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Bobby Fischer and His World

645 pages, paperback, Siles Press, 1. edition 2020

€29.95
Incl. Tax, excl. Shipping Cost

IM Donaldson examines Fischer’s life and career from his days as a child prodigy through the height of his World Championship triumph and into his tumultuous final years. Donaldson’s meticulous research has uncovered previously lost games and a wealth of unknown material about Fischer— ranging from his close friendships with players and supporters to his acrimonious relationships with organizers, journalists, lawyers, and publishers.

Bobby Fischer and His World is brought to life through a potpourri of first-hand accounts, interviews, letters, and articles by and about the colorful characters that inhabited Fischer’s world. Unifying this wide-ranging tale are over 100 photos and illustrations and 99 newly annotated games.

This is the story of Fischer the man and the player, shedding new light on the riddle of the most famous chessplayer in history.

International Master John Donaldson is a player, a chess journalist and historian, and a thirteen-time United States World Chess Olympiad coach (his 2016 team won gold).

“The best and most comprehensive work that I have seen about the chess legend Bobby Fischer. While I read numerous other books about the American chess genius, as well as I knew him personally, reading this book I still learned new things about his life. This work is a perfect balance between historical research, rare photos, instructive chess games and much more, in an easy to read style.” -- Grandmaster Susan Polgar

“Historian and researcher par excellence, John Donaldson, brings us the final word on the enigmatic American genius ... ” -- Grandmaster Yasser Seirawan

“An elaborate and exhaustive portrait of Bobby Fischer, unique in chess literature. John Donaldson, a brilliant researcher, painstakingly traces Fischer’s steps and includes stories, games and interviews previously unpublished. A must read! A masterpiece.” -- Grandmaster Lubos Kavalek

“I recognize style. But you see, when I played a game with Bobby, there was no style. Bobby played perfectly. And perfection has no style.” -- Grandmaster Miguel Najdorf

“John Donaldson is a triple threat in chess— at least. There are lots of books on “enigmatic” Fischer’s famous games, with little else, other than his birth data. Genius was born and hardly grew up before smashing upon the world and challenging an empire, then developing paranoia. But how and why? Donaldson gives us fresh info and insight into a life that took place in a context of relationships worth exploring. Like his fellow top historians from Russia, the Linders, he shines a light on his subject’s associates too. And several of the games you may see for the first time. An indispensable addition to Fischeriana.” -- International Master Anthony Saidy

“In the early 1970’s, Fischer reached the apex of his power, crushing aside all rivals to become America’s first world champion. The media and even the non-chess-playing public took to him the way fans at the Apollo Theater loved James Brown. In this book, acclaimed author IM John Donaldson breaks completely new ground, focusing on the mercurial relationships between Fischer and his contemporaries, as well as a fresh look at Fischer’s immense contributions to our game. Filled with numerous photos and previously undisclosed biographical information, it also covers his games in great depth. This may be the most important book on Bobby’s life, ever written.” -- International Master Cyrus Lakdawala

More Information
Weight 1,16 kg
Manufacturer Siles Press
Width 17,7 cm
Height 25,2 cm
Medium Book
Year of Publication 2020
Author John Donaldson
Language English
Edition 1
ISBN-13 9781890085193
Pages 645
Binding paperback

xv Acknowledgments

xvii Introduction

xx A Note to the Reader

001 Part One - Beginner to U.S. Junior Champion

101 Part Two - Breakthrough!

145 Part Three - Grandmaster and Candidate

213 Part Four - The Early Sixties

331 Part Five - The Late Sixties

421 Part Six -The World Championship Cycle

473 Part Seven - The Dark Years

531 Part Eight - Comeback

595 Part Nine - Adrift

631 Epilogue

633 Index of Names

FRISCHER BLICK VON VIELEN SEITEN

John Donaldsons Mammutwerk Bobby Fischer and his World zeigt eindrucksvoll, dass die Geschichte des amerikanischen Schachgenies noch immer nicht auserzählt ist. Der Coach des US-Nationalteams beschäftigt sich mit Fischers Biographie schon viele Jahre und es ist nicht das erste Buch, das er über die amerikanische Legende veröffentlicht hat. Für seinen jetzigen Band hat der IM ungezählte Interviews geführt, etliche Nachlässe gesichtet und viele der enthaltenen 99 Partien wiederentdeckt. Dieses monumentale, 644 Seiten umfassende Werk ist das wohl bislang umfangreichste und kann trotz der Legionen von Fischer-Publikationen mit er staunlich viel Neuem aufwarten.

Der Text ist keine geradlinige chronologische Erzählung geworden, sondern arbeitet mit permanenten Perspektivenwechseln, die einen frischen Blick auf den 11. Weltmeister werfen. Durch Erinnerungen von Fischers Weggefährten entsteht ein Kaleidoskop von Privatem und Öffentlichem, zu dem auch die zahlreichen wundervollen Fotos ihren Beitrag liefern. Nicht zuletzt ist dieses Buch auch ein Spiegel der amerikanischen Schachszene. Fischer ist dabei nur das Zentralgestirn, um das alle anderen kreisen, in der Hoffnung, den einen oder anderen Lichtstrahl zu erhaschen und damit irgendwie an diesem Mythos teilzuhaben.

Wie Fischer von einem durchaus vielver­ sprechenden 12-Jährigen, der zu diesem Zeitpunkt keineswegs ein Wunderkind war, innerhalb von drei Jahren zum jüngsten GM der Geschichte werden und in die erweiterte Welt­spitze vorstoßen konnte, ist eine der Fragen, die Donaldson beschäftigen. Eine solche Leistungssteigerung ist extrem ungewöhnlich, zumal es damals kaum Lehrmittel gab und Fischer auch kein Intensivtraining bekommen hat. Ein Verdienst an dem schnellen Erfolg hatte wohl sein erster Mentor John Collins. Seit der Schach­besessene in dessen Hawthorne Chess Club fast täglich viele Stunden verbrachte, ging seine Erfolgskurve sprunghaft nach oben. Fischer hatte nicht nur ein extraordinäres Schachtalent, sondern auch ein herausragendes, vermutlich photographisches Gedächtnis, das ihm erlaubte, sich rasch einen gewaltigen Erfahrungsschatz aufzu bauen. Fischers Leistungssteigerung in der Periode zwischen Sommer 1956 und Januar 1958 ist unvergleichlich. Seine erste USCF-Wertungs zahl lag bei 1726, die im Januar 1958 bei 2626 - eine Verbesserung um 900 Punkte innerhalb von eineinhalb Jahren!

Den Durchbruch schaffte Fischer mit 13 Jahren, als er 1956 als jüngster Spieler der Geschichte die US-Juniorenmeisterschaft gewann und im selben Jahr die "Partie des Jahrhunderts“ gegen Donald Byrne spielte. 1957/58 wurde er erstmals US-amerikanischer Meister, bevor sein kometenhafter Aufstieg 1958 in der sensationellen Qualifikation für das Kandidatenturnier in Bled gipfelte.

Donaldson forscht auch nach den Ursachen von Fischers Antikommunismus, Antisemitismus und seinem Hass auf Journalisten. Als Fischer 1958 auf dem Flug zum Interzonenturnier nach Portoroz bei seinem einzigen Aufenthalt in der UdSSR in Moskau einen Zwischenhalt einlegte, besuchte er den Zentralen Schachclub und spielte gegen einige der besten sowjetischen Spieler, die seine Helden waren. Doch die späteren Berichte der sowjetischen Presse über seinen Aufenthalt verärgerten den jungen Mann nachhaltig, weshalb hier vielleicht einer der Gründe für seine spätere Feindseligkeit gegen die Kommunisten zu finden ist.

Obwohl Fischer bereits ein Kandidatenturnier gespielt und viermal die US-Meisterschaft ge wonnen hatte, war 1961 noch nicht ent­ schieden, wer der beste Spieler des Landes war. Ein Wettkampf gegen Reshevsky, selbst eines der größten Wunderkinder der Geschichte und zu diesem Zeitpunkt noch ohne Niederlage in einem Match, sollte Klärung bringen. Beim Stand von 5,5:5,5 musste die letzte Partie auf den Vormittag verlegt werden, wogegen sich Fischer verwehrte, wodurch Reshevsky kampflos der Sieg zugesprochen wurde. Daraufhin verklagte Fischer seinen Gegner, wurde von der Öffentlichkeit für sein Verhalten harsch kritisiert und der amerikanische Verband USCF schlug sich auf Reshevskys Seite.

Diese Auseinandersetzung mit dem orthodoxen Juden Reshevsky könnte laut Donaldson einer der Katalysatoren für Fischers fanatischen Antisemitismus gewesen sein. Denn Fischer beschuldigte alle an diesem Match Beteiligten - die Organisatorin, seinen Gegner, die Ver­antwortlichen des USCF, die Journalisten - einer gemeinsamen "jüdischen Verschwörung“ gegen ihn. Allerdings zitiert Donaldson auch andere Zeitzeugen, die entweder schon zuvor einen Antisemitismus bei Fischer bemerkten oder aber in den späten 60ern sogar eine moderatere Einstellung des Halbjuden Fischers erkannt haben wollen. Laut seinem langjährigen Freund Ron Gross, mit dem sich Fischer wie mit vielen anderen später überwarf, wurde er erst zum fanatischen Antisemiten, nachdem er Anfang der 70er der Worldwide Church of God beigetreten war.

Kurz nach dem Reshevsky-Match wurde auch Fischers Glaube an die Medien erschüttert, nachdem er dem Journalisten Ginzburg ein Interview gegeben hatte. Doch der daraus entstandene Artikel enthielt viele "Erfindungen“, wie Fischer meinte, was sein Ver hältnis zur Presse sein restliches Leben lang nachhaltig verstörte.

Ein weiterer Aspekt, dem Donaldson nachgeht, ist der Verbleib von Fischers Besitztümern, die gleich mehrfach verloren gingen. Als Fischer etwa 1968 von Brooklyn nach Los Angeles zog, verkaufte er seine Schachbücher über einen Händler, weil er angeblich die Befürchtung hatte, ein Sammler zu werden. Der Händler ließ die Bücher versteigern. Doch wenig später bereute Fischer den Verkauf und wollte die Bücher wieder zurückzuholen, was nicht mehr gelang. Von einigen dieser Objekte weiß man, dass sie sich heute in privaten Sammlungen befinden, viele andere sind verschwunden.

Nach 1966 verzichtete Fischer auf eine Teilnahme an den US-Meisterschaften, mit dem bemerkenswerten Argument, das Turnier sei zu kurz, weshalb die Gefahr eines zufälligen Siegers bestünde. Dabei hatte Fischer zuvor bei all seinen acht Teil­nahmen triumphiert. Der USCF ging auf diesen Vorschlag nicht ein, weshalb Fischer auch 1969/70 fehlte, als die Meisterschaft ein Zonenturnier war, und er sich deshalb nicht für das Interzonen­turnier qualifizieren konnte. Nur weil Benkö auf seinen Quali­fikations platz verzichtete, konnte Fischer überhaupt in die WM eingreifen, auch wenn seine Teilnahme noch wenige Tage vor Beginn des Interzonenturniers wegen zusätzlicher finanzieller Forderungen auf der Kippe stand.

Donaldson macht auch deutlich, dass Fischer in den Siebzigern erst langsam zu einem Medienstar wurde. Ein Aspekt, der bei der Betrachtung der Kandidatenkämpfe gerne vergessen wird, ist Fischers mangelnde Matcherfahrung. Zuvor hatte er überhaupt erst ein einziges längeres Match - 1961 gegen Reshevsky - gespielt, also mithin noch nie einen Wettkampf in seiner Karriere gewonnen.

Als Fischer 1971 in Vancouver sein Kandidatenmatch gegen Taimanow spielte, gab es trotz seines wenige Monate zurück­liegenden überragenden Sieges beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca noch nicht die spätere "Fischermania“. Lediglich 100 - 200 Zuschauer besuchten die Begegnungen, und auch nur wenige Pressevertreter waren vor Ort.

Im Gegensatz zum schon 45-Jährigen Taimanow war Larsen sehr erfahren und hatte vor dem Kandidatenmatch in Denver erst einen einzigen Wettkampf verloren. Er hatte vor der Rückkehr Fischers mehrere Turniere gewonnen, ihn als einziger im Inter­zonenturnier geschlagen und war auch nicht viel älter als sein Kontrahent. Erst dieser zweite 6:0-Sieg sorgte für eine Euphorie. Nach dem Sieg gegen Taimanow interessierten sich die großen Zeitungen für Fischer, aber erst nach seinem Sieg gegen Larsen wurde er zu den populärsten TV-Shows des Landes eingeladen.

Donaldson versucht auch die familiären Hintergründe Fischers zu erhellen. Fischers Mutter heiratete in Berlin Hans-Gerhard Fischer und lebte dann von 1933-1938 in Moskau, bis sie in der Zeit des Großen Terrors, als Ausländerin unerwünscht und gefährdet, mit ihrer kleinen Tochter Joan ausreisen musste. Bobby wurde nach Reginas Rückkehr in die USA 1943 in Chicago geboren und wuchs ohne Vater auf - wobei wahrscheinlich nicht Fischer, sondern Paul Neményi sein leiblicher Vater war. Donaldson fragt sich, ob diese starke Frau eine glühende Kommunistin war, oder nur eine Idealistin. Jedenfalls wurde sie bis 1973 vom FBI beobachtet, allerdings ergebnislos. Joan bezeichnete ihre Mutter als professio­ nelle Aktivistin. So begab sie sich 1960 sechs Tage in einen Hunger­streik, um von der amerikanischen Schachföderation mehr Geld für das US-Olympiateam und ihren Sohn zu erhalten. Im Herbst 1960 zog Fischers Mutter Regina von Brooklyn nach San Franzisco, seine Schwester Joan heiratete bereits 1958, weshalb der 17-jährige Bobby von da an auf sich selbst gestellt war. Durch Regina bekam er lediglich eine monatliche Unterstützung von 175 $.

Obwohl die Schachprofis in den Sechzigern nicht viel verdienten und Fischer zuweilen auch selten spielte, hatte er stets ein gutes Einkommen. Zum einen war er ein erfolgreicher Autor. Es mag überraschen, dass sein größter Bestseller nicht 60 Memorable Games ist, sondern Bobby Fischer Teaches Chess , ein Anfänger­buch und eines der meistverkauften Schachbücher, das eine Auflage von einer Million erreichte. Fischer schrieb außerdem von 1966-70 eine Kolumne in Boy’s Life und absolvierte sehr gut bezahlte Simultantourneen.

Weil kein Vater da war und seine Mutter ihn früh verlassen hat, er also ohne elterlichen Schutz und weitgehend ohne soziales Korrektiv aufgewachsen ist, musste sich Fischer seine Welt, spätestens seitdem er 17 war, alleine zurechtlegen. Anfang 1973 zog er sich fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück und verfiel mehr und mehr seiner Paranoia und seinem Antisemitismus - eine Zeit, die Donaldson als die Dark Years beschreibt. Die Periode von 1973 bis 1991, als er mit dem Rematch gegen Spasski wieder in die Öffentlichkeit zurückkehrte, ist die unbekannteste in Fischers Leben. Auf der Suche nach Orientierung war er bis 1977 in der Worldwide Church of God, der er einen großen Teil seines Vermögens vermachte, sich dann aber von ihr abwendete, als gegen die Führer dieser Kirche Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und Verschwendungssucht erhoben wurden.

Donaldsons Buch endet mit einem Treffen zwischen dem Musik­liebhaber Fischer und der Rocklegende Patti Smith, das Fridrik Olafsson 2005 auf Island eingefädelt hatte. Beide verbrachten den Abend gemeinsam singend, wobei Fischer die Texte in der Regel besser kannte als Smith. Irgendwie ein versöhnlicher Schluss.

Nicht zuletzt der sehr niedrige Preis im Verhältnis zum Umfang des Buches macht Bobby Fischer and his World zu einer Pflichtlektüre - nicht nur für Fischer-Fans.

Harry Schaack

KARL 4/2021


Bobby Fischers Leben ist voller Widersprüche: Mit sechs Jahren lernte er Schach, mit 14 war er das erste Mal US-Meister, mit 15 Großmeister, damals und bis 1992, als Judit Polgar diesen Rekord brach, der jüngste der Welt.

1972 wurde er Weltmeister und löste in den USA und vielen anderen Ländern der Welt einen Schachboom aus, doch er selbst spielte nach dem Titelgewinn er zwanzig Jahre keine offizielle Partie mehr.

Fischers Mutter Regina war Jüdin, genau wie sein leiblicher Vater, aber Fischer selbst machte immer wieder durch antisemitische Tiraden Schlagzeilen. Nach seinem Sieg im WM-Kampf 1972 gegen Boris Spassky wurde Fischer in den USA gefeiert, später sorgte er mit anti-amerikanischen Statements für Aufsehen.

2004 verlangte die US-Regierung von Japan, Fischer in die USA auszuliefern, um ihn dort wegen Steuerhinterziehung vor Gericht zu stellen - was wahrscheinlich zu einer langjährigen Gefängisstrafe geführt hätte. Daraufhin machte Island Fischer zum Isländer und so lebte Fischer die letzten Jahre seines Lebens in Reykjavik, wo er am 17. Januar 2008 im Alter von 64 Jahren gestorben ist.

Doch Donaldsons Bobby Fischer and His World ist keine klassische Biographie, die das Leben ihres Helden Jahr für Jahr detailliert nachzeichnet. Stattdessen konzentriert sich Donaldson auf entscheidende Momente in Fischers Laufbahn, die er genauer beleuchtet. So schreibt Donaldson in der Einleitung:

Ich suchte nach Antworten auf eine Reihe bohrender Fragen über den 11. Schachweltmeister. Wer war Fischers Schachlehrer? Wie ist es Bobby gelungen, von Anfang Juni 1955 bis Ende August 1958 so eine enorme Steigerung der Spielstärke zu erreichen? Woher stammt sein enormer Hass auf die Regierung der USA? Warum, wo doch seine Mutter Ärztin und seine Schwester Krankenschwester waren, hatte er eine solche Abneigung gegen westliche Medizin? Warum hat Fischer einen Wettkampf gegen Spassky gespielt, nachdem so viele andere geplante Wettkämpfe nie zustande kamen? Was geschah mit seinem Besitz, vor allem den Dingen, die verloren gingen, nachdem der Inhalt seines Speicherraums versteigert wurde? ... Während meiner Nachforschungen ... erkannte ich, dass die Berichte aus erster Hand, Dokumentationen und Meinungen (von denen manche anderen widersprochen haben), die ich von Spielern, Freunden, Förderern, und anderen Menschen aus Fischers Umfeld eingeholt hatte, sich zu einer Geschichte verwoben. Und diese Geschichte hat sich zu diesem Buch entwickelt, ein Porträt von Fischers Welt. (S. XIII)

So kommen in diesem Buch erstaunlich viele Zeitzeugen, Freunde und Bekannte von Fischer zu Wort und vermitteln ein lebhaftes und vielschichtiges Bild Fischers, von seinen Jugendjahren in New York, in denen er erste Schritte in die Schachwelt unternahm, über die "Dunklen Jahre" bis hin zu Fischers Tod in Reykjavik. Viele Facetten dieses Bildes sind bekannt - Fischers Paranoia, sein Misstrauen, sein Antisemitismus, seine Liebe zum Schach, sein Ehrgeiz und Siegeswillen - aber zugleich verweisen die Berichte auch auf andere Seiten von Fischer: seine Freundlichkeit, seine Aufrichtigkeit, sein jungenhafter Charme.

Fischers Leben ist gut dokumentiert und erforscht, aber dennoch stieß Donaldson bei seinen Recherchen auf eine ganze Reihe wenig bekannter Menge Fakten. So berichtet er von Fischers kurzer Karriere als Fernschachspieler oder erzählt, wie Fischer einmal beauftragt wurde, Partien abzuschätzen, oder er erzählt, wie Fischer Anfang Juni 1972, also kurz vor Beginn seines Wettkampfs gegen Spassky in Reykjavik, am "Zweiten Dewar’s Sports Celebrity Tennis Tournament" in Kalifornien teilnahm, einem Turnier, in dem etwa 60 der besten Sportler der USA im Tennis gegeneinander antragen, darunter so bekannte Namen wie die Basketballlegende Elgin Baylor, Boxstar Joe Frazier oder der damals noch als Football-Spieler bekannte O. J. Simpson. Trotz aller dieser Berühmtheiten aus der Welt des Sports stand, so Donaldson, "Bobby im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit" und Zeitungsberichten zufolge haben etliche der großen Sportstars Fischer um ein Autogramm gebeten.

Auch wichtige, bislang wenig bekannte Personen, die in Fischers Leben eine große Rolle gespielt haben, hat Donaldson aufgespürt. Eine davon war Lina Grumette (1908-1988), sechsfache US-Frauenmeisterin, die Fischer kennengelernt hatte, als er im Juli 1957 während eine Reise bei ihr in Los Angeles. Sie wurde so etwas wie eine zweite Mutter für Bobby und reiste 1972 in der kritischen Phase des WM-Kampfs gegen Spassky nach Reykjavik und trug maßgeblich dazu bei, dass Fischer den Wettkampf zu Ende spielte und Weltmeister wurde. (Vgl. S. 119 bis 121)

Es sind auch diese zahlreichen kurzen Biographien von Menschen, die Fischers Weg gekreuzt haben, die Donaldsons Buch so spannend, interessant und lesbar machen. Man erfährt durch sie nicht nur etwas über Fischer, sondern auch über die Schachwelt in den USA, und Spieler, deren Namen man vielleicht nur kennt, weil sie in einer Datenbank oder einem Buch als Gegner von Fischer auftauchen, werden plötzlich lebendig. Ein Beispiel dafür ist Ron Gross, den Fischer bei der US-Jugendmeisterschaft 1955 kennengelernt hatte.

Bald danach zog Gross nach New York und die beiden Jugendlichen machten die Schachszene New Yorks unsicher. Auch als sich ihre Wege trennten und Gross zum Studium nach Kalifornien zog, blieben sie bis in die 80er Jahre hinein Freunde. Fischer besuchte ihn regelmäßig und auch nach 1972, als Fischer sich vor der Öffentlichkeit versteckte, gingen die beiden zusammen fischen oder reisten nach Mexiko. Bis Fischer sich wegen eines Zeitungsartikels, den er nicht einmal gelesen hatte, von Gross verraten fühlte, und die Freundschaft mit einem kurzen Telefonanruf beendete.

Einen guten Eindruck von der Welt Bobby Fischers vermitteln auch die zahlreichen phantastischen Schwarz-Weiß Bildern, mit denen das Buch illustriert ist. Sie reichen von Bildern, die den 13-jährigen Fischer am Brett zeigen bis hin zu Aufnahmen, die am Ende von Fischers Karriere entstanden sind.

Großen Wert legt Donaldson, der Internationaler Meister ist und bereits zwei Großmeisternormen erzielt hat, auch auf das schachliche Erbe Fischers. Er präsentiert etliche bekannte Partien von Fischer, hat aber auch zahlreiche, bislang unbekannte Fischer-Partien entdeckt, die in diesem Buch vielleicht das erste Mal veröffentlicht werden.

Die gut und sehr gründlich recherchierte spannend geschriebene Darstellung der Welt Fischers mit ihren zahlreichen Berichte von Zeitzeugen, wunderbaren Fotos und die Würdigung des schachlichen Vermächtnisses von Fischer, machen dies zu einem der besten, wenn nicht sogar dem besten Buch, das je über das Leben dieses so widersprüchlichen und faszinierenden Schachgenies geschrieben worden ist.

Über den Autor John Donaldson verrät der Klappentext des Buches Folgendes:

Inspiriert vom Weltmeisterschaftskampf zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky begann John Donaldson im Herbst 1972 im Tacoma Chess Club Schach zu spielen. Er ist Internationaler Meister mit zwei Großmeisternormen und war bei 21 Schacholympiaden und Mannschaftsweltmeisterschaften Kapitän der U.S.-Mannschaften, darunter Luzern 1993 und Baku 2016, wo die Amerikaner den ersten Platz belegten. Er hat zahlreiche Artikel und Bücher geschrieben, unter anderem The Life & Games of Akiva Rubinstein: Vol. 1: Uncrowned King und Vol. 2: The Later Years und A Legend on the Road: Bobby Fischer’s 1964 Simultaneous Tour.

John Donaldson ist zusammen mit seiner Partnerin Holly und ihrer 18-jährigen Katze Seuss in Berkeley, Kalifornien, zu Hause.

Johannes Fischer

www.chessbase.de

März 2021

Bobby Fischer's life is full of contradictions: he learned chess at the age of six, was US champion for the first time at 14, Grandmaster at 15, the youngest in the world then and until 1992, when Judit Polgar broke that record. In 1972 he became World Champion and caused a chess boom in the USA and many other countries of the world, but he himself did not play an official game for twenty years after winning the title.

Fischer's mother Regina was Jewish, just like his biological father, but Fischer himself repeatedly made headlines with anti-Semitic tirades. After winning the World Championship match against Boris Spassky in 1972, Fischer was celebrated in the USA, but later he caused a stir with anti-American statements.

In 2004, the US government demanded that Japan extradite Fischer to the US to stand trial for tax evasion - which would probably have resulted in a long prison sentence. Iceland then made Fischer an Icelander and so Fischer lived the last years of his life in Reykjavik, where he died on 17 January 2008 at the age of 64.

But Donaldson's book Bobby Fischer and His World is not a classic biography that traces the life of its hero in detail year by year. Instead, Donaldson focuses on crucial moments in Fischer's career, which he illuminates in more detail.

I was interested in answering a number of nagging questions about the eleventh World Champion. Who was Fischer's chess teacher? How did Bobby make his incredible jump in strength from early June of 1955 to late August of 1958? Why did he have such a hatred of the United States government? Why, with his mother a doctor and his sister a nurse, did he possess such an aversion to Western medicine? Why did Fischer play Spassky a rematch after so many earlier planned matches had fallen through? What happened to his belongings, particularly those lost after his storage locker was auctioned off? ... As I ... dug deeper into my research ... I realized the first-hand observations, documentations, and opinions (some contradictory of others) that I had gathered from players, friends, supporters, and other people in Fischer's orbit wove a story. And that story is what developed into this book, a portrait of Fischer's world (p. XIII).

Thus, a large number contemporary witnesses, friends and acquaintances of Fischer are quoted in this book, and they convey a lively and multi-layered picture of Fischer, from his youthful years in New York, when he took his first steps into the chess world, through the "Dark Years" to Fischer's death in Reykjavik. Many facets of this picture are known - Fischer's paranoia, his mistrust, his anti-Semitism, his love of chess, his ambition and will to win, etc. - but at the same time the accounts also point to other sides of Fischer: for instance his friendliness, his sincerity, his boyish charm.

Fischer's life is well documented and researched, but Donaldson still discovered a whole host of little-known facts. For example, he mentions Fischer's short career as a correspondence chess player, or recounts how Fischer was once commissioned to adjudicate games, or tells how Fischer took part in the "Second Dewar's Sports Celebrity Tennis Tournament" in California in early June 1972, just before the start of his match against Spassky, a tournament in which about 60 of the best athletes in the USA competed against each other in tennis, including such famous names as basketball legend Elgin Baylor, boxing star Joe Frazier or O. J. Simpson, who then was still known as a football player first of all. Despite all these celebrities Donaldson claims that "Bobby was the centre of attention", and according to newspaper reports, quite a few of the big sports stars asked Fischer for his autograph.

Donaldson has also tracked down important, hitherto little-known people who played a major role in Fischer's life. One of them was Lina Grumette (1908-1988), six-time US Women's Champion, whom Fischer met when he stayed with her in Los Angeles during a trip in July 1957. She became something of a second mother to Bobby and even travelled to Reykjavik in 1972 during the critical phase of Fischer's World Championship match against Spassky, and apparently she played a major role in helping to convince Fischer to finish the match which made him World Champion. (Cf. pp. 119 to 121)

These short biographies of people who have crossed Fischer's path help to make Donaldson's book so exciting, interesting and readable. Through them one learns not only something about Fischer but also about the chess world in the USA, and players whose names one might only know because they appear in a database or a book after having played one or more games against Fischer, suddenly come to life. One example of this is Ron Gross, whom Fischer got to know at the US Junior Championship in 1955.

Soon after, Gross moved to New York and the two youngsters explored New York's chess scene together. When Gross moved to California to study they still remained friends, and regularly met until the 1980s. Fischer visited Gross regularly and even after 1972, when Fischer hid from the public eye, the two went fishing together or travelled to Mexico. Until Fischer one day felt betrayed by Gross because of a newspaper article, which Fischer had not even read, but which was enough for him to end a 30-year friendship with a short telephone call.

The many wonderful black-and-white pictures that illustrate the book also convey a good impression of Bobby Fischer's world. They range from pictures showing the 13-year-old Fischer at the board to shots taken at the end of Fischer's career.

Donaldson, who is an International Master with two Grandmaster norms, also attaches great importance to Fischer's chess heritage. The book includes 99 games, and some of them are well-known, but Donaldson has also unearthed a number of previously unknown Fischer games.

All in all, Bobby Fischer and His World is exciting to read, and the thorough research, the entertaining writing, the many memories of contemporary witnesses, the wonderful pictures and the appreciation of Fischer's chess legacy, make this one of the best, if not the best book ever written about the controversial and fascinating life of Bobby Fischer.

The book's blurb reveals the following about the author John Donaldson:

John Donaldson, inspired by the World Championship between Bobby Fischer and Boris Spassky, began playing chess in the fall of 1972, at the Tacoma Chess Club. He is an International Master with Grandmaster norms and has served as the U.S. team captain in twenty-one Olympiads and World Team Championships, including Lucerne 1993 and Baku 2016, where the Americans finished first. He has written numerous articles and books, including The Life & Games of Akiva Rubinstein: Vol. 1: Uncrowned King and Vol. 2: The Later Years and A Legend on the Road: Bobby Fischer’s 1964 Simultaneous Tour.

John Donaldson makes his home in Berkeley, California, with his partner Holly and their eighteen-year-old tuxedo cat Seuss.

Johannes Fischer

www.chessbase.com

March 2021

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