eben als Vorbilder. Khalifman und Kramnik sind freundschaftlich miteinander verbunden, auch bei Anand wird es ähnlich sein. Als Khalifman 1999 die Idee zu der Reihe hatte, war er amtierender FIDE-Weltmeister, und er hatte die Idee mit Kramnik diskutiert. Natürlich ist es auch sehr schmeichelhaft für einen Spieler, sich solch ein Denkmal für ein in der Tat sehr feines Repertoire setzen zu lassen. Wie Khalifman im Vorwort zu Band 1a bemerkt, "wirkt Kramnik als Mann hinter den Kulissen mit". Das bedeutet wohl, dass er hier und da schon mal konsultiert worden ist oder beratende Funktion hatte.

Wenn eine Reihe wie diese zum Bestseller wird, bewirkt dies natürlich die Vereinheitlichung des allgemeinen Stils. Weltweiten Einfluss hatten bislang die Spielweisen etwa von Tarrasch, Nimzowitsch, Capablanca, Botwinnik, Fischer, Karpow und Kasparow. Auch Kramniks Repertoire hat einen ähnlichen Einfluss auf die Gegenwart. Profis und Amateure folgen diesen Pfaden und alle Welt spielt 9.b4, weil Kasparow sich deshalb vom Königsinder abgekehrt haben soll. Den eigentlichen Grund kennt aber nur Kasparow selbst. Vielleicht erkannte er, dass es nicht so sinnvoll ist, mit Schwarz ausgerechnet gegen Kramnik so zu spielen. Im Falle von Anatoli Karpow hingegen hatte er weniger scheu, die Stellungen auch im WM-Kampf zu spielen und sicherlich wird es kaum andere Spieler gegeben haben, denen er als Nummer Eins der Welt nicht mit Königsindisch begegnen wollte.

Wenn sich diese Reihe aber mit äußerst prinzipiellen Abspielen befasst, so ist das Risiko entsprechend groß, auf Lücken im Detail zu stoßen. Anhand eines Beispiels im Spanier der Anand-Reihe wurde das an anderer Stelle erörtert.

Aber das Risiko besteht natürlich immer. Auch die neue Reihe kann prinzipiell nicht wasserdicht sein, und es gilt für den Leser nicht nur, die Varianten zu studieren, sondern auch die eigenen Fragen, die man an die Abspiele hat, zu analysieren, zu bewerten oder umzubewerten.

Zum Beispiel wurde eine Hauptvariante bis ins Endspiel mit Leichtfiguren analysiert, und zumindest aus der Sicht der Top 10 ist das heutzutage kein Einzelfall mehr. Es stellt sich nur die Frage, ob das nicht überkonkret ausgearbeitet ist.

Vielleicht nicht. Denn auch wenn das Risiko besteht, dass nach der Entdeckung eines Fehlers das Programm umgeworfen werden müsse, so hat der Leser gelernt, wie tief oder breit man sich einzelne Abspiele anschauen kann. Bei manchen Details wird man auch aus eigenem Antrieb bei einzelnen Abspielen noch mehr wissen wollen. Je stärker ein Leser als Schachspieler ist, desto mehr ist er gehalten, auch eigene Analysen am vorgegebenen Repertoire beizusteuern. Manchmal, um eine vorgegebene Stellung genauer zu verstehen, manchmal aber auch, um nach Verbesserungen zu suchen.

Erfreulich ist natürlich, dass die Neuauflage der Bände 1a und 1b ausgerechnet jetzt erscheint. Das gilt natürlich insbesondere für Folge 1b mit der Königsindischen Verteidigung - denn, so schreibt Khalifman: "Einen nicht geringen Beitrag in der Theorieentwicklung dieses Systems haben einige Partien Kramnik - Topalov. Angesichts des im Herbst 2006 bevorstehenden Wiedervereinigungsmatchs zwischen Kramnik und Topalov scheint mir die Herausgabe dieses Buches gerade jetzt besonders passend zu sein. Wer weiß, womöglich werden sich die Gegner an ihre Jugend erinnern und die hier gesammelten neuen Analysen dieser Eröffnung auf den praktischen Prüfstand bringen.

Fernando Offermann, Berliner Schachverband

www.berlinerschachverband.de

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