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LXREEGS

Grand Strategy

Eigenschaften

143 Seiten, kartoniert, Eigenverlag, 2001

19,95 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Weitere Informationen
Gewicht 360 g
Hersteller Eigenverlag
Breite 16,3 cm
Höhe 24 cm
Medium Buch
Erscheinungsjahr 2001
Autor Jan van ReekBoris Spassky
Sprache Englisch
ISBN-10 9074827411
Seiten 143
Einband kartoniert

0071. Introduction

0152. Struggle

016 A. Attack in the centre

038 B. Attack on the king

057 C. Flank attack

065 D. Encirclement

0793. Prophylaxis

081 A. Restraint

101 B. Consolidation

114 C. Counterattack

1314. Pocket strategies 1445. Biographic Appendix

Begibt man sich auf die Suche nach dem meist unterschätzten Schachspieler aller Zeiten ist Boris Spassky, der 10. Weltmeister der Schachgeschichte, ein recht guter Kandidat. Denn richtig bekannt wurde und blieb er durch seine Niederlage im legendären Match gegen Fischer 1972. Die danach einsetzenden Repressionen des sowjetischen Schachverbandes waren einem ernsthaften Come-Back-Versuch nicht gerade förderlich und so verdiente sich Spassky nach erfolgreicher Ausreise aus der Sowjetunion in zahlreichen Turnieren mit oft schnellen Remis den Ruf eines gutmütigen russischen Bären, den man nicht reizen soll, der aber eigentlich recht friedlich ist. Die Farce des skandalösen "Revanchekampfs" gegen Fischer 1992 war dann auch nicht gerade gute Imagepflege.

All dies ließ und lässt leicht vergessen, dass Spassky mit seinem enormen Schachtalent bereits als Jugendlicher beachtliche Erfolge erzielen konnte und auch danach trotz gelegentlicher Rückschläge jahrelang ohne jeden Zweifel einer der besten Spieler der Welt war und spätestens seit Beginn der Sechzigerjahre stets zum engeren Kreis der WM-Favoriten zählte. Sein dynamischer, kampfbetonter und vielseitiger Stil war ebenso gefürchtet wie sein Pokerface, das dem Gegner nie verriet, wie Spassky seine Stellung einschätzte.

Mit ein Grund für die Unterschätzung Spassky's mag sein, dass er, obwohl laut Lebenslauf studierter Journalist, kaum je über Schach geschrieben hat. So gibt es keine von ihm verfasste Sammlung der "Besten Partien", keine Autobiografie, in der er seine Sicht der Dinge liefert und, leider, leider, leider auch keinen von Spassky geschriebenen Bericht über den Wettkampf gegen Fischer. Natürlich gibt es ein paar Bücher über ihn, die vor allem vor dem Wettkampf 1972 erschienen sind, die aber mittlerweile veraltet sind und deren schachliches Niveau oft ebenfalls nicht sehr hoch ist. Allerdings erschien auf der Webseite Kasparovs (www .kasparovchess.com) vor kurzem ein Vorabdruck des Spassky-Kapitels aus Kasparovs geplantem Buch über die Schachweltmeister, in dem sich der Ex-Weltmeister sehr anerkennend über Spasskys Schach äußert.

Das mit der Unterstützung Spasskys verfasste Buch Jan van Reeks, eines Computerexperten und Schachspielers mit einer Elozahl von 2325 Punkten, der zudem nach eigenen Angaben über 150 Artikel über "Sterblichkeit, Rauchgewohnheiten und Herzkrankheiten" veröffentlicht hat und sich generell mit Fragen strategischen Denkens beschäftigt, verspricht nun diese Lücke zu schließen. Getreu seinen Interessen versucht van Reek in diesem Buch anhand von 50 Spassky-Partien (darunter auch Verlust- und Remispartien) grundlegende Aspekte der Schachstrategie zu illustrieren. Nach einer kurzen Einleitung folgen zwei umfangreiche Abschnitte über "Struggle" und "Prophylaxis". Danach folgt noch ein weiterer kurzer Abschnitt über "Pocket Strategies". Die beiden längeren Kapitel über "Kampf" und "Prophylaxe" sind noch einmal nach Unterthemen gegliedert. Zu jedem der Abschnitte gibt es eine Reihe von Beispielpartien, in denen van Reek versucht, das jeweilige Thema noch weiter zu vertiefen, oder aber weitere strategische Elemente zu erläutern.

Die Analysen der einzelnen Partien stammen entweder von van Reek oder aber von Spassky. Da Spassky aber laut Einleitung auch ein Vorwort geschrieben haben soll, das sich in diesem Buch nicht finden lässt, ist auf die Quellenangabe van Reeks nur bedingt Verlass. Geprüft wurden die Analysen angeblich von einer Reihe von Computergrogrammen, was immerhin ein Mindestmaß an taktischer Genauigkeit in kritischen Stellungen verheiß t.

Ansonsten leidet van Reeks Buch jedoch in mehr als einer Hinsicht an mangelnder Genauigkeit. Dies fängt bei dem holperigen Englisch an und endet bei der Verwendung strategischer Begriffe und der oft willkürlich wirkenden Auswahl der Partien.

Gerade bei der Verwendung strategischer Begriffe wirken van Reeks Ausführungen verwirrend: bezieht er sich einerseits auf Nimzowitsch, Philidor, Hans Berliner und William Cluleys 1857 erschienes Buch "The Philosophy of Chess", so unterlässt er es andererseits auf moderne Untersuchungen wie Watsons "Secrets of Modern Chess Strategy" oder die Bücher Dworetskis zum Thema hinzuweisen. Das alles zusammen ergibt eine oft unverständliche Aneinanderreihung mehr oder weniger zutreffender strategischer Überlegungen und Maximen. Zwei Beispiele: "An essential principle is to strive the player`s own pieces to have unrestricted influence on important squares. The beneficia effect might be the prevention of an adverse attack. (S. 81)". Oder etwas kurioser und unterhaltsamer: "Strategic movement is simple during an attack in the centre. Pawns go straight forward through the middle of the board. Sometimes victory looks easy too. In Game 2.8 a passage is allowed to the d-pawn, like the Red Sea opening up for Moses. But the trick is well known (S. 37)". In beiden Fällen macht das schlechte und unverständliche Englisch leider auch die Übersetzung schwer - aber keine Angst, wenn man dieses Englisch nicht versteht, ist das eigentlich eher ein gutes Zeichen.

Dazu kommen noch krude Überlegungen zur sowjetischen Schachschule (siehe S. 7) und eine, vorsichtig gesagt, eigenwillige Art der Partiekommentierung. Als Illsutration dessen eine Auswahl der Anmerkungen zur 13. Partie des Wettkampfes Spassky gegen Fischer. Einleitend schreibt van Reek: "In a highly interesting game, Fischer applies consolidation with special effects. His pieces move forward on a mission. He moves them back to a consilidated position when the mission is accomplished. The accordion (was auch immer das in diesem Zusammenhang sein mag, JF) confuses Spassky." Dann folgt die Partie (Spassky hat Weiß)

1. e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. d4 d6 4. Sf3 g6 5. Lc4 Sb6 6. Lb3 Lg7 7. Sbd2 0-0 8. h3 a5 9. a4 dxe5 10. dxe5 Sa6 Kommentar van Reek: "The a-pawn becomes the target of annother accordion". 11. 0-0 Sc5 12. De2 De8 13. Se4 Sbxa4 14. Lxa4 Sxa4 15. Te1 - 16. Ld2 a4 17. Lg5 h6 18. Lh4 Lf5 19. g4 Kommentar van Reek: "White`s courageous advance starts a new harmonica." ...

Leider liefert das Buch auch kaum biografische Einzelheiten oder eine Übersicht über die schachliche Entwicklung Spasskys. Was an Positivem zu vermerken bleibt sind die Fotos im Inneren des Buches, der wirklich ungewöhnlich schöne Einband des Buches und, natürlich, die Partien Spasskys.

Vielleicht mag dies den einen oder anderen ja über die erwähnten Mängel hinweg trösten - wenngleich ich mir dies schwer vorstellen kann. Denn mir erscheint dies Buch weder eine angemessene Würdigung noch eine gelunge Unterweisung in die Geheimnisse der Schachstrategie zu sein.

Johannes Fischer, Europa Rochade 5/2001

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