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Article Number
LXKASMGV7K

Meine großen Vorkämpfer Band 7 (pb)

Attributes

496 pages, paperback, Olms, 2021

From the series »Meine großen Vorkämpfer«

€25.00
Incl. Tax, excl. Shipping Cost

Der siebte Band, der dem zwölften Weltmeister Anatoli Karpow und seinem historischen Gegner Viktor Kortschnoi gewidmet ist, bildet den krönenden Abschluss des Jahrhundertwerkes von Garri Kasparow "Meine großen Vorkämpfer ... “

Der 13. Champion der Schachgeschichte untersucht dabei gründlich die einzigartigen Qualitäten seines Vorgängers, der die Schachkrone von 1975– 1985 trug und fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Schachwelt oder nur einen Schritt davon entfernt stand.

Einen enormen Beitrag zur Entwicklung des Königlichen Spiels hat auch Viktor Kortschnoi geleistet, dessen dramatische Schlachten mit Karpow, insbesondere das Match in Baguio 1978, im wahrsten Sinn des Wortes Schachgeschichte schrieben.

More Information
Weight 650 g
Manufacturer Olms
Width 17 cm
Height 24 cm
Medium Book
Year of Publication 2021
Author Garri Kasparow
Series Meine großen Vorkämpfer
ISBN-13 978-3-283-01039-3
Pages 496
Binding paperback

007 Das Schachleben nach Fischer (Vorwort)

010 Viktor der Schreckliche

011 Der Marathonläufer

011 Ein Kind der Leningrader Blockade

031 Das erste Gold

046 Drama auf Curacao

056 Eine Eröffnung für die Ewigkeit

069 Scheveninger Erfahrungen

082 Vor und nach der Flucht

098 Evian

110 Belgrader Rache

121 Baguio aus Kortschnois Sicht

160 Die letzte Schlacht um den Thron

177 Abschied von einem Traum

189 Gegen die Königsindische Verteidigung

200 Der strenge Examinator

211 An der Schwelle zur Jahrhundertwende

224 Anatoli der Zwölfte

224 Ein gottgegebenes Talent

226"Ein ernsthafter Junge!"

237"Das ist nicht mein Zyklus"

247 Duell der Debütanten

263 Sprung ins Ungewisse

294 Die Krönung

311 Der spielende Weltmeister

327 Baguio mit Karpows Augen

353"Sternenspiele"

375"Es gibt keine leichten Matches"

390 Wer ist der Nächste?

407 Das Superfinale

418 Wer zwei Hasen jagt

429 Absturz in eine Schaffenskrise

437 Der "Anti"-Dameninder

444 Grünfeld-Indisch im Würgegriff

453"Das Turnier seines Lebens"

465 König der FIDE

481Epilog (Raymund Stolze)

483 Gesamt-Partienverzeichnis

486 Gesamt-Eröffnungsregister

488 Bibliographie

488 Russisch-sprachige Literaturangaben

493 Nicht-russische Literaturquellen

495 Zeichenerklärungen

Rezensionen der (gebundenen) Originalausgabe:

Der Abschlussband der deutschen Vorgän­ger-Reihe widmet 210 Seiten Viktor Kortschnoi und den Rest der knapp 500 Seiten Anatoli Karpow. Warum aber einen Wälzer über zwei Spieler kaufen, die selbst viel über ihre Partien publiziert haben und über die durch Dritte Monografien oder Spezialuntersuchungen vorliegen? Die Partieauswahl bringt bei Kortschnoi manche weniger po­puläre Partie, doch bei Karpow sind es seine zigfach demonstrierten Glanzlichter. Für den Leser im Westen liegt der Wert der Zusam­menstellung anderswo. Durch die gesamte Zeitreise zieht sich eine Mentalitätengeschich­te der Sowjetzeit und der schachpolitischen Ränke seit dem zweiten Weltkrieg. Überreich spiegeln lange Zitate aus russischen Zeitungen, Dokumenten und Statements den Zeitgeist und die verschiedenen Spielerlager wider. Subjektiv gefärbte O-Töne machen klar, wo Freund und Feind stehen, und Kasparows Einschätzungen ketten alles zusammen.

Bei seinen schachlichen Bewertungen verteilt der 13. Weltmeister Lob und Tadel und fügt manche Stichelei ein. Dabei sind einige Schwerpunkte eine Entdeckung wert, z. B. der Fokus auf den oft vernachlässigten Beitrag Kortschnois zur Sizilianischen Ver­teidigung (speziell dem Scheveninger Auf­bau) oder ein Extra-Abschnitt, wie Kortschnoi mit Weiß Königsindisch, das er nie für ganz vollwertig hielt, zerpflückt. Die Rolle der Vorbereitung wird ausführlich anhand des Matchs von Baguio 1978 beleuchtet, wobei vor allem Karpows Sekundant Igor Saizew zu Wort kommt. Für jüngere Leser sollte insbesondere das Durchmessen der dramatischen Kandidaten- und WM-Kämp­fe 1973-1981 in der krimiartigen Darstellung spannend sein, denn diese Titanenkämpfe gehören wegen ihrer psychologischen Viel­falt in Mittel- und Endspielen zum Grund­stock jeder Schachausbildung!

Kasparows Sympathie tendiert eher zu Kortschnoi, dessen schöpferische Langle­bigkeit er herausstellt: "Diese Leistungen haben frühere Eindrücke über das optimale Schachalter weitgehend zunichte gemacht." (S. 97). Karpows Schaffen verdient auch aus des Erzrivalen Sicht Hochachtung, aber Kasparow, der seine eigenen Kämpfe gegen Karpow in einem kommenden Extraband separat untersuchen wird, kann sich durch­weg Mäkeleien nicht verkneifen und streicht Karpows Sonderstellung in der sowjetischen Spielerhierarchie heraus: "... er nutzte wäh­rend seiner langen Zeit als Weltmeister die Dienste fast aller führenden Großmeister des Landes, was für ihn ein starkes Doping beim Aneignen der Theorie war."

In der Gesamtbilanz der Karriere Karpows muss aber selbst Kasparow den Hut ziehen: "Anatoli Karpow ist einer der größ­ten, Epoche machenden Schachspieler Ende des 20. Jahrhunderts. Sein Beitrag zum Ver­ständnis der Feinheiten des alten Spiels ist wirklich unschätzbar." (S. 479)

Kasparow gelingt das Vorhaben, die Stär­ken und Schwächen seiner Vorgänger zu identifizieren und legt dabei einen Maßstab der Schachtiefenanalyse an, der den Band nicht nur zum fesselnden Lesestoff macht, sondern viele Beispiele als Fundus für Trai­ning präsentiert und exemplarisch gründ­liches Herangehen an Schachstellungen aufzeigt.

Mit freundlicher Genehmigung

Harald Fietz, Schach Magazin 64 6/2008


Nun schließt Garri Kasparow den Kreis. In Band 7 stellt er den zwölf­ten Weltmeister vor, den letzten, be­vor er sich die Krone selbst aufsetz­te. Anatoli Jewgenjewitsch Karpow (geb. 1951) muss sich die knapp 500 Seiten aber teilen - mit dem einzigen in der Schachgeschichte, der dreimal erfolglos um den WM-Titel kämpf­te: Viktor Lwowitsch Kortschnoi (geb. 1931). Über ihn schreibt Kas­parow auf den ersten 223 Seiten. "Viktor der Schreckliche", so die Kapitelüberschrift, bekam damit mehr Platz eingeräumt als jeder an­dere Nicht-Weltmeister in den 6 Bänden zuvor.

In der Einführung unterstreicht Kas­parow nochmals seine schon im Band über Fischer geäußerte These, "[...] dass Karpow in einem Match gegen den Amerikaner reelle Chan­cen besessen hätte, und dass sich der amerikanische Champion deshalb weigerte, seinen Titel zu verteidigen, weil er Angst hatte, gegen einen un­bekannten Gegner zu verlieren - den Anführer einer neuen Generation, einen starken Profi, der sich die Lehren seiner Vorgänger bis in Kleinste angeeignet hatte." Dann macht der Autor sich Gedanken über Intuition im Schach. Entsprechend unterscheidet er die großen Meister in solche mit vergleichsweise schwach ausgeprägter Intuition Steinitz, Botwinnik, Euwe, Fi­scher), solche mit großer bis phäno­menaler strategischer Intuition (Capablanca, Petrosjan, Spasski, Kar­pow) und in Spieler mit spezifischer Intuition besonders in scharfen, un­ausgeglichenen Stellungen (u. a. Lasker, Aljechin, Tal, Kasparow). Die Einteilung sei das Ergebnis ver­gleichender Partieanalysen. Neben­bei mäkelt der Autor "Übrigens habe ich bei der Computeranalyse der al­ten Partien entdeckt, dass viele der intuitiven Entscheidungen der Klas­siker korrekt waren, und dass in spä­teren Analysen [dieser Partien] weit­aus mehr Fehler gemacht worden sind."

Die Kapitel über Kortschnoi und Karpow sind Biographie und schachliche Analyse zugleich. Kas­parow beginnt mit Viktors tragischer Kindheit in Leningrad: die Stadt wurde von den Deutschen zweiein­halb Jahre belagert, alle Angehörigen verhungerten. Nach dem Krieg steigt der hochbegabte wie zielstrebige Viktor auf in der schachlichen Nomenklatura der Sowjetunion. Mit 25 Jahren Großmeister, 4-maliger UdSSR-Meister. Kortschnoi kämpft 1974 in Moskau (Kandidatenfinale), 1978 in Baguio und 1981 in Meran um die Weltmeisterschaft. Immer gegen KarpowT und immer scheitert er. Kasparow illustriert Kortschnois Karriere mit 49 (Gewinn-)Partien, auf Besonderheiten, zum Beispiel dessen Erfolg gegen die Königsindi­sche Verteidigung, geht er besonders ein.

Anatoli Karpows schachlichen Weg unterteilt Kasparow in vier Etappen:

1) Die Zeit des kometenhaften Auf­stiegs (1968-75) mit der Herausbil­dung sines eigenen Stils. Karpows ständiger Trainer GM Semjon Furman spielte dabei eine prägende Rolle. Höhepunkt der Periode ist das Kandidaten-Halbfinalmatch gegen Spasski 1974.

2) Die Jahre als Weltmeister (1975-85). Höhepunkt ist der erste WM-Kampf gegen den jungen Kasparow (1984/85). Karpow geht 5:0 in Füh­rung, ihm fehlt noch ein Sieg. 21 Runden später, es steht 5:3, lässt FI­DE-Chef Campomanes abbrechen. Die Neuansetzung im Herbst 1985 verliert Karpow 11:13.

3) In den Jahren 1986-90 bekommt Karpow "die zweite Luft". Er de­monstriert enormen Siegeswillen, findet die Kraft zum Rückkampf und verliert knapp (11,5:12,5). Dazu GK: "Ich denke, das war unser bes­ter WM-Kampf und einer der besten in der Schachgeschichte."

4) Die Zeit 1991-98, Kasparow hat die FIDE verlassen, krönt Karpow mit seinem siegreichen FIDE-WM-Match 1993 gegen Timman. 1994 spielt er in Linares das "Turnier sei­nes Lebens".

Kasparow kommentiert im Karpow-Kapitel 57 Partien, allerdings keine eigenen. Über die fünf WM-Kämpfe gegen Karpow (144 Partien!) will der Autor separat berichten. Im Buch findet sich nur eine Kasparow-Partie: Garris Niederlage in der 1. Runde im Kandidaten-Halbfinal­match gegen Kortschnoi, London 1983, Es blieb seine einzige Nieder­lage gegen Kortschnoi überhaupt.

Zum Besten auf den 500 Seiten ge­hört Kasparows Bericht über die Weltmeisterschaft 1978 in Baguio auf den Philippinen. Der Kampf wurde verbittert geführt, auch mit extremen Mitteln: von bizarr bis Psychoterror, mit Röntgen-Untersuchung von Kortschnois Stuhl wie bei Fischer - Spassky 1972, mit dem Hypnotiseur Dr. Suchar als "Gedankenstörer", mit verdächtigen Milch­produkten ("Joghurtbecher-Affäre") und verweigertem Handschlag. Kasparow will neutral bleiben, er beleuchtet Baguio aus Sicht von Kortschnoi (38 Seiten) und aus Kar­pows Blickwinkel (27 Seiten). Ba­guio ist aber auch schachlich spekta­kulär. Der 20 Jahre jüngere Karpow benötigt 6 Siege zur Titelverteidi­gung, nach 27 Runden geht er 5:2 in Führung. Jetzt bäumt sich Kort­schnoi auf, holt 3 Siegpunkte aus den folgenden 4 Partien und gleicht aus. Die nächste Runde verliert er aber, Karpow bleibt mit 6:5 Welt­meister, bei 21 Remisen. Wenn Baguio ein Höhepunkt im Buch ist, dann ist die 31. Partie der Höhepunkt von Baguio, zumindest aus Viktor Kortschnois Sicht. Er analysierte die Partie in Praxis des Turmendspiels (Olms 1995) 23 Sei­ten lang, beginnend mit 47.f5, und kommt zum Fazit: "Der weiße Vor­teil reicht nicht aus, um die Partie zu gewinnen." (S.63).

Auch Kasparow setzt beim 47. Zug mit tiefer Analyse ein, schreibt 8 Seiten. Zur Debatte steht ein End­spiel mit Turm und 6 Bauern für je­de Farbe. Im Gegensatz zu Kortschnoi zeigt er, dass Weiß mit 49. Te6! gewinnen konnte, statt des ,,drittklassigen 49.Kc3?!". Bei Er­reichen der zweiten Zeitkontrolle beging Karpow den intuitiven Fehler 57.a5? und verlor nach 71 Zügen. Kortschnoi zog mit dem Weltmeister gleich.

Autor Kasparow lässt den Leser im Band 7 wieder an großen schachhis­torischen Momenten teilhaben. Ver­glichen mit den früheren Bänden bringt er jetzt noch mehr Hinter­grundberichte und ausführliche Stel­lungnahmen von Beteiligten. Kom­mentiert werden die Partien gewohnt tief und doch gut verständlich. Im­mer wieder weist der Autor auf kriti­sche Stellen hin, die vor ihm man­gelhaft analysiert oder sogar miss­verstanden wurden.

Kasparows Mischung aus schachli­chem Urteil und psychologischer Einschätzung, er kennt die meisten der erwähnten Spieler persönlich, ist gut gelungen. Das Buch liest sich spannend. Und die Fülle an Zitaten, auch zwischen den Zügen, macht das Nachspielen der wortreich kom­mentierten Partien zur aufregenden Sache. Zum Beispiel Polugajewski -Karpow, Moskau 1974 (WM-Kandi­datenmatch, Viertelfinale, 5.Partie):

Karpow hatte 28..Se8 gezogen. Mi­chail Tal kommt in den Saal und er­innert sich später:

Das erste, was mir ins Auge fiel (die Position hatte ich noch nicht gese­hen), war: Karpow durchschreitet die Bühne mit ruhigen Schritten von einem Ende zum anderen. Sein Geg­ner sitzt da, stützt den Kopf auf die Arme, und man fühlte einfach phy­sisch, dass es ihm schlecht geht. Klar, dachte ich, um Polugajewski ist es nicht gut bestellt. Aber das Demonstrationsbrett zeigte dies überhaupt nicht! Er hat eine ganze Qualität mehr - von.solchen Stellun­gen wird gewöhnlich gesagt: Der Rest ist Sache der Technik. Wer weiß, vielleicht hat die Gelassenheit Karpows, seine Gewohnheit, auch in verzweifelten Situationen die Ruhe zu bewahren, den Partner ange­steckt und bei Polugajewski eine steigende Nervosität hervorgerufen.

Nach Tal kommentiert auch Karpow die Szene - sehr interessant! Der Le­ser ahnt schon, was kommt: Poluga­jewski wird, trotz besserer Stellung, wieder nicht gewinnen. Er wird wei­ter ohne Sieg bleiben und ein paar Runden später scheitern.

Alle Partien der 7-bändigen Reihe wurden fortlaufend nummeriert, die letzte ist Nr. 595 (Anand - Karpow, FIDE-WM Lausanne 1998, 4. Run­de, 0:1). Das dicke Buch schließt mit Meinungen früherer Weltmeister über Karpow, dann lässt Olms-Lektor Raymund Stolze die Vorkämpfer-Chronik mit einem Epilog ausklingen. Namens- und Eröffnungsregister helfen beim Suchen in den 595 Partien, die Bibliographie umfasst 7 Seiten.

FAZIT

Garri Kasparow bietet sehr gut kom­mentierte Partien: tiefschürfend, und dank der klaren Sprache auch für weniger kundige Schachfreunde ver­ständlich. Die Berichte zu den Par­tien würzt er mit vielen Zitaten von Spielern, Betreuern und Augenzeu­gen. So wirken die Ereignisse auf den Brettern und hinter den Vorhän­gen faszinierend lebendig und au­thentisch. Der Leser bekommt nicht nur exquisiten Schachunterricht - in manchen Kapiteln geht es zu wie im Krimi, dann wieder schräge Klamot­te, Tragödie sowieso. Das Schmö­kern in dem Buch macht Spaß! Band 7 ist der beste Band der Reihe.

Mit freundlicher Genehmigung

Dr. Erik Rausch, Rochade Europa 2/2008


Nun also ist Garri Kasparows "My Great Predecessors, Karpow“ im Olms Verlag auch auf Deutsch erschienen. Dieser Band bildet den Abschluss eines Mammutprojektes über sämtliche Schachweltmeister, mit Ausnahme von Kasparow selbst. Kasparow hat aber schon angekündigt, noch einen Band über die WM-Kämpfe Kasparow-Karpow und eventuell eine Biographie über sich selbst zu verfassen. Kommen wir aber nun zum vorliegenden Band in dem Kasparow ausführlich über Leben und Wirken seines Vorgängers Anatoli Karpow und dessen ersten ewigen Widersacher, Viktor Kortschnoi, schreibt.

Das Buch ist mit 495 Seiten ein richtig dicker Wälzer geworden, hiervon entfallen auf Viktor Kortschnoi ca. 200 Seiten, auf Karpow ca.270 Seiten, insgesamt analysiert Kasparow 106 ausgewählte Partien der beiden. Als Beigabe enthält das Buch eine CD-Rom mit allen Partien von Karpow und Kortschnoi (7764 Partien).

Ein vorbildhaftes Personen-, Partien- und Eröffnungsregister am Ende des Buches hilft beim schnellen Auffinden von Informationen.

17.Oktober 1978, Baguio City, Philippinen. Der Schachweltmeisterschaftskampf Karpow gegen Kortschnoi geht in die 32.Runde, der Weltmeister ist im Zugzwang. Sein Herausforderer hat sensationell von einem hoffnungslosen 2:5 Rückstand zum 5:5 ausgeglichen. Die Schachwelt erwartet in Kürze einen neuen Weltmeister...

Ganz so dramatisch wurde die Partie aber dann doch nicht, scheinbar mühelos bezwingt Karpow seinen Gegner und bleibt Weltmeister...

Spätere Analysen zur 32.Partie beschreiben den Sieg als von Karpow "glasklar“ und "mühelos“ vorgetragen, Kortschnoi hatte mit 6...c5 in der Pirc-Verteidigung scheinbar früh den rechten Weg verlassen und Karpow nutze diese Gelegenheit um eine Musterpartie vorzutragen, beinahe wäre man geneigt zu sagen, ab dem sechsten Zug war alles nur noch eine Sache der Technik.

Als ich die Analysen Kasparows zu dieser Partie las, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich konnte nicht glauben, dass unsere hochtechnisierte Schachwelt fast 30 Jahre warten musste, um die Wahrheit über eine der wichtigsten Partien der Schachgeschichte zu erfahren! Ich blätterte zahlreiche alte Bücher über den WM-Kampf 78 durch und verglich sie mit den Analysen Kasparows. Und tatsächlich, "...wurde die 32.Partie überraschend oberflächlich und einseitig in der Presse dargestellt. Offenbar gab es eine Beeinflussung durch die große politische Bedeutung ihres Resultats, die außerordentliche nervöse Situation im Match sowie die äußerste Ermüdung aller Teilnehmer dieser Ereignisse, einschließlich der Kommentatoren“ (Kasparow). Ich will den Lesern nicht die Spannung nehmen, als Beispiel sei der 27. schwarze Zug Ta7? genannt, Schwarz konnte sich mit 27...Ta5! (danach folgt eine längere Analyse Kasparows) sehr wahrscheinlich halten! Dieser Zug wurde bisher nie irgendwo genannt...

Ein anderes höchst bemerkenswertes Kapitel schlägt Kasparow eine Partie vor der 32.Matchpartie auf. Das legendäre Turmendspiel in der 31.Partie gilt als eines der kompliziertesten der Schachgeschichte, alleine Viktor Kortschnoi hatte es in einem Buch ausgiebig (21 Seiten!!) analysiert, Kasparow nimmt es erneut unter die Lupe und kommt zu einem anderen Ergebnis als Kortschnoi einige Jahre zuvor! Höchst lehrreich und unterhaltsam, einer der absoluten Highlights des Buches!

Daneben gibt es aber auch Partien, in denen der Leser nichts Neues erfährt, so zum Beispiel die Partie Karpov-Timman, Montreal 1979 (1-0 im 38.Zug). Laut Kasparow ist diese Partie “eine wahre Hymne auf die Prophylaxe“, auch sonst ist er mit seinem Vorgänger meist überraschend nachsichtig und lobt ihn teilweise sogar, wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht? Zur Karpov-Timman Partie hätte ich mir gewünscht, Kasparow würde auch diese Partie, ähnlich der 32.WM Partie in Baguio, entglorifizieren. Oberflächlich lässt sich diese Partie wunderbar kommentieren unter dem Gesichtspunkt der Prophylaxe, doch wer genauer hinsieht, entdeckt einige Merkwürdigkeiten. Der hochgelobte 22.Zug Dc2! wird allgemein als bester Zug der gesamten Partie betrachtet (unter anderem von Kasparow und Dworetzkj), doch wieso geht keiner der Kommentatoren auf 22.Sxc6! ein? Oder wieso wird der Zug 24.Lf2! hervorgehoben aber gleichzeitig spricht keiner über den noch stärkeren Zug 24.g5! (?).

Interessant sind die zahlreichen Anekdoten und Zitate der unmittelbar Beteiligten, Trainer, Sekundanten und Freunde. So erfährt der Leser so manches was bisher noch nicht bekannt war, unter anderem erzählen langjährige Wegbegleiter Karpows über Trainingszusammenkünfte und deren genauer Ablauf sowie die Begleitumstände zu den beiden WM-Kämpfen in Baguio 1978 und Meran 1981. So erzählt beispielsweise Alexander Roschal exklusiv für dieses Buch über den Psychologen Suchar: "Kortschnoi hat sich immer durch Argwohn ausgezeichnet, er glaubte an die Parapsychologie und allerlei Mystik. In Baguio hat sich Kortschnoi von Anfang an beschwert, selbst als Suchar noch gar nicht aufgetaucht war:“ Sie haben einen geheimen Psychologen mitgebracht!“ Wahrscheinlich hat er sich an Suchar vom Moskauer Match her erinnert. Kurz gesagt, sobald Kortschnoi erkennen ließ, dass er Hypnose fürchtete, wurde dies sofort ausgenutzt. Wir wussten, dass Suchar kein Hypnotiseur war, aber da es der Gegner wollte, taten wir so. Der Doktor, der von seiner Rolle fasziniert war, hielt sich bald fast für den Haupthelden des Kampfes“. Und weiter: "Während einer der längeren Auszeiten wurden wir zu einem weiteren Empfang eingeladen und der örtliche Moderator erklärte: “Die Mannschaft Anatoli Karpows ist bei uns zu Gast. Zusammen mit ihm ist anwesend der berühmte ... “ Sicherlich wollte er den auf den Philippinen berühmte Tal nennen. Aber plötzlich, ohne ihn aussprechen zu lassen, erhob sich Suchar und verbeugte sich.

Kasparow unternahm den Versuch, das Leben und Wirken dieser beiden Schachgroßmeister eingehend zu untersuchen und deren Wesensart und ihre besonderen Eigenarten im Spiel zu durchleuchten. Dies gelingt nur teilweise, zu Komplex sind die beiden K´s in ihren Charakteren und in ihrem Spiel. Um einen Karpow oder Kortschnoi und deren Spiel zu verstehen, bedarf es wahrscheinlich mehrere solcher Bände.

Trotz allem sind die Erzählungen und Berichte der Geschehnisse rund um Karpow und Kortschnoi äußerst lesenswert und unterhaltsam. Kasparow wäre nicht Kasparow, würde er nicht doch eine kleine Gelegenheit nutzen, um seinen Vorgänger eins auszuwischen: Linares 1994 wurde zum größten Triumph Karpows (11/13), Kasparow stellt die These auf, alle Gegner Karpows hätten jeweils bevor sie gegen Karpow spielen mussten, gegen Kasparow gespielt und waren dementsprechend geschwächt...Das ist aber der einzige Seitenhieb auf seinen langjährigen Gegner, ansonsten hebt er Karpow schachhistorisch sogar über Bobby Fischer! Kasparow ist der Meinung, Karpow hätte Fischer in einem Match wahrscheinlich bezwungen und belegt dies mit diskussionswürdigen Theorien die bei mir persönlich etwas Magenschmerzen verursachen. Die logische Schlussfolgerung kann sich der Leser selbst zusammenreimen: Fischer ist der Größte, Karpow würde ihn 1975 schlagen und ist folglich noch größer, Kasparow schlägt im Zeitraum1984-1990 Karpow und ist der Größte von allen...

Wie ist dieses Werk einzuschätzen?

Nun, die zahlreichen Erzählungen und Berichte bilden eigentlich nur den Rahmen für den eigentlichen Hauptteil des Buches, die Analysen Kasparows. Diese Analysen zählen für mich zum Besten was es bisher überhaupt im Bereich der Schachliteratur gegeben hat. Kasparow fand in alten wohlbekannten Partien völlig neue Wege und zeigt teilweise den wahren Kern der Partie. Ich habe zum Beispiel schon einige Biographien und kommentierte Partiensammlungen von Karpow und Kortschnoi gelesen aber keine von ihnen hatte diese Tiefe und Genauigkeit von Kasparows Werk. Somit dürfte dieses Buch nicht hoch genug einzuschätzen sein und ich stelle es auf eine Stufe mit Fischers "My 60 Memorable Games“ oder Bronsteins "Sternstunden des Schachs. Zürich 1953“.

Mit freundlicher Genehmigung

Martin Rieger, www.freechess.info

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