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LXTIMCUR1962G
Author

Curaçao 1962 (hc)

The Battle of Minds that Shook the Chess World
Attributes

224 pages, hardback, New in Chess, 1. edition 2022, original edition 2005

€34.95
Incl. Tax, excl. Shipping Cost

The 1962 Candidates’ Tournament in Curaçao was one of the fiercest chess battles of all time. At the height of the Cold War, eight players contested the right to challenge World Champion Mikhail Botvinnik. The format of the tournament was a gruelling quadruple round-robin. Twenty-eight games were to be played on the tropical island, in a contest that lasted two months.

The air trembled with drama and intrigue. One of the favourites, the brilliant Mikhail Tal,was taken to hospital after 21 rounds and had to withdraw. Three other players from the Soviet Union, Keres, Petrosian, and Geller, were making suspiciously short draws when playing each other. The two American players came to blows over the services of the second they were supposed to share.

Bella Kortchnoi, whose husband took an early lead in the tournament, was a puppet in the hands of the scheming Rona Petrosian, the wife of the later winner. And one of the favourites was a lanky 19-year-old boy from Brooklyn, Bobby Fischer, who openly accused the Soviets of collusion and was later proven right.

In the end, Tigran Petrosian was the winner and went on to become the new World Champion the following year. But such was the impact of Fischer’s accusations that this was the last time such a battle was organised. Henceforth the challenger to the highest crown was determined in a series of matches. Curaçao 1962 was the last Candidates’ Tournament until the concept was restored only in modern times.

In Curaçao 1962 , Jan Timman returns to this clash of giants and takes a fresh look at the games. Timman describes the course of the tournament and annotates the most important games (including 16 of Fischer’s!) in his usual lucid and instructive style. Curaçao 1962 revives a tradition of great tournament books, such as Alekhine’s New York 1927 and Bronstein’s Zurich 1953.

Shortlisted for the British Chess Federation 2005 Book of the Year Award.

More Information
Weight 500 g
Manufacturer New in Chess
Width 17,5 cm
Height 24,2 cm
Medium Book
Year of Publication 2022
Author Jan Timman
Language English
Edition 1
ISBN-13 978-94-93257-68-9
Year of Original Version 2005
Pages 224
Binding hardback

007 Preface

011 Prelude

016 The Players

025 Combine

034 The Course of the Tournament - Part I

035 Round 1

042 Round 2

050 Round 3

053 Round 4

057 Round 5

062 Round 6

066 Round 7

070 Cross table first Part

075 The Course of the Tournament - Part II

076 Round 8

079 Round 9

082 Round 10

087 Round 11

093 Round 12

097 Round 13

102 Round 14

109 Cross table second Part

110 Six days in St. Martin

113 The Course of the Tournament - Part III

114 Round 15

119 Round 16

125 Round 17

134 Round 18

138 Round 19

145 Round 20

155 Round 21

163 Cross table third Part

164 The Course of the Tournament - Part IV

165 Round 22

170 Round 23

178 Round 24

180 Round 25

189 Round 26

192 Round 27

196 Round 28

203 Cross table fourth Part and final standings

205 Epilogue

208 Index of Games

209 Index of Openings

210 Index of Names

215 Index of Photographs

Seit ich vor zwanzig Jahren Jan Timman analysiert Großmeisterpartien (Rattmann 1982) verschlang, bin ich ein Fan seiner Art der Partiekommentierung. Ganz gleich, ob er selbst einer der beiden beteiligten Akteure war oder nicht (fragen Sie heute mal einen Weltklassemann, ob er nicht eine Partie X-Y kom­mentieren wolle...)! Die fachlichen Qualitäten des Holländers muss ich nicht eigens herausstreichen, vielfach sind daneben kleine Storys aus seiner Kar­riere eingewoben, treffend charakterisiert er die Ak­teure, häufig erteilt er praktische Ratschläge über die aktuellen Geschehnisse auf dem Brett hinaus. Wohl durch ihn habe ich mir angewöhnt, kommentierte Partien zu "lesen" und nicht mit einem Brett bewaff­net nachzuspielen. Ebenso bin ich mit "Curacao" verfahren; mein Ehrgeiz war es nicht, Fehler in den Analysen auszumachen (derer es diesmal anderen Rezensenten zufolge - z. B. Taylor Kingston auf chesscafe.com - einige zuviele gab).

Vielmehr galt mein Interesse den historischen Hin­tergründen: mit dem 28-rundigen Kandidatenturnier mit dem späteren Weltmeister Tigran Petrosjan als Sieger greift Timman ein brisantes Thema auf. Erin­nert sei nur an den Nichtangriffspakt zwischen Pe­trosjan, Keres und Geller, den in seinem Vorwärts­drang gestoppten Bobby Fischer und den krankheits­bedingten Ausfall Tals. Daneben an die vielen unge­lösten Fragen, zum Beispiel was die Rolle von Benkö angeht (vgl. u. a. Schach 7/2004, S. 37ff.).

Timman fasst die mehr oder minder bekannten Fak­ten zusammen und stellt sie in den schachgeschicht­lichen Kontext. Neu für mich war, dass Petrosjan in Runde 18 ein Remisangebot von Keres ablehnte, die Erklärung dafür fällt indessen dünn aus (S. 136). So wie der Holländer generell Erwartungen an eine hi­storische Klärung eine Absage erteilt. Ansätze einer vertiefenden Untersuchung, idealerweise unter Mit­hilfe noch lebender Zeitzeugen, sucht man verge­bens. Mitunter wurde ich an die Arbeit seines Lands­manns Alexander Münninghoff Max Euwe (New in Chess 2001) erinnert. "Das Rätsel 'Euwe' bleibt ungelöst" überschrieb ich meine Rezension in Schach 10/2001. Ähnliches gilt für Curacao 1962. Wünschenswert wäre die Zusammenarbeit mit einem engagierten Historiker gewesen, der vielleicht auch einige andere Ungereimtheiten ausgemerzt hätte. So wirkt es wenig professionell, wenn Pal Benkö, des­sen Buch My Life, Games and Compositions (in dem er sich zu vielen Aspekten Curacaos äußert) 2003 erschien, erstmals auf Seite 181 zitiert wird. Hat Timman den Großteil seines Buches vor dem Er­scheinen von "Benkö" fertiggestellt und es danach schlicht nicht mehr überarbeitet? Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man auf Seite 123 ein "Post­script" findet. Darin tut der Autor kund, dass er nach dem Verfassen der vorgelagerten Analyse weitere Informationen zu der Partie erlangte. Waren diese nicht mehr ohne Postscript einzuarbeiten?

Wer betreffs Curacao Neuland beschreitet, und das mag das Gros der Leser sein, für den liefert Timmans Buch jedoch einen ausgezeichneten Einblick (bzw. Einstieg) in das schachgeschichtliche Geschehen der 60er Jahre. Und auch wenn das Werk kein Highlight Timmanscher Analysetätigkeit ist, rangiert es doch weit über dem Standard. Der verkaufsfördernde Ge­schmack dürfte gut getroffen sein, meine Kritikpunk­te sind unter diesem Aspekt vernachlässigbar. Wei­tere Pluspunkte sind die attraktive Aufmachung und die zahlreichen hervorragenden Fotos mit dem im Krankenbett mit Fischer schachspielenden Tal als Abschluss und Höhepunkt (S. 201).

Abschließend eine Sache im Zusammenhang mit dem eingangs erwähnten Partien "lesen", das sicher nicht nur mir zur Angewohnheit geworden ist. Immer wieder wird man durch "falsche" Diagramme darin behindert - beileibe kein Curacao 1962-spezifisches, sondern ein sich durch die gesamte Schachpresse ziehendes Problem. Ein Beispiel von Seite 44: nach dem Diagramm wird die Stellung vor 24. Sf4 diskutiert. Für den "partielesen­den" Leser wertlos, zumal er nicht zwin­gend weiß, von wel­chem Feld sich der weiße Springer nach f4 bewegt hat. Richtig ist es, das Diagramm vor 24. Sf4 (mit dem weißen Springer auf e2) zu setzen, darun­ter den weißen Zug und dann die Diskus­sion.

Raj Tischbierek, Schach 4/2006

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Von 1950 bis 1962 reichte die Ära der großen Kandidatenturniere, ehe ab 1965 Kandidatenmatches einge­führt wurden, nicht zuletzt als Folge des Turniers von 1962 in Curacao. Über die Kandidatenturniere 1953 in der Schweiz (15 Teilnehmer, Sieger Smyslow), 1956 in Holland (10 Teil­nehmer, Sieger Smyslow) und 1959 in Jugoslawien (8 Teilnehmer, Sie­ger Tal) liegen schon lange hervorra­gende und zugängliche Turnierbü­cher vor, zu 1953 Bücher von Bronstein (z.B. in englischer Sprache bei Dover-Books) und Euwe (z.B. Olms-Reprint), zu 1956 von Euwe und Mührung (Variant-Verlag) und zu 1959 von Gligoric und Ragosin (z.B. Olms-Reprint). Vom Turnier 1950 in Budapest (10 Teilnehmer, Sieger Bronstein und Boleslawsky) kenne ich nur ein ungarisches Tur­nierbuch mittlerer Qualität und zu Curacao 1962 gibt es anscheinend zwar ein gutes Turnierbulletin, aber wer kennt es heute schon? Die Lü­cke Turnierbuch Curacao ist jetzt dank Jan Timman geschlossen, und - das sei vorweggenommen - mit ei­nem schönen Turnierbuch! Freilich, die Menge der sehr aus­führlich kommentierten Partien ist mit 40 von 105 nicht ganz so groß wie bei einigen der oben genannten "Klassiker", aber erstens sind diese 40 Partien eben von Timman neu kommentiert, dessen große Analyse­qualitäten ja nicht erst seit New In Chess, sondern z.B. schon von "Jan Timman analysiert Großmeisterpar­tien" (Hamburg 1982) her bestens bekannt sind. Zweitens gab es in diesem Turnier eine ganze Reihe von Kurzremisen zwischen den rus­sischen Großmeistern, ein Umstand, auf den ich noch zu sprechen kom­me, und drittens ist jede Partie zu­mindest mit einem Vorspann verse­hen, der oft entscheidende Partie­stellen mit anspricht und nicht selten wenig bekannte, aber interessante Hintergrunddetails liefert. So etwa zu den Partien zwischen Benkö und Keres im 3. und 4. Turnierabschnitt: Benkö warf in klarer Remisstellung im 38. Zug einige Figuren um. Keres drückte sofort die Uhr, so dass Benkö diese auf eigene Zeit aufstel­len musste und dabei die Zeit über­schritt. Keres handelte zwar regelge­recht, aber Benkö ärgerte das Ver­halten von Keres so sehr, dass er schwor, Keres trotz bislang dreier Niederlagen im letzten Durchgang zu schlagen. Genau das geschah dann auch und kostete Keres den WM-Kampf mit Botwinnik! Die Kommentare und Hintergrundinfor­mationen ergeben zusammen mit den erstaunlich vielen Fotos (ca. 50), den Tabellen (nach jedem Durchgang, sowie Namens- und Er­öffnungsverzeichnis) jedenfalls ein sehr ansprechendes Turnierbuch. Doch nun ein Wort zu den Teilneh­mern und den Turnierumständen. Zu den Favoriten des Turniers zählten anfangs vor allem Mikhail Tal, der entthronte Weltmeister von 1960, Paul Keres, der seit über 20 Jahren zur absoluten Weltspitze gehörte, so­wie Robert Fischer, der das Interzo­nenturnier von Stockholm 1962 ein­drucksvoll mit 2,5 Punkten Vor­sprung vor Geller und Petrosjan ge­wonnen hatte. Fischer und Tal soll­ten aber keine entscheidende Rolle im Turnier spielen, Tal musste krankheitsbedingt, was ihn ja schon 1961 beim WM-Rückkampf gegen Botwinnik beeinträchtigt hatte, so­gar den 4. Durchgang absagen. Da­gegen kam es zu einem spannenden Dreikampf zwischen den "Russen" (nach 1990 würde man besser diffe­renzieren in Armenier, Russe, Este..) Tigran Petrosjan, Efim Geller und Paul Keres. Diese drei remisierten untereinander in der 3-5. Runde ei­nes Durchgangs alle Partien, meist nach etwa 20 Zügen. Gegenseitiger Respekt oder Absprache, auch um Kräfte im Vergleich zu Fischer oder Korchnoj, dem fünften und nach dem ersten Durchgang noch führen­den Russen, zu sparen? Fischer ver­mutete Letzteres und nahm aus Pro­test nicht am kommenden WM-Zyk­lus teil, obwohl sein Vorschlag von Kandidatenmatches in die Tat umge­setzt worden war. (Außerdem mo­nierte Fischer, dass die Russen sich sogar während der Partien gegensei­tig berieten). Für die Remisenab­sprache spricht, dass die Partien bei­leibe nicht immer trivial waren. Fi­scher und Timman attestieren Pe­trosjan z.B. in der 25. Runde prak­tisch eine Gewinnstellung nach nur 14 Zügen mit Schwarz gegen den punktgleichen Hauptkonkurrenten Keres. Aber es folgte trotz der nur drei verbleibenden Runden ein so­fortiger Remisschluss, vielleicht, be­vor die Sache zu auffällig wurde. Einmal, in der 14. Runde, lehnte Pe­trosjan allerdings ein Remisangebot von Keres ab. Timman vermutet aus psychologischen Gründen, um sei­nem Konkurrenten den Willen zum Turniersieg anzuzeigen. Schwer zu sagen, ob diese Absprache einem Keres oder Geller sehr geschadet hat. Wie dem auch sei, Petrosjan, der am gleichmäßigsten spielte und keine Partie in diesem Turnier ver­lor, wurde am Ende mit 17,5 Punk­ten bei immerhin 28 Runden nur hauchdünn Sieger vor dem "ewigen Zweiten" Keres (17,0) und Geller, der trotz Verluststellung dank einer Zeitüberschreitung von Benkö noch Keres einholte. Weiter folgten Fi­scher (14,0), Viktor Korcnoj (13,5), Pal Benkö (12,0), Mikhail Tal (7,0/ 21) und der Tscheche Dr. Miroslav Filip (7,0/28). Interessanterweise war es für alle Teilnehmer bis auf Korcnoj schon mindestens das zwei­te Kandidatenturnier, also keine Zu­fallsteilnahmen an diesem WM-Ausscheidungsturnier.

Noch ein Wort zum Ex-Ungarn Pal Benkö, der 1959 nach dem Ein­marsch der Russen in Ungarn noch mit einer internationalen Flagge spiel­te, nun aber unter amerikanischer Flagge antrat. War er 1959 noch deut­lich Letzter geworden, hätte er dies­mal die 50%-Marke schaffen können. Wie 1959 wurde ihm aber öfter die Zeitnot zum Verhängnis. Immerhin spielte er das "Zünglein an der Waa­ge". Gegen Keres gewann er die ent­scheidende Partie in Runde 27, gegen Petrosjan vergab er in Runde 5 eine glatte Gewinnstellung im Endspiel und gegen Geller verlor er wie oben geschildert auf Zeit. Der Turnierort Curacao liegt übri­gens auf den niederländischen Antil­len vor Venezuela. Insbesondere Pe­trosjan beklagte nach dem Turnier das tropische Klima mit meist über 30 Grad und die schlechten Bedin­gungen im Turniersaal. Konstant brilliante Leistungen sind da nicht zu erwarten gewesen. Solches ist bei Timman wie auch in Shektmans Pe-trosjan-Biographie (Band I, S. 364) zu lesen. Timman freilich hat selbst einige Open in Willemstad gespielt und relativiert diese Problematik ei­nerseits, gibt aber zu bedenken, dass er keine 28 Runden spielen musste. Der Veranstalter jedenfalls war da­mals über die nachträgliche Kritik nicht sehr erfreut. Davon abgesehen ist zu fragen, ob das Klima nicht letztlich Petrosjan begünstigte, war er doch 13 Jahre jünger als Keres, der nach einem starken Zwischen­spurt mit 6/7 im dritten Durchgang dann im letzten Viertel keine Partie mehr gewinnen konnte und hinter Petrosjan zurückfiel. Abschließend noch ein Wort zum Untertitel "The Battle of Minds that Shook the Chess World". Dieser mag zu reißerisch sein. Immerhin, das Turnier fand vom 2. Mai - 26. Juni 1962 statt, nur wenige Monate vor der Kuba-Krise im Oktober 1962, al­so mitten im Kalten Krieg. Und bei der sowjetischen Delegation ersetzte der KGB-Offizier Gorshkov den Schachgroßmeister Kotov, der ei­gentlich neben Awerbach und Boleslawsky mitreisen sollte. Wie weit kal-

ter Krieg auch zwischen welchen Spielern herrschte, ist eine andere Frage. Immerhin wurde Tal gerade von Fischer im Krankenhaus besucht, nicht aber von seinen sowjetischen Kollegen... Auf die Schachwelt hatte das Turnier zumindest zwei Wirkun­gen. Aus ihm ging der zukünftige Weltmeister hervor und die Form des Kandidatenturniers wurde geändert. Soweit einiges Wissenswertes zum Turnier. Wie gesagt, neben dem inte­ressanten Partiematerial erfährt der Leser so manche Hintergrunddetails, auch zu diversen Einflüssen aufs Turnierschach bzw. Machenschaften im Turnierschach, gerade im Kampf um den WM-Titel, die leider beilei­be heute nicht verschwunden sind. Timmans gut aufgemachtes und reichhaltiges Turnierbuch ist jeden­falls sowohl dem Schachpraktiker als auch dem schachhistorisch inte­ressiertem Leser sehr zu empfehlen.

Helmut Riedl, Rochade Europa 9/2005

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Rochade Europa"

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In einem der härtesten Turniere aller Zeiten kämpften acht der besten Großmeister der Nachkriegsära um das Recht eines WM-Matches mit Weltmeister Michail Botwinnik. Sie trafen sich mitten im Kalten Krieg unter der heißen karibischen Sonne, um 28 Runden miteinander auszutragen. Petrosjan gewann das Turnier und danach auch das Match mit Botwinnik, Keres wurde zweiter, gemeinsam mit Geller. Der 19-jährige Fischer beendete das Turnier vorzeitig, ebenso wie Tal, der aus Krankheitsgründen ausscheiden musste. Benkö landete nur knapp hinter Kortschnoj, der das Turnier zu Beginn dominierte, und der Jugoslawe Filip schließlich hatte insgesamt kaum eine Chance, auch wenn er häufig gut stand.

In der kurzlebigen Gegenwart kommt guten Büchern über die Vergangenheit eine besondere Bedeutung zu, denn es ist nicht unbedingt Standard, dass sich Schachspieler mit der Geschichte befassen. Wir alle kennen Viktor Kortschnoj, Michail Tal und Bobby Fischer, doch nicht jeder kennt den Weg, den diese Spieler im Zuge ihrer Entwicklung beschreiten mussten, geschweige ihre Partien.

Nun war dieses Turnier nicht irgendein Top-Turnier wie Linares 2004, sondern es war das Turnier jener Ära. Tal hatte die Chance auf ein Comeback und erlitt eine Tragödie, auch wenn er heroisch um jede Gelegenheit kämpfte, sich am eigenen Schopf aus der Misere zu ziehen. Fischer erkannte, dass er die Weltelite noch nicht in die Tasche stecken konnte. Geller war ganz auf der Höhe, Kortschnoj scheiterte am eigenen Optimismus und Keres hatte die letzte Chance um Haaresbreite verpasst, endlich Botwinnik herauszufordern.

Das Kandidatenturnier in Curaçao war das letzte Turnier dieser Art und sollte alsbald den Kandidatenturnieren weichen. Gleich nach dem Turnier beschwerte sich der Teenager Fischer in Magazin-Artikeln über den Nichtangriffspakt von Petrosjan, Geller und Keres. Die Sowjets hätten ein abgekatertes Spiel betrieben, hieß es da, und heute weiß man, dass er wohl Recht hatte. Ein Blick auf die Turniertabelle könnte schon genügen: Petrosjan-Geller: viermal Remis. Petrosjan-Keres: viermal Remis. Auch Geller-Keres bietet keine weitere Überraschung. Das sparte Kräfte und ärgerte die Konkurrenz, die in schweren Kämpfen und den Hängepartien Nerven lassen musste, während der Dreierbund fröhlich mit den Frauen am Pool saß und mit Eiswürfeln klimperte. Zwar wurde Fischers Forderung nach Abschaffung dieser Art Turniere Folge geleistet, aber ironischerweise wartete Fischer weitere sechs Jahre, bis er sich entschloss, am Kandidatenzyklus teilzunehmen. Im Herbst dieses Jahres soll in Argentinien ein ähnliches Turnier ausgetragen werden. Die Fide will den Gewinner dabei aber zum Weltmeister erklären, doch Wladimir Kramnik hat natürlich Einwände.

Jan Timman hat ein ordentliches Turnierbuch verfasst. Es ist nicht so hervorragend wie Bronsteins Buch über Zürich 1953, aber es ist vergleichbar mit Zagreb/Belgrad 1959 von Gligoric, und es ist besser als die meisten anderen Turnierbücher, die man sonst zu lesen bekommt. Gern nimmt man das großformatige, hübsch gestaltete Werk in die Hand und ist sofort dabei, all die interessanten Momente wieder aufleben zu lassen. Wunderbare Fotos aus dem Archiv des Prinz Bernhard Kulturfonds der Niederländischen Antillen heben das Werk noch weiter hervor und eigentlich ist Timman genau der Richtige für diese Arbeit.

Nicht nur ist er ein geschätzter Kommentator, seit er damals mit Euwe als junger Kerl das WM-Match 1972 in Reykjavik in einem Buch kommentierte. Timman kannte so ziemlich jeden aus diesem Turnier und ist immer wieder Gast in Curaçao gewesen. Wer, wenn nicht er sollte ein Turnierbuch über dieses wichtige Ereignis schreiben?

Raj Tischbierek hatte zuletzt in seinem Magazin "Schach" damit begonnen, die Geschichte von Curaçao neu zu beleuchten. Ausgehend von Fischers Anklagen regte der Großmeister an, die Gerüchte um die Absprachen endlich einmal aufzudecken, so lange die Zeitzeugen wie Benkö und Kortschnoj noch leben. Vor diesem Hintergrund wird die Redaktion "Schach" sicherlich etwas enttäuscht sein, wenn sie dieses Turnierbuch in den Händen halten wird.

Timman hat kein wissenschaftliches Werk geschrieben. Er hat nicht die Zeitzeugen befragt, sondern die Quellen studiert, dabei auch die Interviews seiner eigenen Zeitschrift "New in Chess". Er zitiert aus den Büchern von Tal, Fischer und erläutert die Kommentare anderer Quellen: von den alten Turnierbüchern über die Kommentare von Boleslawski und Wasjukow bis hin zu Kasparows Werken über die Weltmeister. Er hat auch keine historischen Entdeckungen zu präsentieren im Sinne von: "Keres nun Betrüger statt Gentleman" oder "Enthüllt: Kortschnoj viertes Mitglied der Dreierbande!". Timman ist kein Forscher, er ist Autor, und sein Ergebnis ist gelungen.

Dem Werk gelingt es nämlich, die Bedeutung des Turniers hervorzuheben. Vor allem den jungen Spatzen, die noch nichts kennen, hilft er damit um vieles weiter. Die Vorgeschichten sowohl der Spieler als auch der Partien werden erklärt und eingeordnet, und immer wieder erläutert Timman, warum manchen besonderen Momenten diese oder jene dramatische Bedeutung zukommt.

Manchmal fällt ein Wort über eine mögliche geschobene Partie. An anderer Stelle erklärt Timman, wie dreckig es Tal zu dem Zeitpunkt ging, als er sich nicht zwischen zwei guten Fortsetzungen entscheiden konnte und schließlich verlor, weil er sich schließlich für einen dritten, inkonsistenten Zug entschied. Seine beiden ersten Züge wurden später von anderen Meistern gespielt, die damit auch gewannen. Timman berichtet auch vom Zeitnotdrama Keres-Benkö, als dieser in horrender Zeitnot im 39. Zug eine Figur umwarf und Keres fies auf die Uhr schlug und Benkö dann auf Zeit verlor. Aber vor allem berichtet Timman auch etwas von dem ganzen Drumherum. Benkö war natürlich von Keres enttäuscht und schwor, die nächste Partie gegen Keres zu gewinnen, und so kam es dann auch. Indessen bleibt Timman manchmal, vielleicht sogar oft, an der Oberfläche, wie auch manches in den Kommentaren sehr allgemein bleibt, dennoch vergisst Timman dabei nicht, sich im entscheidenden Moment wieder auf das Wesentliche zu fokussieren.

Immer wieder flicht der Großmeister Hinweise zum praktischen Spiel ein. Wie man am besten in dieser Position auf die Zeitnot des Gegners spielt, warum es in einer anderen Position sinnvoll ist, nicht am Material zu kleben oder Fischer in einem Endspiel natürlich das Material für die Initiative links liegen lässt. Ebenso natürlich vollzieht sich der Lerneffekt beim Leser. Mit kleinen Winken versteht es Timman auch, das Besondere des Initiativ-Schachs, das damals in den frühen Sechzigern neu entdeckt wurde, quasi wie nebenbei und unprätentiös hervorzuheben. Vielleicht ist das Buch für manchen Schachhistoriker eine Enttäuschung, besonders dann, wenn profunde Enthüllungen erwartet werden. Aber profunde schachhistorische Werke werden ohnehin nur noch von Richard Forster geschrieben. Vielleicht sollte der Deutsche Historische Schachforschungsrat ihm ein Stipendium für die Karibik geben, damit das "Wahre" Curaçao-Buch erscheinen kann mit einem Anmerkungsapparat wie eine Doktorarbeit. Vielleicht hat Forster aber auch gar keine Zeit.

Schachliebhaber, die sich besonders für die Praxis und die Geschichte des Schachs interessieren und auch mit einem allgemeinen Überblick zu den historischen Geschehnissen von damals zufrieden geben, werden das Buch schätzen. Doch ganz gleich, ob die Entscheidung für oder gegen das Buch ausfällt: Die Partien aus dieser Zeit sollte jeder Schachspieler mal nachgespielt haben.

Rezension von

Fernando Offermann ,

geb. 1967 in Buenos Aires, ist Journalist, für gute Bücher zu haben und spielt Schach am liebsten in der Kneipe.

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Wie anders sah die Welt 1962 aus, als in Curaçao das skandal­trächtige Kandidatenturnier stattfand: Die Supermächte und der Globus schrammten auf dem Höhepunkt des Kal­ten Kriegs im Zuge der Kuba-Krise wegen der Stationierung sowjetischer Mittel­streckenraketen knapp an einer militärischen Auseinandersetzung vorbei, in Südafrika wurde Nelson Mandela für später insgesamt 28 Jahre inhaftiert, in Chile gewann Brasili­en zum zweiten Mal die Fußballweltmeisterschaft, in Europa standen die Beatles und die Rolling Stones am Beginn von Weltkarrieren in der Rockmusik und in Westdeutschland sollte es erst fünf Jahre später Farbfernsehen geben. Damals zogen sich acht der weltbesten Denksportler für zwei Monate zu 28 Runden auf ein nieder­ländisches Eiland in die brütende Hitze der Karibik vor die Küste von Venezuela zurück. Man traf sich allerdings nur scheinbar zum friedlichen Wettstreit; trägt das Turnierbuch von heute doch berechtigterweise den Un­tertitel "Der Kampf der Gehirne, welcher die Schachwelt schockierte". Es erstaunt, dass es über dieses Gipfeltreffen bisher nur ein weitgehend unbekanntes, spanischspra­chiges Buch in Argentinien gab. Dabei han­delte es sich um ein in vielfacher Hinsicht außergewöhnliches Turnier. Schon die Be­setzung bürgte dafür: Tigran Petrosjan, Mihail Tal, Paul Keres, Viktor Kortchnoi, Efim Geller, Bobby Fischer, Pal Benkö und Miroslav Filip. Jan Timman beleuchtete über vier Jahrzehnte später das Geschehen auf und neben dem Brett. Herausgekommen ist eine schachdidaktische Reminiszenz und zugleich eine Chronologie der Machen­schaften beim Streben um die höchste Kro­ne im königlichen Spiel. Warum ist dies für den Schachfreund der Gegenwart von Inte­resse?

Es bietet ein Lehrstück über Machenschaf­ten im Turnierschach: Nicht umsonst wur­de das Kandidatenturnier danach - insbesondere auf öffentlichen Druck Fi­schers - abgeschafft. Timman erhellt die Zusammenhänge und Hintergründe des Netzwerks Petrosjan-Geller-Keres, bei des­sen "Klüngeleien" nicht nur der Amerika­ner sondern auch Kortchnoi und der gesund­heitlich angeschlagene Tal auf der Strecke blieben. Spezifische Aspekte des Turnier­rhythmus, der Unterstützung durch das Umfeld (beim Sieger Petrosjan insbesondere durch seine allgegenwärtige Frau Ro\'f1a) und durch den Tabellenstand motivierte Züge lassen sich eben nur in der Gesamtschau er­schließen.

Daneben nimmt Timman das Treffen der Hochkaräter auch aus dem Blickwinkel der Entwicklung der Eröffnungstheorie unter die Lupe. Ein anschauliches Beispiel für die re­lative Langsamkeit der Entdeckungen im Zeitalter ohne Computer bietet die folgen­de sizilianische Variante: 1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 g6 5. Sc3 Lg7 6. Le3 Sf6 7. Lc4 Sa5 8. Le2 Diesen harmlosen Rück­zug spielte Keres gegen Benkö in Curaçao, wie schon Bobby Fischer in Bled 1961 ge­gen Bertok und auch Leonid Stein (gegen Zaistew) bei der auf Curaçao nachfolgenden UdSSR-Meisterschaft. Doch erst Boris Ivkov fand bei der Olympiade in Warna 1962 die richtige Lösung: 8. Lxf7+! Kxf7 9. e5 d5 (oder9. ...Sg8 10. Se6!, was bei Springer­rückzug nach e8 gleichfalls tödlich ist) 10. exf6 Lxf6 11. Df3 Sc6 12.0-0-0 e6 13. The1 mit starkem Angriff für Weiß. Auch in Sachen Mittelspiel weiß Timman den Spagat zwischen zeitgenössischen Ana­lysen und neuem, computerassistiertem Fa­zit zu meistern. Ein Spotlight verdeutlicht dies beispielhaft:

Französisch C 13 M. Tal - P. Benkö

Kandidatenturnier Curaçao 1962 Analyseauszug von Jan Timman 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 dxe4 5. Sxe4 Sbd7 6. Sxf6+ Sxf6 7. Sf3 c5 8. Lc4 cxd4 9. 0-0 Le7 10. De2 h6 11. Lf4 0-0 12. Tad1 Ld7 13. Txd4 Db6 14. Td3 LbS 15. Lxb5 Dxb5 16. Se5 Dxb2 17. Tg3 Tfe8 18. Lxh6 Lf8 19. De3 Dxc2 20. Te1 Tc7 21. h3 "Für den Augenblick hat Schwarz alle Drohungen abgewendet und Weiß spielt ei­nen ruhigen Zug. um seinem König ein Luftloch zu schaffen. Im praktischen Spiel sind sol­che Momente für den Verteidi­ger besonders gefährlich. Wenn es scheint, als sei man aus dem Gröbsten raus, passiert schnell mal ein Fehler. Und genau dies geschieht hier. Mit dem stillen Bauernzug stellt Weiß eine Drohung auf (Nehmen auf g7). Das sofortige Schlagen auf g7 wäre längst nicht so wirksam gewesen. Nach 21. Lxg7 Lxg7 22. Txg7+ Kxg7 23. Dg5+ Kf8 24. Dxf6 gibt es folgende Mög­lichkeiten:

A) 24. .. .Dd2? Diesen Zug be­zeichnete ich in New in Chess Nr. 4/2004 als logisch, aber ich hätte besser zuerst den Computer befragt, der eine Wider­legung zeigt, die elegant und forciert ist. Weiß setzt Matt durch 25. Sg6+ Ke8 26. Txe6+! fxe6 27. Df8+ Kd7 28. Se5 matt. Ein sauberes Matt!

B) 24. .. .Tac8 25. h3 führt zur Textpartie.

C) 24. ...Df5 25. Dh6+ Kg8! Die richtige Fortsetzung. Schwarz nutzt den Um­stand, dass der weiße Turm noch nicht eingreifen kann. Es sieht so aus, als ob Weiß keine ausreichende Kompensation erhält nach z. B. 26. h3 f6 27. Sg4 Tf8 28. De3 Dg5 29. Dxe6+ Kh7 und die Initiative verflüchtigt sich."

21. ...Tac8 22. Lxg7 Lxg7 23.Txg7+ Kxg7 24. Dg5+ Kf8 25. Dxf6 Dh7 26. Te3 DfS 27. Dh8+ Ke7 28. Dh4+ Df6 29. Db4+ Ke8 30. Db5+ Kf8 31. TO Dd8 32. Db4+ Ke8 33. Tg3 1:0

In Sachen Endspiel gibt es u. a. aus der Ka­tegorie "Guter Springer gegen schlechter Läufer" anhand der Partie Benkö-Kortchnoi ein umfangreiches Highlight. Endspiel­freunde, die bereits Timmans "Power Chess with Pieces" genossen haben, wird dieser "Nachschub" freuen. Unter dem Strich bleibt eine lohnenswerte Neuinterpretation von Bekanntem - geeignet sowohl einfach zum Genießen als auch zum Lernen: Timman haucht auf instruktive Art einem bedeuten­den Herzschlag der Schachgeschichte neues Leben ein - vie­le unbekannte Fotos aus den Archiven der Organisatoren gibt es obendrein!

H. Fietz, Schachmagazin 64 15/2005

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In der Zeit nach dem zweiten Welt­krieg war die Durchführung von Weltmeisterschaften im Schach klar geregelt. Der Herausforderer des am­tierenden Weltmeisters wurde in ei­nem Kandidatenturnier ermittelt, für das sich die stärksten Spieler qualifi­ziert hatten.

Die Schachwelt verdankt dieser Re­gelung bedeutende Turniere: Budapest 1950, Zürich 1953, Amsterdam 1956, Bled-Zagreb-Belgrad 1959 und schließlich Curacao 1962. Startberechtigt in Curacao waren Benkö, Filip, Fischer, Geller, Keres, Kortschnoj, Petrosjan und Tal. Aus damaliger aber auch aus heutiger Sicht waren die interessantesten Teilnehmer Fischer und Tal. Es siegte jedoch Petrosjan, der dann ein Jahr später im Wettkampf gegen Botwinnik Weltmeister wurde.

Jeder spielte gegen jeden vier Partien, es waren also 28 Runden zu absolvieren. Das Turnier brachte natürlich Schach auf höchstem Niveau, hatte aber leider einige sehr unerfreuliche Begleitumstände.

Nach 21 Runden trat Tal wegen Krankheit zurück. Geller, Keres und Petrosjan spielten untereinander nur kräftesparende Kurzremisen. Fischer beschuldigte die Spieler der Sowjetu­nion der Zusammenarbeit.

Curacao wurde so zum letzten Kan­didatenturnier. Um Manipulationen zu verhindern, traten die Spieler von nun an in Zweikämpfen im K.O.­System gegeneinander an.

Jan Timman, der Herausgeber der Zeitschrift New In Chess und Verfas­ser vieler ausgezeichneter Bücher, hat nun ein Buch über dieses besondere Turnier geschrieben und damit eine Lücke in der Schachliteratur ge­schlossen.

Von den 105 Partien hat er 43 ausführlich analysiert. Das Buch enthält viele Photos, Diagramme, Ta­bellen und Hintergrundberichte. Der Name des Verfassers bürgt für Qualität. Wir können das Buch allen fortgeschrittenen Schachfreunden mit englischen Sprachkenntnissen emp­fehlen.

SchachMarkt 1/2006

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