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Mein Leben für das Schach - Eine Biographie

248 Seiten, gebunden, Olms, 1. Auflage 2004

Aus der Reihe »PraxisSchach«

29,95 €
Inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Viktor Kortschnoi gehört zu den größten Persönlichkeiten der Schachgeschichte, die er seit fast 50 Jahren mit prägt. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der ungebrochene kämpferische Stil des über 70-Jährigen gefürchtet. Immer wieder lässt der eingebürgerte Schweizer bei stark besetzten Turnieren Weltklassespieler hinter sich, die seine Enkel sein könnten.

Zeit also, Viktor Kortschnois Autobiographie „Chess is my Life", die vor mehr als 25 Jahren erschien, auf den neuesten Stand zu bringen. Der zweimalige Herausforderer um die Schachkrone (1978 und 1981) erzählt sein Leben von Beginn an neu. Erinnerungen an die Kindheit im belagerten Leningrad, die Studienzeit an der Universität seiner Geburtsstadt (dem heutigen Sankt Petersburg), sein Aufstieg zur Weltspitze, der im März 1954 mit dem ersten internationalen Turniersieg in Bukarest begann, sowie die Jahre nach der Flucht 1976 in den Westen sind fraglos bewegendes Zeitdokument dieses leidenschaftlichen und energiegeladenen Vorbildes mehrer Generationen von Schach freunden. Der Band enthält zudem viele Fotos und einige von Kortschnoi neu kommentierte Partien, die für seine glanzvolle Schachkarriere entscheidend gewesen sind.

„Mein persönliches Verhältnis zu Viktor Kortschnoi hatte über die Jahre Höhen und Tiefen, aber unsere beiderseitige Leidenschaft für das Schach hat letztlich immer triumphiert."
Garri Kasparow, 13. Schachweltmeister
„Ich bin sicher, dass in Viktor Kortschnois Gehirn mehr graue Zellen mit Schach befasst sind als bei jedem anderen Spieler."
Genna Sosonko, ehemaliger Trainer und Freund

Mit CD-ROM (im ChessBase Standard) mit allen bekannten Partien. Fester Einband mit extra starken Deckeln


Als ich Viktor Kortschnoi das erste Mal traf, war ich zwölf Jahre alt und spielte gegen ihn in einer Uhrensimultanvorstellung im November 1975 in Leningrad. Es war das alljährliche Turnier der Mannschaften der Pionierpaläste. Jedes Team trat mit sieben jungen Spielern gegen die Kapitäne der anderen Mannschaften an - und was waren das für Kapitäne! Karpow, Kortschnoi, Symslow, Polugajewski. Und Sie können sich sicher die Rivalität zwischen Karpow und Kortschnoi vorstellen, als es darum ging, das beste Ergebnis zu holen. Meine Bakuer Mannschaft traf in der letzten Runde auf Kortschnoi, und ich werde niemals die fürchterliche Energie vergessen, die Viktor gegen seine jungen Gegner aufbrachte - als ob es sich um ein Match um die Weltmeisterschaft handeln würde.
Er ist immer diese Mixtur aus Leidenschaft und Anmaßung - er kann einfach nicht anders!
Dies ist ein Beispiel für seinen Eifer am Brett. 1983 lieferte er jedoch Anschauungsunterricht in Charakterstärke außerhalb des Brettes. Als ich aufgrund der Intrigen der sowjetischen und der FIDE-Offiziellen vor unserem Kandidatenmatch in Pasadena disqualifiziert wurde, lehnte es Kortschnoi ab, die Dinge damit auf sich beruhen zu lassen. Er konnte nicht glauben, dass er erneut Karpow entgegentreten sollte, ohne vorher mich geschlagen zu haben.
Als wir uns in Jugoslawien trafen, um über das Match zu diskutieren, gab er mir auch einige praktische Ratschläge. Er schaute auf meine Kleidung und bemerkte dann:
„Man kann einen Sowjetmenschen immer an seinen Schuhen erkennen. Kaufen Sie sich ein Paar gute Schuhe!" Kortschnoi ist sich selbst gegenüber immer so kritisch gewesen wie gegenüber anderen. Es hat nur sehr wenige Spieler gegeben, die so ehrlich waren, ihre eigenen Züge zu kritisieren. Dazu würde ich Botwinnik, Fischer und am entschiedensten Kortschnoi zählen. Ich erinnere mich an eine seiner Partien aus seiner kommentierten Sammlung. Eine Partie aus dem Jahr 1960, in der er Weltmeister Botwinnik besiegte. Er hatte die Partie und seine damaligen Kommentare einer erneuten Prüfung unterzogen und machte dabei eine ziemlich ungewöhnliche Beobachtung. In einer alten Anmerkung hatte er geschrieben: „...Lc6 hätte Schwarz bessere Überlebenschancen eingeräumt." Nun fügte er der neuen Fassung hinzu: „Ein typischer Fall von Feigheit, wenn der Kommentator keinen Gewinn finden kann!" Und in seiner späteren Analyse fand er den Gewinn! Was für eine beeindruckende Ehrlichkeit nach einem Sieg gegen den Weltmeister, und er hat diese Grundeinstellung auch nach 40 Jahren beibehalten. Kortschnoi ist lange eine der umstrittensten Figuren in der Schachwelt gewesen, aber jedermann erkennt den immensen Beitrag an, den er für das Schach geleistet hat. In der gesamten Schachgeschichte lässt sich kein anderer Schachspieler finden, der über so viele Jahre diese Disziplin, Vitalität und unbändigen Kampfgeist gezeigt hat. Er ist auf seine Art unvergleichlich. Lasker und Symslow waren zwar ähnlich lange aktiv, aber ihr Beitrag verringerte sich mit der Zeit, da sie sich mehr auf ihr Talent und ihre Erfahrung verließen. Kortschnoi hingegen sucht selbst jenseits der siebzig noch die Wahrheit im Schach. Immer noch strebt er nach großen Partien mit großen Ideen. Er ist einer der größten Wahrheitssucher!
Mein persönliches Verhältnis zu Kortschnoi hatte über die Jahre Höhen und Tiefen, aber unsere beiderseitige Leidenschaft für das Schach hat letztlich immer triumphiert. Wir alle kommen nicht umhin, seine unentwegte Hingabe an unser Spiel zu bewundern.
Garri Kasparow
Moskau, im Juni 2004
Weitere Informationen
EAN 9783283004095
Gewicht 800 g
Hersteller Olms
Breite 17,5 cm
Höhe 24,5 cm
Medium Buch, CD
Erscheinungsjahr 2004
Autor Viktor Kortschnoi
Reihe PraxisSchach
Sprache Deutsch
Auflage 1
ISBN-10 3487004099
ISBN-13 9783283004095
Seiten 248
Einband gebunden
007 Geleitwort von Garri Kasparow
009 Vorwort von Sergej Iwanow: Viktor Kortschnoi - Oder das Geheimnis der Langlebigkeit im Schach
012 Prolog

Teil l - Mein Leben in der Sowjetunion
014 1. Kinder-und Jugendjahre
021 2. Ein ungeliebtes Studium und der Meistertitel
026 Partie 1: V. Kortschnoi - M. Botwinnik
031 3. Erste Schritte als Schachprofi und die internationale Premiere
033 Partie 2: R. Neschmetdinow - V. Kortschnoi
041 4. Sprung in die höhere Gesellschaft
041 Partie 3: W. Bagirow- V. Kortschnoi
049 Partie 4: R. Fischer- V. Kortschnoi
056 5. Ernste Schwierigkeiten und ein „Schachzug"
061 6. Havanna, Sousse, Amsterdam
066 7. WM-Kandidatenmatches und unvorhersehbare Zwischenfälle
071 8. Wertvolle Erfahrungen
076 9. Historische Zweikämpfe
083 10. An der Schwelle wichtiger Ereignisse
088 11. Neue sportliche Herausforderungen: Mecking und Petrosjan
093 12. Das erste Match gegen Karpow
097 13. Die Bestrafung
101 14. Der unvermeidliche Bruch
105 15. Die Flucht
112 Igors Erinnerungen

TEIL II - Mein Leben im Westen
123 1. Der dreifache Schutzwall auf dem Weg zu Karpow
130 2. Nachdenken über Boris Spasski
136 3. Das WM-Match in Baguio
140 - Die erste Etappe
144 - Partie 5: A. Karpow- V. Kortschnoi
150 - Die Krise
156 - Stürmisches Finale
161 - Nachspielzeit
164 4. Schacholympiade in Buenos Aires und das Chamäleon Donner
170 5. Das Jahr 1979
173 6. Der Boykott
175 7. Und wieder WM-Ausscheidungen
182 8. Das WM-Match in Meran
188 9. Mysteriöse Schachereignisse
191 10. Meine amerikanischen Stories
194 11. Neue Herausforderungen
198 12. Unglückliche „Familienzusammenführung"
200 13. Ich fühle das Alter
203 Partie 6: G. Kasparow- V. Kortschnoi
207 Partie 7: W. Smyslow- V. Kortschnoi
210 Partie 8: V. Kortschnoi- W. Smyslow
212 Partie 9: V. Kortschnoi - M. Taimanow
213 14. Über Schiedsrichter und Schnellschach
216 15. Wie ich Schweizer wurde und meine Heimatstadt besuchte
220 16. Meine unerklärliche Partie mit Geza Maröczy
223 17. Wijk aan Zee und die van Oosterom-Turniere
226 18. Neue Spielregeln und die K.o.-WM in Las Vegas und Moskau
228 19. Schach in der Schweiz
231 20. Das undurchsichtige Match in Kasachstan
234 21. Das Jubiläumsjahr 2001 und neue Kontakte nach St. Petersburg
238 22. Schachpädagoge und Trainer
240 Epilog

Anhang: Statistik
241 Die größten Turniererfolge
246 Kandidatenwettkämpfe und Weltmeisterschaften
248 Schacholympiaden
Rezension der englischen Ausgabe:

GM Victor Kortschnoi, oft liebevoll-ehrfürchtig auch „Victor der Schreckliche" genannt, hat sich den Beinamen „lebende Schachlegende" redlich verdient: sei es, weil er einer der absoluten Weltspitzenspieler war, die niemals Weltmeister wursei es, weil er im Jahre 1976 als einer der bekanntesten Dissidenten der UdSSR den Rücken gekehrt hat; sei es, weil er drei nervenzermürWM-Kämpfe gegen Anatoli Karpow bestritten hat und damals lange Zeit als Nummer zwei der Weltrangliste geführt worden ist; sei es auch, weil er auch heute noch, mit 74 Jahren, eine scharfe Klinge schlägt und als hochwillkommener Gast und Attraktion viele Turniere bereichert.
Vor kurzem hat er zwei Sammelbänseiner besten Partien herausge(ebenfalls bei Edition Olms erschienen); und auf Anregung des Schweizer Journalisten Thomas Wälti hin hat er nun seine Autobiofolgen lassen.
Im Vorwort attestiert ihm Garry Kasparov eine „Mischung aus Leidenund Arroganz" (S. 7, übersetzt vom Rezensenten), und wenn man noch seine unbeugsame Prinzipienund den Hang zur klaren, kompromisslosen Aussprache hinzuadso trifft dies genau die Diktion seines Textes (den man übrigens nur mit entsprechenden Englisch-Kenntnissen lesen und verstehen kann).
Im ersten Teil (S. 12-102) beschreibt Kortschnoi sein Leben in der Sowvon 1931 bis 1976: Geboin Leningrad, waren seine Kindim Zweiten Weltvon der Belagerung seiner Heimatstadt durch die deutsche Wehrmacht geprägt. Im Schach stellten sich schon früh Erfolge ein mit dem Gewinn der sowjetischen Jugendmeisterschaft 1947 und dem sechsten Rang bei der Erwachsenen-Landesmeisterschaft 1952 - diese Veranstaltung sollte er dann 1960, 1962, 1964 und 1970 als Sieger beund dieses Turnier galt daals das stärkste der Welt!
Die internationale Karriere Kortschnois begann gleich mit einem Turin Bukarest 1954, und in den kommenden 22 Jahren sollten 19 weitere folgen.
1967 starteten seine Anläufe zur Weltmeisterschaft, welche 1968 von Spasski, 1971 von Petrosjan und 1974 von Karpow in den Kandidaämpfen gestoppt wurden. Dabei erzählt er einiges über seine Intim-Feindschaften zu Petrosjan und Karpov.
Nach immer größer werdenden Redurch die Schach-Apparatschiks nutzte Kortschnoi schließseine Teilnahme am IBM-Turin Amsterdam 1976 zur Flucht in den Westen; in seine Pläne hierzu hatte er weder seine Ehefrau Bella noch seinen Sohn Igor eingeweiht. Letzterer musste später fast zwei Jahre in einem sibirischen Arbeitslaverbringen (Igors Erinnerungen stehen auf S. 103-112).
Im zweiten Hauptabschnitt des Bu(S. 113-218) berichtet der Auüber sein Leben im Westen seit 1976: Hier stehen zunächst die neuKandidatenkämpfe und die zwei WM-Duelle gegen Erzfeind Karpov 1978 in Baguio und 1981 in Meran im Mittelpunkt. Über die Vorgänge auf den Philippinen hat Kortschnoi seinerzeit ein Buch geschrieben (Antischach) und die sowjetische Seite der parapsychologischen Einflussnahme bezichtigt (Stichwort Dr. Suchar). Diese Vorwürfe bekräftigt er auch jetzt noch und behauptet überdies, dass er im für ihn ebenfalls verloren gegangenen Meraner Zweidurch russische Strahlen nebeeinflusst worden sei. Aber auch mit kräftigen Seitenhieben auf andere Zeitgenossen spart der Verkeineswegs: seien es Boris Spasski, der (inzwischen verstorbeholländische GM Jan Hein Dondie FIDE-Präsidenten Campomanes und Ilyumshinov, der beSchiedsrichter Geurt Gijssen, Bobby Fischer höchstpersönlich, oder aber der kasachische GM DarSadvakasov, gegen den Kort2003 ein freundschaftliches (!) Match verloren hat und ihn herunsauberer Manipulationen verdächtigte; - alle bekommen ihr Fett weg!
Aber positive Erinnerungen gibt es auch noch: etwa ein dickes Lob für den Fernschach-Weltmeister und Mäzen Joop van Oosterom, für das Schweizer Schachleben im Allgeund für das Olympiateam im Besonderen; ferner ein Gedenken an sein Jubiläumsjahr 2001, Besuche in seiner Heimatstadt und an die Verder Ehrendoktorwürde durch die Universität Chisinau (Moldawien) im Jahre 2002.
Obwohl „ich mein Alter fühle" (ZiS. 181, übersetzt vom Rezensenbleibt der unermüdliche und unerschrockene Kämpfer Victor Kortschnoi dem Turnierspiel treu (nicht weniger als 60 Turniersiege von 1976 bis 2005 stehen zu Buund sucht weiterhin die Auseiauf den 64 Feldern, speziell auch mit den jungen Nachäften.
Da ausgewählte Partien Kortschnois schon in zwei Bänden erschienen sind, beschränkt er sich hier auf die Wiedergabe von neun Partien gegen große Rivalen, u.a. Karpov, Kasparov, Botwinnik, Smyslow und FiDem Buch ist überdies eine CD beigegeben mit nicht weniger als 4280 (!) Kortschnoi-Partien im Chess-Base-Format. Die lesenswerte Autobiographie wird ergänzt durch 35 Fotodoku-
mente sowie Statistiken zu seinen Turnier-Ergebnissen, Kandidaten-und WM-Zweikämpfen und Olym(Anhang S. 219-226) Außerdem gebührt auch der höchst gediegenen äußeren Erscheinungsdes Buches mit Festeinband und Fadenbindung - wie ja von Olms gewohnt - eine lobende Erähnung.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 3/2006
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Bereits zu seinem 70. Geburtstag angekündigt, ist die Kortschnoj-Biographie doch noch erschienen, und sie ist - zumindest für die, die Antischach (1980) und Ein Leben für das Schach (1981) nicht kennen -spannend zu lesen wie selten ein Schachbuch. Im ersten Teil schildert Kortschnoj all die Schiebedie im Sowjetschach an der Tagesordnung waren: Er wurde UdSSR-Jugendmeister, nachdem seine Trainer zwei andere St. Petersburger Jugendligezwungen hatten, gegen ihn zu verlieren usw. Viele Interna werden aufgedeckt, sein eskalierender Konflikt mit Petrosjan, die Flucht in den Westen 1976... Was „Curacao 1962" angeht, trägt Kortallerdings nicht dazu bei, Licht ins Dunkel zu bringen (zu diesem Thema steht ein Buch Timmans kurz vor der Veröffentlichung, d. Red.). Zentrales Thema sind die außerschachlichen Begleitände von Kortschnoj s WM-Kämpfen gegen Karpow in Baguio 1978 und Meran 1981, bei denen die Sowjets gemäß Kortschnojs Darstellung mit allen möglichen (para-)psychologischen, chemischen und sonstigen Mitteln gearbeitet haben. Kortschnoj rechstreng mit seinen Erzfeinden ab: Petrosjan, KarUdSSR-Delegationsleiter Baturinski, Keene. In diesem Ton fährt er fort. Im Weltschachbund (sowieso) wie auch im eigenen Lager wimmelte es nur so von Verrätern und unfähigen Leuten. Nur ganz wenige (z. B. Kasparow) bleiben verschont. Die Kritik des Autors macht auch vor Leuten nicht halt, die ihm grundsätzlich wohlgesonnen waren, etwa Fide-Präsident Euwe oder Sosonko. Ich denke, in außergewöhnlichen Situationen wie den besagten WM-Kämpfen können auch „gute" Menschen nicht immer die Tragweite ihres Verhaltens vollständig einschätzen. Sie deswegen leichtfertig zu verurteilen, heißt, über das Ziel hinauszuschießen. Zumal fragist, ob Kortschnoj selbst die hypermoralischen Ansprüche erfüllt, die er an andere stellt. Man kommt dennoch nicht umhin, Bewunderung für diesen 73-jährigen Mann zu hegen, der so viel weggesteckt hat und dennoch nicht zerbrochen ist. Rastund erfolgreich spielt er Schach bis auf den heuTag. Ein Dokument, das plastisch zum Ausbringt, wieviel Haß der Totalitarismus und der Kalte Krieg erzeugt haben.
Diese Biographie ist der Abschlußband zum Gesamtmit Meine besten Kämpfe - Band 1: Partien mit Weiß, sowie Band 2: Partien mit Schwarz (Olms 2001). Sehr lehrreich kommentierte Partiesammlunnicht so sehr analysewütig (wie etwa KortBuch über Turmendspiele), dafür kommt sein kämpferischer Stil gut rüber; besonders, wie er es auch mit den schwarzen Steinen versteht, (Gewinn-)Chancen zu schaffen. Im Unterschied zu andePartiesammlungen werden viele weniger bePartien vorgestellt. Seitenhiebe auf Kontrakann er sich auch hier nicht verkneifen, wobei der zweite Band schriftstellerisch gediegener wirkt.

Schach 01/2005
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Freunde einer zünftigen Kontroverse hat Viktor Kortschnoi selten enttäuscht und auch in seiner Autobiographie Mein Leben für das Schach nimmt er kein Blatt vor den Mund. Genussvoll erzählt er, wer alles gegen ihn intrigierte oder einfach nur ein schlechter Mensch ist. So bezeichnet er Petrosjan und Spasski als „die führenden Schauspieler", „Heuchler, tückische Leute, die äußerlich ein gutes Verhältnis zum Gegner haben, um ihn zu entwaffnen" (S.81), Smyslow wird kritisiert, weil er „seine Anhänger in der Regierung" häufig bat, ihm zu helfen und „gern Plätze in Turnieren in Anspruch nahm, die ihm nicht zustanden, indem er seine Großmeisterkollegen ausbootete" (S.58). Tal wirft er vor, dass er „seine Seele" hergab und „in Karpows Dienste" trat, um wieder Turniere im Ausland spielen zu dürfen. Den größten Groll hegt er gegen Karpow (siehe auch S.26ff), aber eigentlich verdächtigt Kortschnoi fast jeden, Böses gegen ihn im Schilde zu führen.
Tatsächlich hat Kortschnoi Grund zur Paranoia. Er wird 1931 in Leningrad geboren und wächst in der Ära des Stalinismus auf. Als Kortschnoi zehn ist, zieht der Vater in den Krieg und kommt nie zurück, während die Großmutter, die ihn nach Trennung der Eltern umsorgt hatte, bei der Blockade Leningrads durch die Deutschen an Auszehrung stirbt. Nach Kriegsende studiert Kortschnoi lustlos aber erfolgreich Geschichte und beginnt danach eine Karriere als Schachspieler. Bald gehört er zur sowjetischen Spitze und bekommt die Intrigen um Auslandsreisen, Plätze in der Nationalmannschaft und politischen Einfluss hautnah mit. 1976 beantragt Kortschnoi in Holland politisches Asyl und wird damit in der Sowjetunion zur Unperson. Der sowjetische Schachverband boykottiert Turniere, an denen er teilnimmt, seine Partien werden nicht veröffentlicht und seine Frau und sein Sohn, die weiter in der Sowjetunion leben, werden unter Druck gesetzt.
Aber diesen spannenden Geschichten, die einen schönen Kontrast zur üblichen Lobhudelei anderer Schachspielerbiographien bilden, mangelt es gelegentlich an Glaubwürdigkeit, da Kortschnoi die Distanz zur eigenen Person fehlt. So war er sich bei aller Kritik am politischen Konformismus seiner Kollegen selbst nicht zu schade, Parteimitglied zu werden, um weiter ins Ausland reisen zu dürfen. Und Petrosjan verhöhnt er, weil der nach seiner Schlappe gegen Fischer 1971 „mystische Kräfte" verantwortlich macht, aber dabei sind Kortschnois Erklärungen für seine wiederholten Niederlagen gegen Karpow nicht weniger phantastisch. In Baguio 1978 schleicht sich angeblich der Parapsychologe Wladimir Suchar in sein Gehirn und 1981 in Meran schaffen die Sowjets drei Container ins Land, um Kortschnoi während des Wettkampfs gezielt bestrahlen zu können.
Ob man all das glaubt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Aber unterhaltsam bleibt das Buch allemal - eben weil diese kontroversen, extremen Meinungen so typisch für Kortschnoi sind.

Zeitschrift Karl 01/2005
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Thriller einer nimmermüden Legende
Viktor Kortschnoi: Mein Leben für das Schach
Rezension von FM Hartmut Metz, Januar 2004
Bewertung des Rezensenten: 5 Sterne

Es gibt wohl keinen anderen Großmeister, der dem Schach alles - selbst andere Menschen - so unterordnete: Der dritte Teil der Autobiographie von Viktor Kortschnoi lautet daher äußerst treffend "Mein Leben für das Schach". Zweimal scheiterte der 73-Jährige erst auf der letzten Stufe zum WM-Thron - während aber alle Weltmeister (so sie nicht früh starben) irgendwann die Lust am Spiel verloren, erlosch bei Kortschnoi nie das Feuer! Jüngster Beweis war das Turnier im norwegischen Drammen. Dort traf der Wahl-Schweizer auf Magnus Carlsen. Der 14-jährige Wunderknabe, seines Zeichens jüngster Großmeister des Planeten, könnte Kortschnois Urenkel sein. Gnade kannte "Viktor der Schreckliche" trotzdem nicht. Mit gewohntem Einsatz erteilte der einstige St. Petersburger in 40 Zügen dem kleinen Norweger eine kostenlose Lektion. Wie die stets unterhaltsame Webseite der Hamburger Firma ChessBase ausrechnete, ist Kortschnoi damit gegen Topspieler in einer Altersspanne von 101 Jahren angetreten! Vor rund einem halben Jahrhundert war der Wohlener am Brett auf den 1889 geborenen Grigori Löwenfisch getroffen. Ein besonderer Rekord.
Nach den beiden "Meine besten Kämpfe" (jeweils 25 Euro), die Kortschnois wichtigsten Erfolge mit Weiß (Band 1) und Schwarz (Band 2) beinhalten, ist der dritte und letzte Teil vor allem ein Schach-Thriller. In "Mein Leben für das Schach" finden sich auf den 248 Seiten keine Gewinnpartien des Altmeisters mehr. Lediglich zehn Duelle werden aufgelistet, beispielsweise die Niederlage 1962 beim Interzonenturnier in Stockholm gegen Bobby Fischer oder Kortschnois Remis 1986 in Brüssel gegen Garri Kasparow. Siege des Schweizers fehlen - schließlich hatte er diese zuhauf in den beiden ersten Bänden veröffentlicht. Als Ersatz gibt es aber in Band 3 eine CD mit 4.250 Partien der nimmermüden Legende.
Bei dem Werk handelt es sich somit vor allem um ein Lesebuch - und was für eines! Das liegt zum einen am bewegten Leben des 1976 aus der Sowjetunion geflüchteten Vizeweltmeisters, zum anderen an seinen kompromisslosen subjektiven Erzählungen. Kortschnoi nutzt die Trilogie zu einer Abrechnung an all jenen, die ihm seiner Ansicht nach Unrecht zufügten. Im Mittelpunkt dabei: sein Erzfeind Anatoli Karpow, der ihn 1978 in Baguio und 1981 in Meran vom höchsten Titel fern hielt. Ihr Fett weg bekommen auch die Weltmeister Michail Botwinnik, Wassili Smyslow und Tigran Petrosjan. Eigene Fehler und Unsportlichkeiten gesteht der in über 150 Turnieren siegreiche Großmeister jedoch ebenso ein. Ungeachtet dessen, dass Kortschnoi selbst häufig am Brett seinen geäußerten moralischen Ansprüchen nicht gerecht wurde, nimmt "Mein Leben für das Schach" einen besonderen Platz in der Historie des Denksports ein. Und nicht nur das! Es ist vor allem ein zeitgeschichtliches Werk zum von Politik bestimmten Sport in der Sowjetunion.
Im Epilog des Werks verweist Kortschnoi auf das, was ihm am meisten Freude macht: Siege am Schachbrett. Im Sommer gewann der 73-Jährige, wie er gerne erwähnt, die Turniere im ungarischen Paks und in Montreal. Von dort stammt die nachstehende Partie.
Hebert,Jean (2415) - Kortschnoi,Viktor (2594) [E14]
Quebec Open Montreal CAN (6), 21.07.2004
1.Sf3 Sf6 2.c4 b6 3.d4 e6 4.e3 Lb4+ 5.Ld2 Le7 6.Sc3 Lb7 7.Ld3 d5 8.cxd5 exd5 9.Da4+ c6 10.Se5 0-0 11.b4 Ld6 12.f4 b5 13.Db3 a5 14.bxa5 b4 15.Se2 Sa6 16.Tc1? [16.a3 Dxa5 17.Tb1 c5 18.axb4 cxb4 führt zu einer ungefähr ausgeglichenen Stellung.] 16...c5! Schwarz übernimmt mit dem energischen Vorstoß die Regie. 17.Lxa6 Lxa6 18.Sc6 Dd7 19.dxc5 Lxe2 20.Kxe2?! [Die Folgen von 20.cxd6! sind in einer praktischen Partie nicht abzuschätzen. Tatsächlich überlebt Weiß den schwarzen Angriff, so der Anziehende alle genauen Züge findet: 20...Dg4 21.Tg1 La6 22.Sd4 Dh4+ 23.Kd1 Lc4 24.Da4 Se4 25.Lxb4 Tfb8 26.a3 (26.h3? Df2 27.Te1 Ld3 28.Tc2 Lxc2+ 29.Dxc2 (29.Sxc2 Sc3+! 30.Lxc3 Tb1# ) 29...Txb4 ) 26...Dxh2 27.Te1 Dxg2 28.Tc2 Sf2+ 29.Kd2 (29.Kc1 Sd3+ ) 29...Sd3+ 30.Te2 De4 31.Tc3 Sxb4 32.axb4 Lxe2 33.Kxe2 und Schwarz sollte nach einem Dauerschach Ausschau halten, ehe die weißen Freibauern weiter nach vorne marschieren.] 20...Lxf4! 21.Dxb4?! [21.Sd4 ist besser.] 21...Dxc6 22.Dxf4 d4 [22...Se4! scheint noch stärker. 23.Thd1 Db5+ 24.Kf3 Ta6 25.c6 Txc6 26.Txc6 Dxc6 27.Lb4 Te8 28.Te1 Dc2 29.Te2 Db1 30.Le1 d4! 31.exd4 Dd3+ 32.Te3 (32.De3 Sg5+ 33.Kf2 Txe3 ) 32...Df1+ 33.Kg4 h5+ 34.Kf5 (34.Kh3 Dxf4 ) 34...g6# ] 23.exd4 Dxg2+ 24.Kd3 Dg6+ 25.Kc4 Se4 26.Lb4? Danach ist es aus. [26.d5 bietet am meisten Widerstand, erhält der König doch ein weiteres Fluchtfeld auf d4.] 26...Da6+ 27.Kb3 Dd3+ 28.Kb2 Tfb8 29.Thd1 [29.a3 verliert in allen Varianten wegen eines Springerabzugs die Dame: 29...Dxd4+ 30.Kb3 Sxc5+ 31.Txc5 Dxf4 ] 29...Txb4+ 30.Ka1 De2 31.Tb1 Sc3 Setzt in vier Zügen matt. [31...Dxa2+! hätte die schwarze Partieanlage indes durch ein optisch immer schönes Damenopfer noch mehr gekrönt: 32.Kxa2 Txa5# ] 0-1

Zudem noch Kortschnois Sieg über seinen "Urenkel" Carlsen in Drammen:
Korchnoi,V (2601) - Carlsen,M (2581) [D34]
Smartfish Masters Drammen NOR (3), 29.12.2004
1.c4 Sf6 2.Sc3 c5 3.g3 e6 4.Sf3 Sc6 5.Lg2 d5 6.cxd5 exd5 7.d4 Le7 8.Le3 c4 9.Se5 0-0 10.0-0 Le6 11.Sxc4 dxc4 12.d5 Sxd5 13.Sxd5 Lf6 14.Dd2 Ld4 15.Sf4 Lxe3 16.Dxe3 Te8 17.Tfd1 Df6 18.Lxc6 bxc6 19.Dd4 Dxd4 20.Txd4 Ld5 21.Tad1 c3 22.Sxd5 cxd5 23.bxc3 Txe2 24.Txd5 g6 25.T5d2 Txd2 26.Txd2 Tc8 27.Tc2 Tc4 28.Kf1 Kf8 29.Ke2 Ke7 30.Kd3 Ta4 31.Td2 Ke6 32.c4 Ta3+ 33.Ke4 h5 34.f4 f6 35.Te2 Ta4 36.Kd4+ Kd6 37.Tf2 Ta5 38.Kc3 Kc5 39.Kb3 Ta6 40.Td2 1-0
Abschließend die zwei letzten bezeichnenden Antworten, die Viktor Kortschnoi im Interview in der Sonntags-FAZ zu seinem Buch gab: "Gibt es für Sie ein Leben nach dem Schach?" "Nein." "Nehmen Sie ein Schachbrett mit ins Grab?" "Ja, besser ist es. Aus meinem Buch kennen Sie die Geschichte mit Geza Maroczy, der kein Schachbrett hatte, als er vom Jenseits aus mit mir spielte. Ich werde vorsorglich eins mitnehmen." Das glaubt man nach der Lektüre von "Mein Leben für das Schach" zweifellos!
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Wie Sie in dieser Ausgabe an verStellen herausfinden können bieten die Schachverlage moviele neue Bücher über Schachlegenden an. Neben Werken über Fischer, Tal und Aljechin möchten wir Ihnen auch das bemerBuch „Viktor Kortschnoi -Mein Leben für das Schach" ans Herz legen.
Nachdem Kortschnoi bereits zwei Bücher mit seinen besten Weiß- und Schwarzpartien herausgebracht hatte liegt nun seine ebenfalls bei Edition 01ms erschienene Autobiographie vor.
Das 248 Seiten umfassende, sehr schön gestaltete und mit einem Feausgestattete Buch ist ein würdiger Abschluss dieser Kortschnoi-Reihe und bietet diesem
herausragenden Spieler viel Platz, über seine einmalige und über 50 Jahre währende Schachkarriere zu be
Kortschnoi erzählt von seinen Kinund Jugendjahren, seinen ersten Schritten als Schachprofi, wichtigen Wettkämpfen und Turnieren, seinem ersten Match mit Karpow, seiner Flucht in den Westen, und noch vieles mehr, denn dies war gerade einmal die Hälfte des Buches.
Wie gesagt stehen in diesem Buch die Gedanken und Erinnerungen Kortschnois im Vordergrund, es fanallerdings auch noch immerhin neun zum Teil sehr umfangreich kommentierte Partien ihren Weg in dieses Buch.
Als sehr schönes Bonbon für die Leser hat Edition 01ms dem Buch auch noch eine CD beigelegt, auf der Sie eine Datenbank mit allen Partien Kortschnois finden, und das sind imüber 4.000!
Der Preis für dieses schöne Buch, mit dem Sie noch einmal auf viele wichtige Ereignisse der letzten 50 Jahre bis in die Gegenwart zurückblicken können, liegt bei 29,95 Euro.

Schachmarkt 02/2005


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