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Schachstrategie in Aktion

336 Seiten, kartoniert, Gambit, 1. Auflage 2004.

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In seinem preisgekrönten Buch Geheimnisse der modernen Schachstrategie betrat John Watson mit der Darlegung der Entwicklungen in der Schachstrategie seit Nimzowitschs Zeiten Neuland. Er erklärte, wie moderne Spieler bereitwilliger als ihre Vorgänger eher dynamischen als statischen Erwägungen den Vorzug geben und sich mehr und mehr über die einschränkenden "Regeln" früherer Zeiten hinweggesetzt haben. Die herausragenden Ergebnisse Kasparows und der Aufstieg einer neuen Generation von Supergroßmeistern bezeugen die Effektivität dieser dynamischen und freidenkerischen Philosophie, die das moderne Schach bereichert hat.

In diesem neuen Werk untermauert Watson seine Theorie und erweitert sie auf neue Bereiche. Er erläutert die moderne Schachpraxis mit zahlreichen Beispielen von phantasievollen Spielern wie Kasparow, Kramnik, Anand, Iwantschuk und stürmischen Neuerern wie Schirow und Morosewitsch. Wer an Geheimnisse der modernen Schachstrategie Gefallen gefunden hat, wird die ausführliche Erläuterung wichtiger Konzepte begrüßen. Schachstrategie in Aktion kann aber auch ohne das Vorgängerwerk als hervorragende Sammlung moderner Partien mit gut durchdachten und aufschlussreichen Anmerkungen gelesen werden.

Der Internationale Meister John Watson ist einer der angesehensten Schachautoren in der Welt. Mit seinem bahnbrechenden vierbändigen Werk über die Englische Eröffnung etablierte er in den 80er Jahren fest seinen Ruf und hat seitdem eine Reihe hochklassiger Bücher verfasst. Im Jahre 1999 wurde Geheimnisse der modernen Schach-Strategie, Watsons erstes Buch für den Gambit-Verlag, von der britischen Schachföderation als "Buch des Jahres" und von der US-Schachföderation mit dem Preis für das beste Buch ausgezeichnet. Zu seinen Schülern gehört der Juniorenweltmeister von 1997, Tal Shaked.

Catalogue-text of the english edition: "Chess Strategy in Action"

John Watson extends the theory presented to enormous acclaim in Secrets of Modern Chess Strategy and illustrates it with many practical examples by modern players such as Kasparov, Anand, Kramnik, Ivanchuk, Shirov and Morozevich. In Secrets of Modern Chess Strategy, Watson broke new ground by describing the developments in chess strategy since the time of Nimzowitsch. He explained how modern players are more willing than their predecessors to favor dynamic considerations over static ones, and how a 'rule-independent' approach has greatly enriched chess. The best evidence of the effectiveness of this dynamic approach to chess is shown by the dominant results of Garry Kasparov, and the rise of a new generation of supergrandmasters who play uncompromising and unrelentingly imaginative chess. Those who enjoyed Secrets of Modern Chess Strategy will welcome the clarification of important concepts. Chess Strategy in Action can also be read on its own as an outstanding collection of modern games with thoughtful and enlightening annotations.

A follow-up to a phenomenally successful book, which extends its theories and presents many instructive examples of the ideas used by modern chess-players.

For all chess enthusiasts.

Details
Sprache Deutsch
Autor Watson, John L.
Verlag Gambit
Auflage 1.
Medium Buch
Gewicht 600 g
Breite 17 cm
Höhe 24,7 cm
Seiten 336
ISBN-10 1904600123
ISBN-13 9781904600121
Erscheinungsjahr 2004
Einband kartoniert
Diagramme 550
Inhalte

006 Zeichenerklärung

006 Widmung

006 Danksagung

007 Vorwort

Teil 1: Die Vereinigung von Theorie und Praxis

011 Einführung und philosophische Überlegungen

017 Kapitel 1: Breitere Themen und ihre Evolution

017 1.1 Die Aufgabe des Zentrums

017 Zentrumsaufgabe in Offenen Spielen

029 Beispiele aus der Königsindischen Verteidigung

032 Alt und Neu: Zentrumsaufgabe in der Französischen Verteidigung

041 1.2 Raum, Zentrum und Abtauschen aus Prinzip

041 Raum und Abtausch im Damengambit

051 Igel und ihr Territorialverhalten

060 Die Philosophie des Abtauschs in weiterem Rahmen

064 1.3 Die Entwicklung der Entwicklung

065 Erst das Vergnügen, dann die Arbeit!

076 Die Wiederbelebung des Establishments

082 Entwicklung und Bauernketten

Kapitel 2: Das moderne Verständnis der Bauernführung

090 Einführung

093 2.1 Die Flügelbauern melden sich zu Wort

093 Einführung

094 Allgemeine Beispiele aus der Praxis

100 Flankenangriffe, Raum und Schwächen

112 Springerbauernvorstöße

117 Radikale Präventivmaßnahmen

124 2.2 Doppelbauern in Aktion

124 Die Erweiterung der Doppelbauerntheorie

127 Doppelbauernpaare

129 Die freiwillige Entdopplung der gegnerischen Bauern

134 Beispiele aus der modernen Spielpraxis

139 Verdoppelte f-Bauern

148 Verdoppelte Randbauern

155 2.3 Das positioneile Bauernopfer

155 Ausgesuchte Beispiele

162 Kasparows Bauernopfer

171 Bauernopfer in supersoliden Eröffnungen

175 2.4 Majoritäten und Minoritäten im Widerstreit

176 Die effektive Minorität

178 Entwicklung als Rettungsanker

Kapitel 3: Die Figuren in Aktion

182 3.1 Schindmähren und Arbeitspferde

182 Exzentrische Springer in Offenen Spielen

184 Die Springerdezentralisierung im heutigen Spiel

191 Rastlose Springer

199 3.2 Das Los der Läufer

199 Gute und schlechte Läufer

212 Läufer in komplexer Umgebung

217 Rastlose Läufer

221 3.3 Die Leichtfiguren auf Konfrontationskurs

221 Konflikte zwischen Läufer und Springer

227 Hoch lebe das Läuferpaar!

235 3.4 Die Dame als Abenteurerin

235 Der relative Wert der Dame

236 Frühe Damenausflüge

Teil 2: Moderne Partien und ihre Interpretation

247 1: Topalow-Rosentalis, Mannschaftseuropameisterschaft, Batumi 1999

251 2: Dautow-Lputjan, Olympiade, Istanbul 2000

251 3: Schirow-Kramnik, Nowgorod 1994

253 4: Lautier-Schirow, Interzonenturnier, Manila 1990

255 5: Beschukow-Wolkow, Antalya 2002

256 6: Stein-Benkö, Interzonenturnier, Stockholm 1962

259 7: Gelfand-Bacrot, Cannes 2002

261 8: Kasparow-Portisch, Niksic 1983

264 9: Kveinys-Speelman, Olympiade, Moskau 1994

265 10: Kasparow-Schirow, Horgen 1994

268 11: Serper-Nikolaidis, St. Petersburg 1993

271 12: Nunn-Nataf, Französische Mannschaftsmeisterschaft 1998/99

274 13: Woiska-Alexandrowa, Dameneuropameisterschaft, Warschau 2001

279 14: Guseinow-Magomedow, Duschanbe 1999

280 15: Kan-Eliskases, Moskau 1936

283 16: Leko-Fritz 6, Schnellpartie, Frankfurt 1999

284 17: Shmulenson-Sanakojew, Fernpartie 1972-75

287 18: Hodgson-Adams,WijkaanZee 1993

290 19: Shabalov-Karklins, USA 1998

291 20: Salinnikow-Miroschnischenko, Ukraine 2000

293 21: Kramnik-Leko, Tilburg 1998

295 22: Nadanjan-Ponomarjow, Kiew 1997

297 23: Pelletier-Jussupow, Schweizer Mannschaftsmeisterschaft 2002

298 24: Nevednichy-M.Grünberg, Rumänische Meisterschaft, Targoviste 2001

300 25: Van Wely-Piket,Wijk aanZee 2001

301 26: Kasparow-Karpow, Linares 1992

304 27: Hübner-Petrosjan,Kandidatenwettkampf(7), Sevilla 1971

307 28: Marciano-C.Bauer, Französische Meisterschaft, Meribel 1998

310 29: J.Shahade-Ehlvest, Philadelphia 1999

314 30: Bologan-Swidler, Tomsk 2001

316 31: Gulko-Hector, Kopenhagen 2000

319 32: Petrosjan-Kortschnoj, Kandidatenwettkampf (9), Moskau 1971

320 33: Schirow-Nisipeanu, FIDE-Weltmeisterschaft, Las Vegas 1999

325 34: Timman-Topalow, Olympiade, Moskau 1994

328 35: Nimzowitsch-Olson, Kopenhagen 1924

332 Quellenverzeichnis

334 Spielerverzeichnis

336 Eröffnungsverzeichnis

Nach seinem bahnbrechenden Werk Geheimnisse der modernen Schachstrategie, legt der kalifornische IM nun ein ebenbürtiges Nachfolgewerk vor.

Erneut stellt Watson anerkannte Regeln in Frage, wie z. B. "Wer Raumvorteil hat, soll Vereinfachungen vermeiden" oder "die Damenflügelmehrheit ist ein Vorteil", und er tut dies erneut auf außerordentlich überzeugende Art und Weise. Und wie schon beim Vorläufer gewinnt man mitunter den Eindruck, die Schachmeister würden in der kompletten Literatur Irrlehren verbreiten, um den gelehrigen, belesenen Amateur in der Praxis am Brett besser "ausnehmen" zu können. Gerade bei der Damenflügelmehrheit (Weiß Bauern auf a-c und f-h, Schwarz a+b und e-h, z. B. häufig in der Caro-Kann-Verteidigung) wartet Watson mit einer überzeugenden Gegenthese auf: Wenn, dann ist eher die Minorität von Vorteil. Bezeichnend ist das folgende Beispiel:

S. Martinovic - L. Judassin

Krynica 1997

(DIAGRAMM)

Stellung nach 28...Ke7-f6

Keinesfalls der eventuelle entfernte Freibauer von Weiß prägt das Geschehen, sondern die schwarze Übermacht im Zentrum. Der Anziehende muss verzweifelt ums Überleben kämpfen: 29. a3 Lc6 30. g3 h6 31. Ld3 Ld7 32. Lc4 Le6 33.L:e6 K:e6 34.c4 Se8 35. g4 Sd6 36. g:f5+ g:f5 37. c5 b:c5 38. b:c5 Sb5 39. c6 f4 40. Sc2? 40. Sc4! 40...Kd6 41.Ke2 K:c6 42.Kd3 Kd5 43.Sb4+ Ke6 44. Sc6 Kd6 45.Sd8 d5 46.h5 Sd4 47.Sf7 Sh6 48.S:h6 e4+ 49.Ke2 Ke6 50. Sg4 Kf5 51.h6 Sg5 52.Sg5 Kg6 0-1.

Schwarz muss allerdings in den meisten Fällen mit Entwicklungsnachteil "zahlen" (Vorbereitung und Durchsetzung von ... c6-c5), um diese grundsätzlich für ihn günstige Struktur herbeizuführen. Einzig wegen des weißen Entwicklungsvorsprungs, der im Ergebnis z. B. die dauerhafte Beherrschung des Feldes e5 ermöglicht, sind die meisten einschlägigen Varianten mit Ausgleich bis leichtem weißen Vorteil zu bewerten.

Weitere Themen sind der Doppelbauer (Watson zeigt auch hier etliche instruktive Beispiele), der neuerdings in allen möglichen Situationen anzutreffende Zug g2-g4 und andere Bauernzüge am Königsflügel (h2-h4, ... h7-h5, ...g7-g5) sowie das Bauernopfer in geschlossenen Eröffnungen. Watson macht dort weiter, wovor McDonald sich in seinem Englisch-Buch "gedrückt" hat, nämlich bei 1.c4 c6 2.Sf3 d5 3.g3 Sf6 4.Lg2 d:c4. Später im Buch geht es um Leichtfiguren und auf den letzten 75 Seiten bespricht Watson 35 überwiegend hoch aktuelle Partien (ein paar wenige alte Stücke sind eingestreut) im Lichte seiner hier und in der Schachstrategie aufgestellten Thesen.

Gerade das ständige Ringen um neue Gesichtspunkte und Interpretationen macht Watsons Bücher so lesenswert. Selbiges kann man von wenigen zeitgenössischen Autoren sagen. Beispielsweise bleibt das ebenfalls jüngst bei Gambit erschienene Buch von Drazen Marovic: Secrets of Positional Chess bei ähnlicher Thematik und Konzeption vergleichsweise blass.

Positiv auch alles andere (besonders Watsons schriftstellerische Qualitäten), was ich schon bei der Besprechung der Schachstrategie erwähnt habe. Wer an jenem Buch Gefallen gefunden hat, kann bei der Strategy in Action bedenkenlos zugreifen. Etwas kürzer kommt diesmal die Philosophie, es dominiert konkretes Material. Damit hängt auch die nicht ganz einfache Frage zusammen, ob der Interessent auf eine deutschsprachige Ausgabe (vermutlich frühestens 2004) warten soll. Die Partiekommentare sind leicht zu lesen, die Expositionen und Zusammenfassungen schon etwas schwerer.

Kurzes Fazit: Ausgesprochen empfehlenswert!

Harald Keilhack 08/2003

Der US-amerikanische IM John Watson gehört zu den renommiertesten zeitgenössischen Schach-Autoren. Im Jahre 1990 hat er das fundamentale Werk "Secrets of Modern Chess Strategy" (in deutscher Übersetzung: "Geheimnisse der modernen Schach-Strategie") herausgebracht (es wurde seinerzeit auch in der RE besprochen), wo er sich mit konzeptuellen und philosophischen = "schach-weltanschaulichen" Veränderungen in der Herangehensweise moderner Meister -verglichen mit den klassischen Heroen und ihren Lehrsätzen - auseinandersetzte. Der jetzige Nachfolge-Band untermauert anhand vieler praktischer Beispiele aus dem heutigen Spitzenschach (assistiert von ausführlichen Datenbank-Analysen) die Quintessenz des 98-er Buches: Primat genießt demnach derzeit ein dynamischer Pragmatismus, der sich oftmals nicht um tradierte "Glaubenssätze" schert, sondern vielmehr die ganz konkreten Anforderungen ganz konkreter Spielpositionen in den Vordergrund der Überlegungen stellt.

Im ersten Teil "Theorie und Praxis kombiniert" führt Watson im Brennglas von etwa 100 vollständigen Partien und ebenso vielen Partiefragmenten die wesentlichen strategischen Veränderungen im modernen Schach-Denken vor:

1) "Allgemeine Gegebenheiten und ihre Evolution": Aufgeben des Zentrums für anderweitige Vorteile, Raumvorteil und Vereinfachung schließen sich keineswegs aus, schnelle Entwicklung der Kräfte in der Eröffnung ist nicht immer und unbedingt erforderlich und notwendig (S. 10-77);

2) "Modernes Verständnis des Spieles mit den Bauern": Angriffe mit den Rand- und/oder Springerbauern im frühen Partiestadium, freiwillige Inkaufnahme von (auch isolierten) Doppelbauern, positionelle Bauernopfer ohne unmittelbare Kompensation, relativer Wert von Mehrheiten und Minderheiten (der Autor zeigt auf, dass oftmals eine Bauernmehrheit im Zentrum wertvoller sein kann als eine Damenflügelmehrheit) (S, 78-155);

3) "Die Figuren in Aktion": Springer am Rand sind keine Schand, gute und schlechte Läufer (schlechte Läufer decken gute Bauern), Läufer und Springer im Konflikt und Relativierung der Stärke des Läuferpaares, Wert der Dame und frühzeitige Damenausflüge (S. 156-209). Der zweite Hauptabschnitt "Moderne Partien und ihre Interpretation" (S. 210-284) bringt 35 sorgfältig ausgewählte und analysierte Spiele von Spitzenkönnern, überwiegend aus dem letzten Jahrzehnt stammend, aber auch einige Partien älteren Datums mit modernem Inhalt und Gehalt sind eingestreut. Zwei Partien seien kurz vorgestellt:

1) Nimzowitsch - Olson, Kopenhagen 1924 (eine "hypermoderne" Partie des vielleicht größten strategischen Denkers Aaron Nimzowitsch): 1.f4 c5 2.e4 Sc6 3.d3 g6 4.c4!? Lg7 5.Sc3 b6 6. Sf3 Lb7 7.g4!? e6 8.Lg2 Sge7 9.Sb5!? d6 10.0-0 a6 11.Sa3!? 0-0 12. De2 Dd7 13.Le3 Sb4l? 14.Sc2! L:b2 15.Tab1 Lc3 16.S:b4 L:b4 17.Lc1! f6?! 18.Lb2 e5? 19.g5!? Sc6? 20.g:f6 Dg4? 21.f:e5 d:e5 22. De3 Dh5 23.Sg5 Lc8 24.f7+ Kg7 25.Df4 Kh6 26.Se6+! e:f4 27.Lg7 matt!

(Partie Nr. 35 auf S. 281-284, dort mit Anmerkungen).

2) Nunn - Nataf, Französische Mannschaftsmeisterschaft 1998/99 (ein hochdynamisch-taktisches sizilianisches Handgemenge): 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 c:d4 4.S:d4 e5 5.Sb5 d6 6. c4 Le7 7.S1c3 a6 8.Sa3 f5!? 9. Ld3!? f4! 10.g3! Sf6!? 11.g:f4 e:f4 12.L:f4 0-0 13.Lg3 Sg4! 14.Le2?! S:f2!! 15.Dd5+ Kh8! 16.L:f2?! Sb4!? 17.Dh5? T:f2! 18.K:f2 Lh4+ 19.Kg2 g6! 20.Df3 Dg5+ 21. Kf1 Lh3+! 22.D:h3 Tf8+ 23.Lf3 De3! 24.D:h4 Sd3!! 25.Sd5 D:f3+ 26.Kg1 Sf2! 27.Kf1 D:h1+ 28.Ke2 D:a1 0:1 (Partie Nr. 12 auf S. 231-234, dort mit ausführlichen Analysen). Bei all dem entsteht der unabweisbare Eindruck, dass heutzutage im Spitzenschach das Brechen überkommener Regeln der Schachstrategie nicht mehr die Ausnahme, sondern den Regelfall darstellt! Wie auch immer - Watsons Buch ist eine hochinteressante Lektüre, welche überraschende Einsichten in Hülle und Fülle bereithält. Allerdings erschließen sich dieselben in Gänze nur dem des Englischen kundigen Leser. Alle anderen werden wohl mit Ungeduld auf eine deutsche Übersetzung warten müssen.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 09/2003 1998 hatte der sehr renommierte Schachautor IM John Watson mit »Secrets of Modern Chess Strategy« (dt. 2002: »Geheimnisse der modernen Schachstrategie«), das mehrfach preisgekrönt wurde, einen Aufsehen erregenden Erfolg erzielt. Die Hauptthese lautete, dass das moderne Spitzenschach weitaus weniger regelgeleitet gespielt wird als früher, z.B. in Zeiten Nimzowitschs. Viel eher stehen konkrete Varianten als abstrahierende Worte oder Maximen im Mittelpunkt. Mit immer neuen Beispielen und in "vielen Bereichen der Mittelspielstrategie zeigte der Autor, dass traditionelle Vorgehensweisen (gemäß allfälligen Lehrbuchregeln), z.B. Angriffe auf Bauernketten an deren Spitze, (vermeintliche) Vorteile des Läuferpaares u.v.m. in konkreten Partiesituationen sehr oft mehr die Ausnahme als die Regel und daher nahezu nutzlos scheinen. Vielmehr stehe ganz pragmatisch im Vordergrund: »Gut ist das, was in der konkreten Stellung funktioniert.« Immer wieder hob er dabei Züge hervor, die Nimzowitsch, Capablanca oder Aljechin sicherlich als »hässlich«, »unspielbar« oder »sofort zum Verlust führend« bezeichnet hätten. All dies gilt auch für sein neues Buch »Chess Strategy in Action«. Während der Vorgänger durch den Bezug auf Nimzowitschs »Mein System« mehr historische Anteile hatte, geht es im aktuellen Buch, in dem ebenfalls vorwiegend Partien von Weltklassespielern analysiert werden, noch mehr um vollständige Partien, denn es werden am Ende 35 moderne Begegnungen unter den genannten Gesichtspunkten beleuchtet. In erster Linie werden in »Chess Strategy in Action« Themen und Konzepte untersucht, die im ersten Band gar nicht oder nur kurz zur Sprache kamen.

Watson untersucht im Kapitel »Broader Issues and Their Evolution«, z.T. in schachhistorischer Ausrichtung, v.a. moderne Ideen zur Aufgabe des Zentrums, geht Fragen nach, wann man Figuren tauschen solle (Auf dem Prüfstand hier u.a. das traditionelle: »Tausche Figuren, wenn du eine gedrückte Stellung hast.«) und beleuchtet den modernen Entwicklungsbegriff. In »Modern Understanding of Pawn Play« geht es um Flügelbauern, Doppelbauern, positionelle Bauernopfer sowie Minoritäten. Insbesondere der frühe Einsatz der Flügelbauern kann demnach als Charakteristikum moderner Meisterpartien angesehen werden und hat sich nach Watson seit Erscheinen des ersten Bandes sogar noch verstärkt. Dabei sollte in Larsens augenzwinkerndem Diktum »Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, dann ziehe den h-Bauern« nunmehr, und ebenso augenzwinkernd, »h« durch »g« ersetzt werden. In »Pieces in Action« werden die einzelnen Leichtfiguren zunächst getrennt untersucht, dann Springer gegen Läufer. Am Ende geht es um den Wert der Dame und deren frühe Partieausflüge. Der Autor schreibt in für durchschnittliche Kenntnisse gut nachvollziehbarem Englisch, argumentiert stringent und facettenreich, nimmt stimmig Bezug auf statistische Untersuchungen und verfügt über ein sehr umfangreiches Wissen über moderne Eröffnungstheorie.

Watsons Bücher sind sicherlich die bedeutendsten Veröffentlichungen zum Thema Mittelspiel in den letzten Jahren. Ohne Bezug auf sie kann wohl nur schwerlich auf der Höhe der Zeit über das Thema diskutiert werden. Beim Lesen muss man aber - wie ich selbst erfahren konnte - zunächst eine gewisse Offenheit mitbringen, tradierte Gesetzmäßigkeiten auch wirklich innerlich infrage stellen zu lassen. Wer nicht bereits ein sehr starker Spieler ist, dürfte das moderne Schach nach der Lektüre m.E. mit anderen Augen sehen. Betont werden muss noch, dass auch der neue Band kein Lehrbuch sein will; es geht Watson schlicht um die möglichst umfassende Darstellung moderner Tendenzen. Empfehlen kann man das Buch Spielern, die das Anfängerstadium schon eine ganze Weile hinter sich gebracht haben. Nun noch ein Partiebeispiel (S. 58f), wobei viele andere Positionen im Buch nicht weniger kreativ und originell behandelt werden. Wohlgemerkt, die Partie wird nicht von Anfängern gespielt, Hracek z.B. ist GM!

Zureck - Hracek, Tschechische Meisterschaft 2001/02 1.b3 e5 2.Lb2 Sc6 3.e3 Sf6 4.Lb5 Ld6 (!? lt. Watson).

Natürlich verstellt der Zug den d-Bauern. (Er wurde übrigens bereits 1859 schon einmal von Anderssen gespielt!) Andererseits wird der Läufer, der das sehr wichtige Feld e5 deckt, nach eventuellem 4...d6 nicht verstellt. 5.Sa3!? »Springer am Rand ...«, der natürlich nach c4 strebt. Der Kollege steht in nichts nach und will dies mit 5...Sa5! verhindern. Dieser Zug wurde auch schon von den GM Knaak, Sweschnikov, Speelman und Hector gespielt. Tarrasch würde wohl zu rotieren beginnen ... 6.Le2 a6 7.c4 0-0. Trotz (oder wegen?) dieser unkonventionellen Züge, die alle positionell motiviert sind, hat sich eine Stellung dynamischen Gleichgewichtes ergeben. Man spürt hier exemplarisch die Offenheit und Kreativität, die modernes Schach vielfach auszeichnet...

Helmut Conrady, Rochade Europa 10/2003 Der renommierte amerikanische Autor John Watson hat mit Cbess Strategy in Action vor kurzem den Folgeband zu seinem revolu­tionären Mittelspielbuch Secrets of Modern Chess Strategy vorgelegt. Im ersten Band untersuchte Watson, wie sich strategische Auf­fassungen seit Nimzowitschs Mein System gewandelt haben. Er verglich die alten Theorien mit neuen Partien und stellte fest, dass das moderne Spiel viel dynamischer geworden ist und z.B. Bauernschwächen im Austausch gegen aktives Figurenspiel gerne in Kauf genommen wird. Secrets of Modern Chess Strategy trug zu einer Korrektur eines weitverbreiteten und überholten Strategieverständnisses bei und formulierte Grundsätze modernen Schachs. Watson gab die alten Dogmen allerdings nicht einfach auf, sondern verfuhr abwägend, arbeitete mit Begriffserweiterungen, suchte weiche Formulierungen. Er ging behutsam vor. Das Buch gewann etliche Preise und manch Rezensent schwärmte sogar von dem besten Buch, das je geschrieben wurde. Jedenfalls ist es exzellent.

Das nun vorgelegte Chess Strategy in Action schließt zwar an seinen Vorgänger an, lässt sich aber auch ohne Kenntnis des ersten Bandes verstehen. Zunächst handelt es sich um eine Sammlung brillant und tiefsinnig kommen­tierter moderner Partien. Das Konzept beider Bücher erinnert wiederum an Nimzowitsch, der die in Mein System dargelegten Theorien in der Praxis meines Systems mit Partien unter­mauern wollte.

Chess Strategie in Action enthält einen theoretischen und einen praktischen Teil. Besonders reizvoll sind die historischen Exkurse im ersten Teil des Buches. Watson entwickelt Begriffe wie Raum, Zentrum, Majorität, Figurentausch aus der Auseinandersetzung mit der Schachgeschichte. Er stellt fest, dass sich die Auffassung des Spiels im Zentrum und auf dem Flügel grundlegend verändert hat und in immer mehr Partien früher undenkbare Flügelvorstoße auftauchen. Für Watson ist dies die wichtigste Entwicklung der Schachtheorie seit Jahr­zehnten. Seit Erscheinen der Secrets vor fünf Jahren haben sich verschiedene Tendenzen verstärkt und dementsprechend konturiert Watson manche Einschätzung strategischer Faktoren schärfer. Im Mittelpunkt stehen dabei das veränderte Verständnis von Rand­springern, Doppelbauern, schlechten Läufern, Bauern- und Qualitätsopfern sowie frühen Damenausfällen. Stets hat Watson Neues zu sagen.

Im zweiten Teil folgen Partien, die Watsons Thesen veranschaulichen, und die meist nach 1990 gespielt wurden. Natürlich werden auch die theoretischen Aspekte des ersten Teils mit Partiematerial erläutert, häufig jedoch nur mit Fragmenten. Die ausgewählten Partien konzen­trieren sich meist auf einen bestimmten strate­gischen Aspekt und damit gelingt Watson eine klare Darstellung. Er möchte die zentrale Idee der Partie herausarbeiten. Daraufkommt es ihm an, nicht auf eine ausladende Analyse.

Watson geht auch der Frage nach, warum sich die Spielweise in den letzten Jahren so verändert hat. Für ihn hängt das mit dem Aufkommen der Computer zusammen, wodurch sich seit Anfang der Neunziger Jahre die Informations­gesellschaft rasant entwickelt hat. Aber Schach­programme sorgen nicht nur für mehr und schnellere Informationen, sondern erlauben es auch, ungewöhnliche Züge auszutesten. Manchmal schlagen die Programm diese Züge sogar selber vor.

Watson demonstriert die veränderte Spielauf­fassung gelegentlich mit interessanten Statis­tiken. So hat sich die Verwendung des Flanken­ausfalls g4 in der frühsten Eröffnungsphase seit dem Aufstieg Kasparows 1985 mehr als ver­doppelt - und die Erfolgsquote des Weißen liegt bei über 60%. Solche Auswertungen sind natür­lich höchst interpretationsbedürftig und deshalb mit einer gewissen Skepsis zu sehen, aber dennoch machen sie bestimmte Tendenzen anschaulich.

Chess Strategy in Action gibt dem Leser einen Einblick in die Tendenzen und in das kreative Potenzial modernen Schachs. Es erweitert den Horizont und eröffnet dem Praktiker neue Möglichkeiten. Ein absolut empfehlenswertes Buch, das sich allerdings vor allem an fort­geschrittene Spieler wendet. Sie aber können richtig davon profitieren.

Harry Schaack, Zeitschrift KARL 04/2003 Der internationale Meister John Watson ist weltweit nach der Veröffentlichung seines Buches "Geheimnisse der modernen Schachstrategie" bekannt geworden. Nun folgt die Fortsetzung. Der Autor erläutert die moderne Mittelspieltheorie mit zahl­reichen lehrreich kommentierten Beispielen aus der Turnierpraxis von Kasparow, Kramnik, Anand, Iwantschuk usw. Das Buch besteht aus zwei Teilen:

Teil 1: Die Vereinigung von Theorie und Praxis (Einführung und philosophische Überlegungen)

Kapitel 1: Breitere Themen und ihre Evolution.

Kapitel 2: Das moderne Verständnis der Bauernführung.

Kapitel 3: Die Figuren in Aktion.

Teil 2: Moderne Partien und ihre Inter­pretation

Das Buch empfehle ich allen Spielern, die ihre technischen Fähigkeiten im Mittelspiel verbessern wollen. Auch für Schachtrainer ist das Buch sehr praktisch, denn man findet hier sehr viel Material, das man beim Unterricht verwenden kann.

J. Konikowski, Fernschach International 07/2004

_______________________________________________________ Der US-amerikanische IM John Watson gehört zu den renommiertesten zeitgenössischen Schach-Autoren. Im Jahre 1998 hat er das fundamental zu nennende Werk "Secrets of Modern Chess Strategy" (in deutsch: "Geheimnisse der modernen Schach-Strategie") herausgebracht (es wurde seinerzeit auch in der RE besprochen), wo er sich mit konzeptuellen und philosophischen = "schach-weltanschaulichen" Veränderungen in der Herangehensweise moderner Meister - verglichen mit den klassischen Heroen und ihren Lehrsätzen - auseinandersetzte. Der jetzige Nachfolgeband untermauert anhand vieler praktischer Beispiele aus dem heutigen Spitzenschach (assistiert von ausführlichen Datenbankanalysen) die Quintessens des 98er-Buches: Primär genießt demnach derzeit ein dynamischer Pragmatismus, der sich oftmals nicht um tradierte "Glaubenssätze" schert, sondern vielmehr die ganz konkreten Anforderungen ganz konkreter Spielpositionen in den Vordergrund der Überlegungen stellt.

Im ersten Teil "Die Vereinigung von Theorie und Praxis" führt Watson im Brennglas von etwa 100 vollständigen Partien und ebenso vielen Partiefragmenten die wesentlichen strategischen Veränderungen im modernen Schach-Denken vor:

1) "Breitere Themen und ihre Evolution": Aufgeben des Zentrums für andere Vorteile; Raumvorteil und Vereinfachung schließen sich keineswegs aus; die schnelle Entwicklung der Kräfte in der Eröffnung ist nicht immer und unbedingt erforderlich und notwendig (S. 17-89).

2) "Das moderne Verständnis der Bauernführung": Angriffe mit den Rand-und/oder Springerbauern im frühen Partiestadium; freiwillige Inkaufnahme von (auch isolierten) Doppelbauern; positionelle Bauernopfer ohne unmittelbare Kompensation; relativer Wert von Mehrheiten und Minderheiten (eine Mehrheit im Zentrum kann oftmals wertvoller sein als eine Damenflügelmehrheit) (S. 90-181).

3) "Die Figuren in Aktion": Springer am Rand sind keine Schand; gute und schlechte Läufer (schlechte Läufer decken gute Bauern); Läufer und Springer im Konflikt; Relativierung der Stärke des Läuferpaares; Wert der Dame und frühzeitige Damenausflüge (S. 182-245).

Der zweite Hauptabschnitt "Moderne Partien und ihre Interpretation" (S. 246-331) bringt 35 sorgfältig ausgewählte und analysierte Spiele von Spitzenkönnern, überwiegend aus dem letzten Jahrzehnt stammend, aber auch einige Partien älteren Datums mit modernem Inhalt und Gehalt sind eingestreut.

Bei all dem entsteht der unabweisbare Eindruck, dass heutzutage das Brechen überkommener Regeln der Schachstrategie nicht mehr die Ausnahme, sondern den Regelfall darstellt! Wie auch immer, Watsons Buch ist eine hochinteressante, ungemein anregende Lektüre, welche überraschende Einsichten in Hülle und Fülle bereithält und den schachlichen Horizont des geneigten Lesers erweitern kann.

Der Londoner Gambit-Verlag kann es sich durchaus als Verdienst zurechnen, dass er nur ein gutes Jahr nach dem Erscheinen des englischen Originals eine deutsche Übersetzung (durch Hans-Peter Hansen) herausgebracht hat.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 12/2004

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1998 hatte der sehr renommierte Autor IM John Watson mit »Secrets of Modern Chess Strategy« (dt. 2002: »Geheimnisse der modernen Schachstrategie«), das mehrfach preisgekrönt wurde, einen aufsehen erregenden Erfolg. Seine Hauptthese war, dass das moderne Spitzenschach weitaus weniger regelgeleitet sei als etwa in Zeiten Nimzowitschs. Viel eher stehen konkrete Varianten als abstrahierende Maximen im Mittelpunkt.

Mit immer neuen Beispielen und in vielen Teilbereichen der Mittelspiel-Strategie zeigte Watson, dass traditionelle Vorgehensweisen gemäß allfälligen Lehrbuchregeln, z.B. Angriffe auf Bauernketten an deren Spitze, vermeintliche Vorteile des Läuferpaares u.v.m. in konkreten Partiesituationen sehr häufig mehr die Ausnahme als die Regel sind und daher oft nutzlos scheinen. Vielmehr stehe ganz pragmatisch im Vordergrund: »Gut ist das, was in der konkreten Stellung funktioniert.« Immer wieder hob er dabei Züge hervor, die Nimzowitsch, Capablanca oder Aljechin sicherlich als »hässlich«, »unspielbar« oder »sofort zum Verlust führend« bezeichnet hätten.

All dies gilt auch für den Nachfolgeband »Schachstrategie in Aktion«, der taufrisch nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt. Während der Vorgänger durch den Bezug auf Nimzowitschs »Mein System« mehr historische Anteile hatte, geht es im aktuellen Buch eher um vollständige Partien, denn es werden am Ende auf 85 Seiten 35 meist moderne Begegnungen unter den genannten Gesichtspunkten beleuchtet. In erster Linie werden in »Schachstrategie in Aktion« Themen und Konzepte untersucht, die im ersten Band gar nicht oder nur kurz zur Sprache kamen.

Watson untersucht im Kapitel »Breitere Themen und ihre Evolution« v.a. moderne Ideen zur Aufgabe des Zentrums, geht Fragen nach, wann man Figuren tauschen solle (auf dem Prüfstand hier u.a. das traditionelle: »Tausche Figuren, wenn du eine gedrückte Stellung hast.«) und beleuchtet den modernen Entwicklungsbegriff. In »Das moderne Verständnis der Bauernführung« geht es um Flügelbauern, Doppelbauern, positioneile Bauernopfer sowie Minoritäten. Insbesondere der frühe Einsatz der Flügelbauern kann demnach als Charakteristikum moderner Meisterpartien angesehen werden und hat sich nach Watson seit Erscheinen des ersten Bandes sogar noch verstärkt. Dabei sollte nach Watson in Larsens augenzwinkerndem Diktum »Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, dann ziehe den h-Bauera« nunmehr, und ebenso augenzwinkernd, »h« durch »g« ersetzt werden. Im dritten großen Kapitel, »Die Figuren in Aktion«, werden die einzelnen Leichtfiguren zunächst getrennt untersucht, dann Springer gegen Läufer. Am Ende geht es um den Wert der Dame und deren frühe Partieausflüge. Der Autor argumentiert stringent und facettenreich, nimmt stimmig Bezug auf statistische Untersuchungen und verfügt über ein sehr umfangreiches Wissen über moderne Eröffhungstheorie.

Watsons Bücher sind sicherlich die bedeutendsten Veröffentlichungen zum Thema Mittelspiel der letzten Jahre. Ohne Bezug auf sie kann man wohl nur schwerlich auf der Höhe der Zeit über das Thema diskutieren. Beim Lesen muss man aber - wie ich am eigenen Leib erfahren habe - zunächst die Offenheit mitbringen, tradierte Gesetzmäßigkeiten auch wirklich infrage zu stellen. Wer nicht bereits ein sehr starker Spieler ist, dürfte das moderne Schach nach der Lektüre m.E. mit anderen Augen sehen. Betont sei noch, dass auch der neue Band kein Lehrbuch sein will; es geht Watson um die möglichst umfassende Darstellung moderner Tendenzen. Empfehlen kann man das Buch Spielern, die das Anfängerstadium schon eine ganze Weile hinter sich gebracht haben.

Helmut Conrady, Rochade Europa 12/2004

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Der englische Verlag Gambit Publications hat bereits ein gutes Dutzend seiner erfolgreichsten Bücher auch in deutscher Sprache herausgebracht. Dass auch John Watsons Nachfolger zu seinem preisgekrönten Werk "Ge­heimnisse der modernen Schachstra­tegie" bald dazugehören würde war zu erwarten, doch dass dies so schnell geschah ist eine angenehme Überraschung. Obwohl wir in der Ausgabe 2/2004 sehr ausführlich über die englische Ausgabe "Chess Strategy in Action" berichtet haben wollen wir Ihnen hier noch einmal eine Zu­sammenfassung anbieten.

Im oben genannten ersten Buch stellte Watson zunächst die klassi­schen Prinzipien von Steinitz bis Nimzowitsch vor und untersuchte de­ren Verfeinerung durch die modernen Theorie, dann führte er die moderne pragmatische Behandlung verschiede­ner strategischer Themen vor.

Er erklärte, wie moderne Spieler bereitwilliger als ihre Vorgänger eher dynamischen als statischen Erwägungen den Vorzug geben und sich mehr und mehr über die einschränkenden "Regeln" früherer Zeiten hinwegsetzen. Zahlreiche Beispiele von herausragenden Spielern wie Kasparow und Co belegten die Effektivität dieser dynamischen Phi­losophie.

In seinem neuen Werk vertieft und erweitert Watson seine Erkenntnisse. Im ersten Teil "Die Vereinigung von Theorie und Praxis" geht es im ersten Kapitel zunächst um "Breitere The­men und ihre Evolution". Hier unter­sucht Watson die Aufgabe des Zen­trums, die früher vor allem in offenen Eröffnungen durch exd4 üblich war und heute ziemlich aus der Mode ist, und wie im Gegensatz dazu ähnliche Behandlungen des Zentrums, z.B. in Königsindisch oder Französisch, heu­te grundlegend anders interpretiert werden.

Der nächste Abschnitt "Raum, Zen­trum und Abtauschen" zielt in eine ähnliche Richtung, es geht aber auch um die Gültigkeit der Regel, bei Raumvorteil Abtausch zu vermeiden bzw. mit weniger Raum Entlastung durch Abtausch zu suchen. Ein­drucksvolle Beispiele aus dem Da­mengambit und dem Igel zeigen, dass es auch umgekehrt sein kann. Im dritten Abschnitt "Die Entwicklung der Entwicklung" führt Watson exem­plarisch vor, wie wenig mitunter bei der Entwicklung noch mit klassischen Maßstäben gemessen wird.

Das zweite Kapitel illustriert "das moderne Verständnis der Bauernführung". In verschiedenen Abschnitten stellt Watson darin unter anderem den Angriff durch die Flügelbauern vor, wobei ebenfalls wieder Regeln wie ,Flügelangriff nur bei festgelegtem Zentrum' oder Bekämpfung eines Flügelangriffs durch einen Gegenschlag im Zen­trum' auf dem Prüfstand stehen.

Beispiele beweisen, wie selbst­verständlich z.B. g4 in Sizilianisch oder Damengambit geworden ist. Weiter geht es mit Doppelbauern, die man heutzutage ebenfalls differen­zierter sieht und in manchen Stel­lungstypen sogar freiwillig abtauscht.

Es folgen einige ausgesuchte Bei­spiele positioneller Bauernopfer so­wie ein Abschnitt über den Kampf zwischen Bauernmajoritäten und -minoritäten.

Im dritten Kapitel stehen dann die restlichen Figuren im Rampenlicht. Je ein Abschnitt beschäftigt sich mit exzentrischen und rastlosen Sprin­gern, neuen Ansichten zu guten und schlechten Läufern, mit dem Konflikt zwischen Springern und Läufern, und zuletzt natürlich mit der Dame, wobei es vor allem um ihren relativen Wert geht.

Nach diesem ersten Teil, der bereits viele interessante und kommentierte Beispiele enthält und über 2/3 des Buches umfasst, untersucht Watson im zweiten Teil 35 fast durchweg moderne Partien.

In ihnen begegnet man vielen wich­tigen Ideen des modernen Schachs, und natürlich wurden die komplett enthaltenen Partien von Watson sehr schön kommentiert. Hier zeigt sich, wie selbstverständlich die modernen Auffassungen im Schach inzwischen sind und wie sie in der Praxis einge­setzt werden.

Egal ob Sie sich bereits mit dem ersten Band beschäftigt haben oder nicht: Diese Fortsetzung ist jedem interessierten Schachfreund nur wärmstens zu empfehlen.

Schachmarkt 01/2005

Reviews of the english edition: "Chess Strategy in Action"

This book is a companion volume and continuation of my Secrets of Modern Chess Strategy (Gambit 1998). I will refer to that book often and use the acronym 'SOMCS' for that purpose. A premise of that book (one that I find almost self-evident) is that modern chess has undergone great changes both conceptually and philosophically since the time of the old masters including Nimzowitsch. The latter was, I feel, a transitional figure who consolidated older theory and presented new ideas, some of which have survived to this day. My project in both books has been to identify and discuss the post-Nimzowitschian changes in chess middlegame theory. This involves an investigation of the nature of chess itself with an emphasis on experimentation involving an ever-widening set of ideas and positions which have gained general acceptance since his time.

As this book began to develop, I realized that it was beginning to resemble its predecessor in terms of its structuring, layout, and verbal discussions about theoretical issues. In other respects it was less like SOMCS than envisaged, both because I placed so much more emphasis on complete games and because I kept adding new material about concepts not discussed in the former volume. Thus the two books stand in a theory-to-practice relationship, but they also have a Volume 1 - Volume 2 connection, with the second volume filling in gaps in theory left by the first. I have also stressed recent games that reflect current practice and thought right up to the time of publication.

Before addressing structural and philosophical issues in the Introduction, I think that it might be useful here to give an explanatory overview of the contents of this book. Much as with SOMCS, it begins with a look backward emphasizing a couple of areas that have seen a constant but unpunctuated evolution over the years. As in most of this book, I have chosen to investigate topics that were relatively neglected in SOMCS. One such is the concept of the

'surrender of the centre', to which I devote a rather technical section describing its historical progress from the early part of the twentieth century to the present. Both that section and the next highlight the important relationship of space to the exchange of pieces, an area that has, I think, been inadequately addressed in the literature. Then the discussion moves forward in time to the extraordinary changes in the modern practice of and attitude towards development. To put bounds upon this immense topic, I concentrate upon recent ideas as well as methods of development in specific pawn-structures.

The centre has -always been considered sacred territory with assumed primacy over other areas of the board. What if, after all of these years of investigating it, we would have to change or revise our most fundamental theories about the centre's nature? Surprisingly, that's exactly what's happening in a radical change that has accelerated dramatically even since the publication of SOMCS. In that work I cautiously discussed 'the new relationship of flank to centre'; but five years later I see that this considerably understates the case. We have experienced an explosion in the use of flank pawns in nearly every context and type of position, so much so that this must be considered the most revolutionary development of chess theory and practice in many decades. I have naturally devoted a lengthy section to this subject, but since that can only begin to touch upon the subject, examples appear throughout the book in many contexts, and of course in the games of Part 2.

Another subject that I skimped upon in SOMCS was the contemporary treatment of doubled pawns (as opposed to a history of conceptual changes in their use). That receives special attention, as does the ever-more-important subject of the positional pawn sacrifice. I touch upon other pawn issues such as majorities and minorities less extensively throughout various sections. One might note that pawn-chains are given considerable attention in the section on development, but not in the chapter on pawns itself.

The chapter on piece play initially deals with the controversial subject of knights developed to the edge of the board as well as elaborate knight manoeuvres. It includes a section on good and bad bishops in the context of their use as individual pieces, a topic I just touched upon in SOMCS. While the issue of two knights versus two bishops (minor-piece pairs) crops up repeatedly throughout the book, it was given extensive treatment in SOMCS, and I only added enough separate material here to give a taste of the subject. Exchange sacrifices pop up everywhere; they are played so routinely that they hardly seem a part of theory any more, but still have new and noteworthy aspects that may be seen throughout the book. I have included a section on the early development of the queen, another subject that is only lightly discussed by other sources.

The more general and/or abstract topics in SOMCS are incorporated into the text. Examples of prophylactic techniques, for example, appear throughout the book. Although philosophical issues appear in the Introduction, they are limited thereafter since the main body of the book stresses practice. In general, opening play receives a great deal of attention. There are two reasons for this. First, as has become a commonplace observation, opening theory now extends so far into the middlegame that it tends to determine the nature of the play that follows in terms of structure or piece placement or both. Thus the distinction between a study of middle-games and openings (never very clear anyway) fails to apply in many cases. Another motivation for talking about openings and early middlegames stems from the fact that anyone can pick individual middlegame examples and use them to say something like 'See? Capablanca was so classical in his thought' or to argue the contrary. But for openings and the pawn-structures which persist into the middlegame, we can clearly see overall trends, discuss the extent of their use in practice, and do statistical counts thereupon. Regarding the latter, I have compiled some statistics about the practices of leading players for various epochs. Assisted by Steve Solas's historical ratings research, I put together lists for the best players in four historical periods (with the number of such players in brackets):

a) before and including 1900 [12];

b) 1901-1935 [22];

c) 1936-1970 [32];

d) 1971-2002 [35], with a subcategory for 1985-2002 in one case.

Especially in the first few chapters, which tend to be more historically oriented, I have used statistics from these periods to try to identify trends. For the book as a whole this technique, inevitably inexact and subjective, has been kept to a minimum.

The games in Part 2 of this book are meant to unify the discussion and illustrate key concepts from both books. With luck, they will also provide an entertaining break from an ordered theoretical presentation. Selecting these games has been enjoyable and challenging. I have tried to avoid the temptation to include chaotic struggles that illustrate 6-10 modern strategic themes in one game, although such contests indeed exist. When too many 'counter-intuitive' moves are seen in a single contest, it is likely that the players employing them are doing so partly by accident! Good illustrations need a limited number of focal points, so the more typical game will involve three or fewer main themes. I have chosen a large majority of games from 1990 onwards, and within that time have tended to feature the play of leading grandmasters. Quite apart from the fact that they make fewer mistakes, top players tend to understand what they're doing! My notes are meant to be limited and non-obsessive. This is not a games collection. Others have authored such collections more skillfully and with greater depth than I have attempted here. The publishers of this book, for example, not too long ago put out both John Nunn's Understanding Chess Move By Move and Igor Stohl's Instructive Modem Chess Masterpieces, works involving more analytical detail than I have devoted to my Part 2 contests. I hope instead to have achieved a more casual presentation that focuses in upon conceptual issues and explains them in an accessible way.

Since the publication of SOMCS, I have been thinking about the times over which critical changes took place in the modernization of the game. Naturally all such changes assert themselves gradually and at no particular date. Nevertheless, I think that there have been three very softly bounded transitional periods since the mid-1930s. After an initial conflict between new and classical ideas, the creative experimenters of the 1940s broke through old barriers and by the early 1960s had established the pragmatic basis for modern play. This dramatic achievement was accomplished mostly in the old Soviet Union and was at first only partially absorbed into Western chess culture. Naturally there was no halt to the progression of chess thought in the late 1960s through to the early 1980s, including a steady growth in the use of positions and structures that were previously considered inferior on general principle; and the steady infusion of new dynamic ideas continued. But in my estimation the nature of that expansion changed as a sort of consolidation took place and new positional ideas began to appear. This emphasis was influenced by Petrosian's careful style, Fischer's technical proficiency, and Karpov's particular genius in less dynamic and (sometimes) more classical positions. Play in that era underwent a distinct evolution marked by a dramatic rise in the use of space-starved set-ups (with Western players fully contributing) and more subtle changes such as toleration for structural weaknesses (anathema to most earlier players, even the very best of them), an increase of purely prophylactic strategies, and a de-emphasis on rapid development and king safety.

Then, as Kasparov has pointed out, something very radical began to occur in the mid-1980s.

An almost chaotic dynamism seemed to take over much of the game while the more orderly part was subject to extreme refinement and positional experimentation. This revolution has to do in great part with the rise of the

so-called Information Age. We have seen the exponential increase and rapid dissemination of games and articles. The introduction of computers has had two major effects. First, the astonishing growth of information at players' disposal: portable laptops now carry hundreds of games by each opponent and thousands of examples of his or her favourite opening lines and middlegame structures. Then there has been what I feel is an even more significant change: that players on all levels are able to try out seemingly risky, paradoxical, and 'unprincipled' moves and strategies on a computer in order to confirm whether they are unsound, playable, or strong. Contemporary play has thus been marked by much greater openness towards both positional and attacking strategies that were previously considered anti-positional and/or unsound. Important contributions are thus not only multiplying at an accelerated pace but coming from players of all strengths.

Trying to make some sort of sense of this evolution is a daunting task. A book centred about practical play cannot begin to touch upon all of the relevant material. Every day in magazines, books, and on the Web, I would see interesting and worthwhile new games that were valid candidates for inclusion. We are experiencing so rich a time in chess that, in the end, choosing among such examples and even among topics seemed almost an arbitrary process. For the average reader, this means that you should be able to find the strategic themes described here in many if not most of the new games that come to your attention. I hope that this book will to help you to identify these and thus to understand the chess of our time.

John Watson San Diego, California, 2003, Preface

Schachstrategie in Aktion

EUR

7.95