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LXHARSIL
Autor

Steinitz in London

A Chess Biography with 623 Games

421 Seiten, gebunden, McFarland, 1. Auflage 2020

67,50 €
Inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten

Drawing on new research, this first biography of William Steinitz (1836– 1900), the first World Chess Champion, covers his early life and career, with a fully-sourced collection of his known games until he left London in 1882. A portrait of mid-Victorian British chess is provided, including a history of the famous Simpson’s Divan.

Born to a poor Jewish family in Prague, Steinitz studied in Vienna, where his career really began, before moving to London in 1862, bent on conquering the chess world. During the next 20 years, he became its strongest and most innovative player, as well as an influential writer on the game. A foreigner with a quarrelsome nature, he suffered mockery and discrimination from British amateur players and journalists, which eventually drove him to immigrate to America. The final chapters cover his subsequent visits to England and the last three tournaments he played there.

Weitere Informationen
Gewicht 1,24 kg
Hersteller McFarland
Breite 21,6 cm
Höhe 27,9 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2020
Autor Tim Harding
Sprache Englisch
Auflage 1
ISBN-13 978-1-4766-6953-3
Seiten 421
Einband gebunden
Fotos 84

001 Preface

007 Acknowledgments

008 Abbreviations

009 Annotation Symbols

010 A Note on Play at Odds

011 British Money and Notation

013 1. The Making of a Master, 1836-1862

035 2. The London Congress, May-August 1862

063 3. “The Greco of the present time,” 1862-1863

100 4. Quiet Years, 1864-1865

118 5. Dethroning Anderssen, 1866

149 6. Paris and Dundee, 1867

171 7. Difficult Years, 1868-1871

198 8. Big Successes, 1872-1873

230 9. Development and Crises, 1874-1876

257 10. Absent from the Board, 1877-1881

281 11. A Champion Returns-and Departs, 1882

304 12. Farewell to London, 1883

321 13. Last Visits to England, 1895-1899

Appendices

357 I. Match and Tournament Record

348 II. Dubious and Spurious Games

350 III. Extracts from Steinitz’s Review of Wormald’s Chess Openings (1875)

352 IV. First “Ink War” of 1876-1877

359 V. Leaving The Field, 1882

364 VI. Steinitz’s Grievances (1883)

366 VII. Steinitz Hits Back-Extracts from His International Chess Magazine Column

369 VIII. Bird on Steinitz (1890)

371 IX. MacDonnell on Steinitz (1894)

375 Chapter Notes

397 Bibliography

401 Index of Opponents (to game numbers)

403 Index of Openings-Traditional Names (to game numbers)

405 Index of Openings-ECO Codes (to game numbers)

406 General Index (to page numbers)

ZEIT DER ERFOLGE UND QUERELEN

In den letzten Jahren ist die Zahl von Schachbiographien deutlich angewachsen. Es mag gelegentlich überraschen, wie wenig über bedeutende Spieler bekannt ist und wie viele Missverständnisse und Fehlangaben bis heute kursieren. Doch da in jüngster Zeit immer mehr Archive via Internet zugänglich werden, kommen viele neue Fakten ans Licht, die zu Korrekturen führen.

Tim Harding ist wohl der profundeste Kenner des britischen Schachs im 19. Jahrhundert. Der promovierte Historiker hat sich bereits in Eminent Victorian Chess Players in einem Kapitel mit Steinitz befasst. Nun schwellte sein da­maliger Essay zu einem umfangreichen Buch an.

Es mag überraschen, dass bis heute die von Kurt Landsberger vorgelegte Biographie von 1993 die einzige ist, die sich mit dem gesamten Leben des ersten Weltmeisters beschäftigt. Doch gerade die erste Lebenshälfte von Steinitz wie auch die Partien sind bislang nur unzureichend dokumentiert. Harding konzentriert sich vor allem auf den Zeitraum von 1862-1882, in dem Steinitz in London lebte und wirkte. Zudem präsentiert er nicht nur mehrere Dutzend unbekannte und vergessene Partien, er berichtigt auch mit größter Sorgfalt die Zugfolge vieler weiterer, sodass diese Publikation auch für die Richtigkeit der Notation eine Deutungshoheit beanspruchen kann.

Wie schwierig damals die Durchführung von Turnieren war, wie lange es dauerte, bis sich Turnierstandards etablierten, auch davon erzählt Hardings Werk. Ebenso von der Geschichte der frühen Londoner Schachclubs, der Tradition der Vorgabepartie, dem Leben der Berufsspieler, von Kaffehäusern wie Simpson‘s Divan. Eine Passage ist dem Nachfolger von Kempelens Schach­türken, Gümpels Mephisto, gewidmet, bei dem man spekulierte, ob ihn nicht Steinitz be­dient hat, was der Autor aber für abwegig hält.

Darüber hinaus erfährt der Leser, dass sich Steinitz in einer rasch verändernden Umgebung zurechtfinden musste, denn Londons Einwohner­zahl stieg von 1860 bis 1880 um über eineinhalb Mil­lionen.

Die Detailversessenheit des Autors mag nicht jedem Leser gefallen, sie stört gelegentlich den Lesefluss, doch sie schildert recht plastisch die damalige Atmosphäre in London.

Die Faktenlage ist freilich schwierig. Schon bei Steinitz‘ Geburtsdatum gibt es Verwirrung, statt des 14. Mai 1836 wird häufig fälschlich der 17. Mai kolportiert. Immer wieder gibt es Irritationen wegen seines Vornamens. Sein Geburtsname Wolf geriet in Vergessenheit, in London benutzte Steinitz sowohl Wilhelm als auch William, wie er sich später in den USA ausschließlich nannte.

Der genaue Zeitpunkt von Steinitz Eintreffen in London bleibt unklar, es war jedoch im Mai 1862. Er spielte dort das internationale Turnier und blieb danach für 20 Jahre in der britischen Metropole.

In den Jahren 1864/65 war es für Steinitz besonders schwierig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es sind die Jahre, zu denen am wenigsten Informationen vorliegen. Weil es zu jener Zeit nur ganz wenige Turniere gab, war Steinitz auf seine Einnahmen in Kaffeehäusern angewiesen. Seine ökonomische Situation änderte sich erst mit seiner Anstellung bei The Field, wo er bis zu seiner Abreise in die USA eine Kolumne betreute.

Anfang 1865 lernte Steinitz vermutlich seine Frau Caroline Golder kennen, mit der er eine Tochter, Flora, hatte, die im August 1866 zur Welt kam, wie Harding anhand der aufgefundenen Geburtsurkunde belegen kann. Anscheinend haben beide jedoch nie geheiratet und vermutlich auch nicht zusammengewohnt.

1866 kam nach monatelangen Verhandlungen ein Match zwischen Steinitz und Anderssen zustande, der nach dem Rückzug von Morphy und seinem Sieg in London 1862 als stärkster Spieler der Welt galt. Als Preis wurde die hohe Summe von 100 Pfund ausgelobt. Steinitz ging als klarer Außenseiter ins Rennen. Sein Unterstützer Forster, den man als tollkühn bezeichnete, soll Steinitz Wochen vor dem Match bereits den beträchtlichen Betrag von 20 Pfund gestiftet haben, damit er sich frei von pekuniären Sorgen ganz auf das Match konzentrieren konnte. Vor dem Wettkampf erschien eine Partiensammlung von Anderssen, die Steinitz nutzte, um den Stil seines Gegners intensiv zu studieren. Vor­bereitung scheint mit Steinitz seinen Anfang genommen zu haben, wie der Autor meint.

Es blieb bis zur ersten offiziellen WM 1886 der höchstdotierte Wettkampf. Nach seinem Match­sieg bezeichnete sich Steinitz im Nach­hinein als Weltmeister. Dieser Sieg war ein Wendepunkt in Steinitz‘ Leben.

Als Steinitz 1867 an den beiden internationalen Turnieren in Dundee und Paris sowie 1870 in Baden Baden teilnahm, musste er allerdings zur Kenntnis nehmen, dass andere stärker sind: Kolisch, Neumann und Anderssen gewannen die ersten Preise. Doch in dieser Zeit zog sich Kolisch vom Schach zurück und Neumanns Karriere endete nach einem Nervenzusammenbruch schon 1872.

Erst 1872/73 konnte Steinitz seine Vorherrschaft in der Schachwelt etablieren. 1872 gewann er das Turnier in London und schlug Zukertort überlegen mit 9:3. 1872-74 trug er maßgeblich dazu bei, dass London gegen Wien das Korrespondenzmatch mit 1,5:0,5 gewann. Sein größter Triumph war aber 1873 sein Sieg in seiner alten Heimat Wien, wo er punktgleich mit Blackburne gewann, den er im Stichkampf bezwang.

Ab 1874 änderte sich das Leben von Steinitz, er konzentrierte sich mehr und mehr auf die Schachanalyse. Durch seine Kolumne in The Field hatte er ein regelmäßiges Einkommen. Zwischen 1873 und 1882 spielte Steinitz nur wenige Matches und beschränkte sich auf seine journalistische Tätigkeit. 1876 übernahm er nach Löwenthals Tod auch die Kolumne im London Figaro.

1882 kehrte Steinitz in die Turnierarena zurück und gewann 1882 erneut in Wien, womit er seine Hegemonie erneuerte. Gleich­zeitig verschlechterte sich in diesem Jahr das Verhältnis mit verschiedenen Meistern, Streitigkeiten, die zum Verlust seiner beiden Kolumnen führten, wodurch seine Haupteinnahmequelle wegfiel. Für den Rauswurf aus The Field trägt Steinitz selbst die Verantwortung. Er war nicht der erste Schachredakteur Londons, der in seinen öffentlichen Auseinandersetzungen "persönlich“ wurde, aber mit seinem verbalen Angriff gegen den beliebten Wormald hatte er den Bogen überspannt.

Mit dem Ende seiner Kolumnen 1882 endete nach 20 Jahren auch seine Zeit an der Themse. Er spielte 1883 noch das Londoner Turnier, wo Zukertort mit drei Punkten Vorsprung einen großen Erfolg feierte, was der Ausgangspunkt für die 1886 ausgetragene erste offizielle Weltmeisterschaft war. Anschließend reiste Steinitz endgültig Richtung USA ab, wo er eine neue Heimat fand.

Steinitz‘ Familie reiste ihm kurze Zeit später hinterher. Doch seine Tochter wurde krank und starb 1888 mit nur 22 Jahren. Harding vermutet hierin auch den Grund für die schnelle Einstellung von Steinitz‘ International Chess Magazine, denn seine Tochter war auch seine Sekretärin. 1892 starb auch Steinitz‘ Frau, ein Jahr später heiratete er noch einmal und bekam zwei weitere Kinder.

1899 betrat der gesundheitlich bereits stark angeschlagene Steinitz ein letztes Mal britischen Boden, als er in London mitspielte.

Harding beurteilt Steinitz‘ Verhalten in seinem Buch milde und verteidigt ihn oft. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Klima unter den Schachspielern in London angespannt war und Steinitz seinen Beitrag dazu geleistet hat. Die Zeit von Steinitz in London war von vielen Querelen geprägt, die oft öffentlich über die Zeitungskolumnen ausgetragen wurden.

Staunton, der beim Match 1866 als Sekundant von Anderssen fungierte, ließ keine Gelegenheit aus, die Bedeutung von Steinitz‘ Sieg herabzuwürdigen. Er war nicht der einzige, der Steinitz nicht wohlgesonnen war. Mit Hoffer führte Steinitz über die Kolumnen eine als Ink War in die Geschichte eingegangene Fehde. Aber auch Unstimmigkeiten mit Zukertort, Bird, Duffy und anderen spiegeln die feindselige Atmosphäre wieder, die auch dazu führte, dass Steinitz gleich aus zwei Londoner Schachclubs austrat.

Diese Kontroversen scheinen darauf hinzuweisen, dass Steinitz, als Ausländer, kein Gespür für die Feinheiten britischer Kommunikationskultur und Manieren hatte. Da das Thema nicht explizit in Hardings Buch besprochen wird, haben wir den Autor dazu angefragt. Er meint, dass Steinitz auch nicht beabsichtigte, die Art von Mensch zu werden, die sich den bürgerlichen Normen des mittleren Viktorianischen Zeitalters anpasste. Männer der Mittel- und Oberschicht bewerteten das Verhalten des jungen Steinitz aber sicherlich als ungehobelt.

Wegen seines groben Benehmens hatte Steinitz bereits vor seiner Londoner Zeit Probleme. So stimmte die Mehrheit des Wiener Schachclubs 1862 dagegen, ihn als offiziellen Vertreter des Clubs nach London zu schicken (wie Harding belegen kann, auch wenn dies von einigen zeitgenössischen Quellen anders kolportiert wurde).

Trotzdem fand Steinitz in London einige einflussreiche Unter­stützer, so etwa den Herausgeber von The Field, Walsh, der dafür sorgte, dass er die Kolumne überhaupt so viele Jahre "überlebte“. Walshs lange Krankheit war ein Hauptfaktor dafür, dass Steinitz‘ Position in der Zeitung geschwächt wurde, was in der Forschung bislang wenig Beachtung fand.

Schachbücher, die von McFarland herausgegeben werden, sind moderne Folianten, die inhaltlich mit großem Forschungsaufwand produziert werden, weshalb der hohe Verkaufspreis gerechtfertigt ist. Der Anhang, eine umfangreiche Literaturliste, die Chronologie, zusätzliche Dokumente und akribische Indizes, dazu seltenes Bildmaterial - Tim Hardings Steinitz in London ist eine Publikation, die kommenden Forschern als Referenzwerk dienen wird.

Harry Schaack

KARL 1/2021

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