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Art.-No.: LXKASSUDKZLK
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Strategie und die Kunst zu leben (kart.)

392 pages, paperback, Piper, 1. edition 2008.

€12.95
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"Ich konnte Schach spielen, bevor ich eine Ahnung vom Leben hatte. Als ich dann mit den Tücken des Daseins konfrontiert wurde, gab es keine Situation, die ich nicht vom Schach her kannte." Das sagt Garri Kasparow, der wohl beste Schach­spieler aller Zeiten. Er war von 1985 bis 2000 Weltmeister, begann schon mit sechs Jahren in der Küche der Eltern Schach zu spielen. Dann folgte eine beispiellose Karriere. Kasparows Spiel galt immer als besonders kreativ, angriffslustig und risikofreudig, er ist berühmt dafür, daß er schwierige Situationen durch glänzende Analysen und temporeiche Züge meistern konnte. Wie keiner weiß der charisma­tische Russe, zur Zeit als herausragende Figur der russischen Oppositionsbewe­gung in allen Medien, wie man einen Vorteil nutzt, sich offensiv verteidigt, den richtigen Moment erkennt. Kasparows strategisches Wissen zeigt, wie wir zu Siegern werden können.

Details
Language German
Author Kasparow, Garri
Publisher Piper
Edition 1.
Medium Book
Weight 320 g
Width 12 cm
Height 19 cm
Pages 392
ISBN-13 9783492252768
Year of Publication 2008
Binding paperback
Contents

011Einleitung

011 Das Geheimnis des Erfolgs

013 Eine geistige Landkarte

Teil I Der Weg zum Erfolg

019 Kapitel 1Die Lektion

019 Mein Gegner - mein Lehrer

022 Entscheidungsprozesse bewußt machen

023 Anatoli Jewgenjewitsch Karpow: Der Gegner, der mein Leben prägte

025 Kapitel 2Das Leben als Schachimitation

025 Schach in Hollywood

028 Tragische Fälle im wahren Leben

029 Die Entwicklung des Schachspiels

031 Sport, Kunst oder Wissenschaft? Sport, Kunst UND Wissenschaft!

033 Mehr als eine Metapher

035 Michail Moissejewitsch Botwinnik: Der kompromißlose Patriarch

037 Kapitel 3Strategie

037 Erfolg bei jedem Tempo

040 Entscheidungen für die Zukunft trifft man in der Gegenwart

042 Konsequenz und Anpassungsfähigkeit schließen einander nicht aus

044 Spielen wir unser eigenes Spiel

048 Bestimme nicht immer das Schlachtfeld

051 Strategien konsequent und flexibel gestalten

054 Beobachte dein Gegenüber nicht intensiver als dich selbst

056 Die Frage »Warum?« macht aus dem Taktiker einen Strategen

057 Strategien mit Willenskraft umsetzen

060 Strategischer Schlachtplan

062 Kapitel 4Strategie und Taktik

065 Die Taktik muß einer Strategie folgen

066 Ein Beispiel wächst sich aus

069 Der Teufelskreis der Zeitnot

072 Gute Strategien scheitern an schlechter Taktik

074 Paul Morphy, Wilhelm Steinitz: Die Gründerväter

078 Kapitel 5Berechnung

080 Zielgerichtete und disziplinierte Berechnungen

082 Phantasie, Berechnung und meine beste Partie

084 Mensch plus Maschine: ein unschlagbares Gespann

087 Siegbert Tarrasch, Emanuel Lasker: Zwei Rivalen: großartige gegensätzliche Denker

090 Kapitel 6Talent

092 Erkenne wiederkehrende Muster

096 Die Macht der Phantasie

098 Die Phantasie ist Helferin in der Not

100 Die Phantasie ist ständiger Begleiter

101 Was wäre, wenn?

103 Gewohnheiten erkennen und durchbrechen

104 José Raul Capablanca, Alexander Alexandrowitsch Aljechin: Grundverschiedene Genies, die unvergessen bleiben

107 Kapitel 7Vorbereitung

108 Auf das Ergebnis kommt es an

110 Inspiration und Transpiration

112 Vorbereitung zahlt sich aus

113 Vom Spiel zur Wissenschaft

116 Mit Zielen die Leistungsfähigkeit steigern

Teil II Mache das Beste aus deinen Ressourcen

121 Kapitel 8Material, Zeit, Qualität

121 Bewertung geht über Berechnung

122 Das Fundament: Material

125 Zeit ist Geld

127 Zwei glückliche Spieler - haben beide recht?

131 Langfristige und dynamische Faktoren

133 Setze die Elemente in Bewegung

134 Wie wird ein Läufer zum schlechten Läufer?

136 Kompensation und relativer Wert

137 Ambivalente Bewertung

139 Investitionen für persönlichen Erfolg

141 Qualität hängt auch von der Wahrnehmung ab

144 Material - Zeit - Qualität im Alltag

146 Michail Nechemjewitsch Tal: Die Magie des Angriffs

147 Kapitel 9Abtausch und Ungleichgewicht

149 Die Suche nach Kompensation

151 Thermodynamik - Schachspiel - Konkurrenz

152 Strategie auf dem Schlachtfeld der Browser

155 Kein Tausch ist umsonst

156 Den Bogen überspannt

159 Die Wahl des kleineren Übels

163 Tigran Wartanowitscti Petrosjan, Boris Wassiljewitsch Spasski: Völlig unterschiedliche Quellen der Schachweisheit

165 Kapitel 10Innovation

165 Originalität ist harte Arbeit

166 Heben wir unseren Innovationsindex

168 Die Macht des Neuen

170 Die Zähmung eines Tigers

172 Erfolg ist nicht allein Innovation

174 Vom Imitator zum Innovator

176 Innovationen verändern die Welt

178 Die Evolution der Erfindungen

180 Eine neue Generation spornt uns an

182 Computer beeinflussen das Spiel des Menschen

184 Schach als Spiegel der Gesellschaft

187 Keine Furcht vor Veränderung - nur nicht zu schnell

190 Der Mut, loszulassen

191 Sir Winston Churchill

194 Kapltel 11Spielphasen

195 Mit Wissen zur Genauigkeit

198 Produktverbesserung

199 Kunst entsteht aus dem kreativen Konflikt

201 Der gute Frieden nach dem guten Krieg

204 Abneigungen aufspüren und überwinden

205 Das Messer nützt nichts in der Schießerei

207 Robert (Bobby) James Fischer: Genie, Legende und ein trauriges Erbe

210 Kapitel 12Der Entscheidungsprozeß

211 Wie werde ich zum Skeptiker?

213 Der Vorgang ist unabhängig vom Inhalt

215 Wieviel Information ist zuviel?

218 Kandidatenzüge und Entscheidungsbaum

21 Intuition und Instinkt spielen lassen

222 Aaron Nimzowitsch, Sawjelli Grigoriewitsch Tartakower, Richard Réti: Die Hypermodernen eröffnen neue Horizonte

225 Kapitel 13Der Vorteil des Angreifers

227 Das Feuer der Rivalität

228 Die Initiative ergreifen

230 Auf zum Angriff!

232 Die Drohung ist stärker als die Ausführung

233 Ein Wort zur Verteidigung

235 Den Erfolg riskieren

237 "Und keinen Tag soll man verpassen. Das Mögliche soll der Entschluß beherzt sogleich beim Schöpfe fassen."

Teil lIl Strategien auf das Leben übertragen

243 Kapitel 14Die Frage des Erfolgs

243 Erfolg ist der Feind zukünftigen Erfolgs

243 Die Last vergangener Erfolge

246 Taktiken gegen Selbstzufriedenheit

250 Fehler entdecken und beseitigen

254 Wladimir Kramnik: Meine Nemesis

256 Kapitel 15Der Wettkampf im Inneren

256 Die Partie vor dem Spiel gewinnen

257 Der Sturm vor der Ruhe

259 Ernstgenommen werden und sich selbst ernst nehmen

264 Nicht ablenken lassen beim Versuch, andere abzulenken

266 Wichtig ist, Kontrolle zu übernehmen

268 Dem Fluch des Drucks begegnen

269 Auf Messers Schneide objektiv bleiben

271 Unser Bestes zu geben, genügt nicht

273 Thronanwärter und fatale Fehler

277 Die Thronanwärter

281 Kapitel 16Mann, Frau, Maschine

284 Der Unterschied zwischen besser und anders

286 Einen universellen Stil entwickeln

289 Ist Größe angeboren oder anerzogen?

292 Der Auftritt der Maschinen

294 Sind sie unschlagbar, verbünde dich mit ihnen

298 Eine klare Absage an die Bequemlichkeit

302 Computerschach

306 Kapitel 17Immer den Überblick bewahren

306 Betrachten wir das ganze Brett

307 Wie man Verbindungen herstellt

309 Das Für und Wider der Spezialisierung

311 Globales Denken und globaler Krieg

314 Auf dem gesamten Brett spielen

320 Der Kampf im heutigen Rußland

323 Kapitel 18Intuition

323 Wir wissen mehr, als wir verstehen

324 Intuition contra Analyse

328 Wie lang ist lang genug?

330 Einen Trend zu ignorieren, ist gefährlich

332 Kapitel 19Krisen

335 Die Krise von Sevilla - eine Fallstudie

337 Eine Krise vor der Krise aufspüren

339 Strategie für ein Spiel, das gewonnen werden muß

341 Komplexität und Risiken auf unseren Wegen

345 Fehler auf beiden Seiten

349 Aus einer Krise lernen

353 Der Titel gehört mir?!

356 Epilog 1Das Leben - eine veränderbare Landkarte

357 Keine Geheimnisse mehr

359 Epilog 2Eine Strategie für die Demokratie

365Glossar

371Zum Autor

372Personenregister

"Von Kasparow lernen, heißt: Siegen lernen". So wirbt der Piper Verlag für das neueste Buch des Ex Weltmeisters. Wer da ins Schmunzeln kommt, hat wahrscheinlich Erinnerungen an die DDR. Damals hieß es "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen", bis der große Bruder bei Honecker und Ge­nossen durch die Perestroika suspekt wurde.

Kasparow wurde 1987 und 1988 belächelt, als er erklärte, dass der real existierende Sozialismus in den letzten Zügen liege. Das Eintreffen seiner damals gewagten Prognose hat indes seinen Ruf begründet, mehr als ein Schachgenie zu sein. Spätestens, seit er 1990 vom einflussreichen "Wall Street Journal" für eine regelmäßige Kolumne verpflichtet wurde, lebt er in der Überzeugung, dass sein außergewöhnliches Vermögen auf dem Brett ihn auch zu politischen und wirtschaftlichen Einsichten befähigt. Er war bereits ein gefragter Redner, bevor er vor zwei Jahren in Linares seine Profikarriere für beendet erklärte. Seit­dem ist das Vortragsbusiness neben seiner schachpu­blizistischen Manufaktur sein zweites Standbein ge­worden. Dank seiner Bekanntheit kann er Honorare in der Größenordnung von 20.000 Euro aushandeln. An guten Tagen ist Kasparow ein engagierter, char­manter Redner, gelegentlich kann er sogar witzig sein. Um sich zu motivieren, bringe er stets etwas Neues, sagte er mir im vorigen Jahr anlässlich eines Auftritts in Wien: Er sei stolz, dass er keine Rede zweimal halte. Bei einem Nachrichtenjunkie wie ihm kann man sich leicht vorstellen, wie er, kurz bevor er ans Pult tritt, etwas, was er gerade im "Wall Street Journal" gelesen oder auf "CNN" gesehen hat, in sein Manuskript einflicht. Wer ihn abseits eines Schachturniers interviewt hat, weiß aus dem Small­talk, bevor das Tonband läuft, wie sehr ihn aktuelle Ereignisse beschäftigen.

Die Website Kasparovagent.com listet dreizehn ver­schiedene Reden, die er in letzter Zeit gehalten hat. Diese Vorträge waren nicht die einzige, aber die wichtigste Grundlage für "Strategie und die Kunst zu leben". Das Buch, für das er im März mit Auftritten bei der Leipziger Buchmesse und auf der Lit.Cologne warb, behandelt vieles, was Analogien zwischen Schach und den Problemen des Geschäftslebens erlaubt. Eine Eröffnungsneuerung wird mit einem neuen Produkt verglichen, Nimzowitschs "Die Drohung ist stärker als die Ausführung" findet ihr Pendant in der Börsenweisheit, aufgrund von Ge­rüchten zu kaufen und aufgrund von Fak­ten zu verkaufen. Was einem Vortrag Würze geben kann, das Springen zwi­schen verschiedenen Lebensbereichen - in diesem Fall zwischen Schach, Wirt­schaft, Biografie und Politik - wirkt bei der Lektüre aber rasch strapaziert.

Die Ratschläge, die er erteilt, sind von der Art: Talent genügt nicht, wer nach ganz oben will, muss auch härter als die Kon­kurrenten arbeiten. Für diese Lektion hät­ten wir Aljechin, Fischer und Kasparow himself nicht als Vorbilder gebraucht. Ein anderer Rat lautet: Man soll sich selbst dann hinterfragen, wenn es gut läuft. Es ist die bittere Einsicht seines verlorenen WM-Matches gegen Kramnik, der seine Schwäche vor ihm entdeckt hatte. Doch für die meisten von uns klingt es wie ein Luxusproblem. Dass der Angreifer im Vorteil sei, stimmt auf dem Brett aller­dings wesentlich öfter als im Wirtschafts­leben. Anders als seine frühe Autobiografie "Politische Partie" bietet das neue Werk wenig, was provoziert. Den besten Rat des Bandes erhielt Kaspa­row selbst und zwar von Boris Spasski, bevor er gegen Extremverteidiger Tigran Petrosjan antrat: "Pack ihn an den Eiern, aber greif Dir immer nur eins, nie beide auf einmal!" Hier und da fand ich etwas, was ich noch nicht von Kasparow wusste. Etwa, dass er am liebsten Churchill liest. Dass er nicht zeichnen kann. Oder warum er am Brett stets so verbissen auftrat: als Zeichen des Respekts, dem er jedem Gegner zollte.

Wie bei seiner Serie "Meine großen Vorkämpfer" hatte er einen (im Innenteil genau einmal genannten) Schreiber zur Seite. Es ist der New Yorker IT-Berater Michael "Mig" Greenguard, der den wunderbaren Schachblog "Chessninja" verfasst. Frederic Friedel von ChessBase sollte die schlimmsten Hämmer, was das Schachliche betrifft, aus der deutschen Überset­zung tilgen. Zusätzlich wäre allerdings ein Rechercheur anzuraten gewesen, um Kasparows Thesen mit originellerem oder aktuellerem Material aufzufetten. So manches, wofür die Schachgeschichte bemüht wird, hätte ebensogut oder besser anhand des letzten WM-Matches in Elista gezeigt werden können. Was darauf hinweist, dass in gewissem Maße Material aus den "Vorkämpfern" recycelt wurde. Für Kasparows künftige Auftritte stellt "Strategie oder die Kunst zu leben" eine willkommene Ergän­zung auf dem Büchertisch dar. Fans dürfen es sich ins Regal stellen oder anderen zu diesem Zweck schenken. Als Ideensteinbruch für schachbewegte Manager taugt es mangels Sachregister nur bedingt. Von der zusammenhängenden Lektüre ist ohnehin abzuraten.

Mit freundlicher Genehmigung

Stefan Löffler, SCHACH 4/2007

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Garry Kasparow hat schon immer gewusst, was richtig und falsch ist - zumin­dest nach seinem früheren Selbstverständ­nis. Auf dem Brett mit den 64 schwarzen und weißen Feldern traf dies meist zu. Der beste Schachspieler der Welt verfiel dadurch dem Irrglauben, seine Analysekunst gelte für alle Bereiche des Lebens. In dem unter­liefen dem 44-Jährigen aber zu viele Patzer im Vergleich zu seiner Kunst, die kleinen Holzfiguren zu dirigieren. Der neue Buch­titel des Russen, "Strategie und die Kunst zu leben - Von einem Schachgenie lernen", ließ schlimme Plattitüden befürchten. Auch, weil das Werk mit "Von Garry Kasparow lernen heißt: Siegen lernen" beworben wurde. Ab­gesehen davon, dass der alte sowjetische Kommunistenjargon überhaupt nicht zu ihm passt und deshalb kaum von ihm selbst stammen kann, verspricht der schlecht übersetzte US-amerikanische Originaltitel ,.How chess imitates life" dem Käufer deutlich weniger. Ungeachtet des­sen hat der Piper Verlag Kasparows Möchtegern-Ratgeber mit einer äußerst ambitionierten Auflage von 30000 Exemplaren auf den deutschsprachigen Markt geworfen. Mit einer kleinen Werbetour in Zürich, auf der Leipziger Buchmesse, auf der Lit. Cologne und in Berlin samt nachgeholtem ARD-Auftritt bei Quasseltante Sabine Chri­stiansen kurbelte der Werbeprofi in eigener Sache die Nachfrage gekonnt an.

Lohnt die Ausgabe von 19,90 Euro für ein Buch, das bedauerlicherweise in alter deut­scher Rechtschreibung verfasst wurde? Die Kundschaft, die begeistert und die, die ent­täuscht sein wird, ist leicht einzuteilen: Ma­nager lassen besser die Finger davon. Dass Talent allein in ihrem Job nicht reicht und Entscheidungsfreude sowie Logik von ihnen gefordert werden, haben sie vielleicht schon irgendwann mal zuvor mitbekommen. Oder dass eigene Schwachstellen zu erkennen und auszumerzen sind. "Sich seiner selbst bewusst zu sein, ist absolut unerlässlich, wenn man Wissen, Erfahrung und Talent zur best­möglichen Leistung zusammenführen will", heißt es etwa auf Seite 22.

Auf derlei Banales kann selbst der mit oberen Firmenkreisen nicht vertraute Schachfan gut verzichten. Für ihn wird sich, so er Kasparow-Anhänger ist, die Lek­türe dennoch lohnen. Der zwei Jahrzehnte lang dominierende Großmeister verklärt zwar weiter hie und da die Geschichte; beispielsweise bei seinem abgebrochenen ersten WM-Match gegen Anatoli Karpow. Sich selbst erhöht der Autor weiter zum "Rebellen" gegen das System, während sein Widerpart zum "Kollaborateur" degra­diert wurde. Von seiner starken Unterstüt­zung durch die aserbaidschanische KP liest man dagegen nichts auf den zusammen mit seinem US-Hofschreiber Michael "Mig" Greengard verfassten 384 Seiten. Die Ver­klärung und falsche Berichterstattung setzt sich beim Thema Computerschach und Kasparows unrühmlicher Schlappe gegen Deep Blue fort. In solchen Momenten ist auch der Schachbegeisterte geneigt, das Buch für alle Zeiten beiseite zu legen und im Regal vor sich hinstauben zu lassen. Das werden im Übrigen Manager spätestens dann machen, wenn Kasparow unter "Der Teufelskreis der Zeitnot" ab Seite 69 aus­führlich über seine legendäre Partie gegen Veselin Topalov in Wijk aan Zee schreibt. Für Laien sind diese Ausführungen frucht­los und langweilig. Den Schachspieler mag es animieren, das Duell aus der Datenbank zu fischen und nochmals Revue passieren zu lassen.

Wer trotz der Allgemeinplazets zu den Manager-Erfordernissen durchhält, wird mit immerhin einigen neuen, interessanten Details aus der Schachszene belohnt. Damit sind nicht die farblich unterlegten Kästen gemeint, in denen Kasparow kurz und prä­gnant das Schaffen der Weltmeister und ei­niger herausragender Protagonisten wie Dr. Siegbert Tarrasch zusammenfasst. Amüsant fällt die Stilbeschreibung von Tigran Petrosjan aus: "Für mich ist Petrosjan ein Held der Untätigkeit", formuliert der 13. Welt­meister der Schachgeschichte und lässt auf der nächsten Seite ein Bonmot von Boris Spasski folgen. Vor einem Duell mit Petro­sjan in Jugoslawien riet ihm der 11. Welt­meister zu "stetigem Druck auf kleiner Flamme. Nie werde ich Spasskis Formu­lierung vergessen: ,Pack ihn an den Eiern, aber greif dir immer nur eins, nie beide auf einmal.'" Gelegentlich erlaubt der 44-Jähri­ge auch private Einblicke zu seinem Sohn und welche Computer-Spiele dieser gegen seinen Herrn Papa bestreitet. Nur wenigen dürfte auch bekannt sein, dass Kasparow die Bücher von Winston Churchill zu "mei­ner absoluten Lieblingslektüre" zählt.

Selbst Karpow und sein WM-Bezwin­ger bekommen, nach früheren Tiraden, nun gelegentlich ein dickes Lob gezollt! Und, man glaubt es bei dem Mann mit dem übergroßen Ego kaum, nach dem Ende sei­ner sportlichen Karriere scheint sich auch bei ihm die Erkenntnis Bahn gebrochen zu haben, dass man als Ausnahmekönner kaum in einem zweiten Metier ähnlich her­ausragend agiert. "Natürlich sagen manche Schachspieler, eine Schachbegabung deute auf große Intelligenz, ja Genie hin. Leider spricht wenig für diese Theorie", räumt das Schach-Genie ein und mit der Verklärung auf, die Großmeister besäßen Hirne mit überwältigenden Speichern. Weitere Sätze wie "Leider stellen wir mit zunehmendem Alter unsere Ressourcen immer seltener auf die Probe und entdecken kei­ne weiteren Begabungen", beweisen zumindest eines: Kasparow selbst hat Nut­zen aus dem Buch gezo­gen und neue Erkenntnisse gewonnen. Mancher Leser kann es ihm vielleicht doch gleichtun.

Mit freundlicher Genehmigung

Hartmut Metz, Schach Magazin 64 5/2007

Strategie und die Kunst zu leben (kart.)

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