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Article Number
LXWALCACP
Author

Chess & Chess Players

385 pages, hardback, Reprint, Caissa 90-Olomouc, 1. edition 2004, original edition 1850

€26.75
Incl. 7% Tax, excl. Shipping Cost
More Information
Weight 670 g
Manufacturer Caissa 90-Olomouc
Width 15 cm
Height 21 cm
Medium Book
Year of Publication 2004
Author George Walker
Language English
Edition 1
ISBN-10 8071894990
Year of Original Version 1850
Pages 385
Binding hardback

001 The Chess Automaton

038 Deschapelles the Chess King

106 Chess without the Chess-Board

148 The Cafe de la Regence

185 Ruy Lopez the Chess Bishop; A Legend of Spain

209 Mated and Checkmated; An Original Sketch

247 A Game of Chess with Napoleon

291 Vincenzo the Venetian

330 The Light an the Lustre of Chess

364 Battles of La Bourdonnais and Mc Donell

Seit knapp ei­nem Jahr veröffentlicht der Tscheche Vlastimil Fiala unveröffentlichtes Schachmaterial aus dem 19. Jh. In dem vorliegenden Buch werden die gesammelten Storys und Theatertexte des Schachjournalisten George Walker veröffentlicht. Diese zehn Geschichten wurden z.T. in Schachzeitungen (z.B. "The Chessplayer") oder anderweitig veröffentlicht und tragen im Einzelnen folgende Titel:

1) Der Schachautomat

2) Deschapelles, der Schachkönig

3) Eine Nacht in Sussex (handelt über das Clubleben in Südengland)

4) Schach ohne Schachbrett (über das Blindspielen)

5) Das "Cafe de La Regence"

6) Ruy Lopez "Der Bischof" (eine spanische Sage)

7) Eine Partie mit Napoleon

8) Vinczeno der "Venizianer"

9) Das Licht und der Glanz beim Schach

10) Der Wettkampf La Bourdonnais und McDonnell

Wie die Auflistung zeigt, handeln die meisten Geschichten von Schachleben und Schachgrößen des 19. Jahrhundert. Es wird also die Zeit vor dem ersten großen internationalen Schachturnier 1851 in London beschrieben, wo das Schachleben sich mehr in Cafes und an öffentlichen Orten wie z.B. in den "Gentleman-Clubs" abspielte. Man erfährt bei den locker geschriebenen Storys viel Wissenswertes aus der britischen und französischen Schachszene. In der Geschichte über Sussex wird ein überaus hartnäckig geführtes Clubmatch - vergleichbar mit den heutigen Mannschaftskämpfen - beschrieben, bei dem die entscheidende Partie am späten Abend wegen "Zeitüberschreitung - damals wurde noch ohne Uhr gespielt - abgebrochen werden musste. Die anschließende Suche der Gastspieler an eine Unterkunft heranzukommen, ist sehr witzig dargestellt.

Der unverhoffte Ausgang dieses Kampfes stellt m.E. ein Highlight in diesem Buch dar.

Interessant ist auch die Darstellung des berühmten Pariser Cafe "de La Regence", in dem die französischen Spieler - welch Wunder - ihr Fett gehörig weg bekommen. Bemerkenswert sind auch die hier geschilderten Prozeduren bei Vorgabepartien. Denn z.B. konnte ein einfacher Schachmeister einem Edelmann nicht ohne weiteres ein Kontra bzw. Rekontra offerieren. Er musste dies je nach Situation entweder über den Diener oder einen anderen kiebitzenden Edelmann annoncieren.

In dem Text überwiegt häufig die mündliche Sprache der Protagonisten und trägt somit trotz der schwer zu lesenden alten englischen Sprache einen lebhaften Charakter. In diesem Zusammenhang ist die Story über den ersten inoffiziellen WM-Wettkampf zwischen Mc Donnell - De La Bourdonnais im Jahr 1834 im Londoner Westminster Chess Club höchst aufschlussreich.

Wie bereits in der Sussexgeschichte geschildert, gab es damals keine Bedenkzeitregelung, da die Schachuhr noch nicht erfunden war. So konnte jeder über seinen Zug nachdenken, so lange er wollte. Auch das Verhalten der Zuschauer war völlig anders als die Meister von heute es gewöhnt sind.

Da es keine Abtrennungsvorrichtungen gab, saßen oder standen die Zuschauer unmittelbar um den Spieltisch herum.

Quasi wie bei einem Boxwettkampf herrschte durch das allgemeine Palaver ein ohrenbetäubender Lärm. Der französische Herausforderer war dies von seinem "Pariser Arbeitsplatz", dem Cafe de la Regence durchaus gewöhnt und ließ sich nicht stören, während es seinen Gegner anscheinend reichlich nervös machte. Der damalige Augenzeuge Walker beschreibt diesen Geräuschpegel u.a. so:

"Ich habe miterlebt, wie einer meiner Landsleute den Clubraum betrat, während die beiden Spieler über einer kniffligen Stellung brüteten. Unser Freund schüttelte zunächst jedem der Meister die Hand; dann schob er sich zwischen sie und betrachtete gemächlich die Stellung, wobei er sich mit beiden Händen(!!) mitten zwischen die Figuren auf das Brett stützte. Schließlich nach etwa einem halben Dutzend Fragen, etwa wie "Ist das Ihre erste Partie heute?" oder "Dieser Turm scheint wohl teuflisch in der Klemme zu stecken!" ... "Bitte wer ist am Zug?" unterließ er sein merkwürdiges Fragespiel, so dass die Meister ihre Partie "in Ruhe" weiterspielen konnten.

(Walker, S. 178 ebenda).

Ganz aufschlussreich fand ich auch die spanische Sage um Ruy Lopez, die jedem Schachfreund im Prinzip als Königin aller Schacheröffnung bekannt sein dürfte. Mit typisch britischen Humor wird hier der Bischof Ruy Lopez - den es wirklich gegeben haben soll - durch den Kakao gezogen z.B. mit witzigen Anleihen zu Don Quichote.

Fazit: Dieses Buch ist auf keinen Fall etwas für den schachinteressierten "Otto Normalverbraucher" (in dem Buch sind gerade mal drei Diagramme und zwei Partiefragmente enthalten, die zudem noch in der alten beschreibenden englischen Notation wiedergegeben sind). Zwar sind die Geschichten größtenteils nett geschrieben, aber vor allem die altenglische Sprache reduziert den potentiellen Interessentenkreis um ein Vielfaches. Für einen entsprechend gewappneten und interessierten Insider bedeutet dieses Werk auf jeden Fall eine große Herausforderung.

Der rührige Herausgeber Fiala hätte meiner Meinung nach gut daran getan, nicht nur das Gesamtwerk gründlich zu redigieren (historisches Material in zwei Buchdeckel gepresst ist eben heutzutage einfach zu anspruchslos), sondern mit einem ausführlichen Vor- und Nachwort auf die Bedeutung dieser alten Schriften hinweisen müssen.

Aus diesem Grund finde ich dieses Werk einfach überteuert.

FM Jürgen Brustkern - Rochade 7/2004

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