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LXHENEZDD

Erst ziehen, dann denken

256 pages, paperback, New in Chess, 1. edition 2014, original edition 2012

€22.80
Incl. Tax, excl. Shipping Cost

Deutsche Edition von Move First, Think Later (4.Druck!)

GEWINNER des Preises der Englische Schachföderation (ECF) für das beste Buch des Jahres

In der Schachlehre wird allgemein behauptet, dass man sich nur auf die Merkmale einer Stellung zu konzentrieren braucht. Bei Beachtung einiger Faustregeln wird man mehr oder weniger automatisch gute Züge produzieren.

So läuft die Sache aber nicht, wie der internationale Meister Willy Hendriks feststellt.

Weder schwache noch starke Spieler schmieden zuerst einen Plan, bevor sie Kandidatenzüge betrachten.

Die Trial-and-Error-Methode ist eine sehr gebräuchliche und in der Tat sehr effektive Weise, den besten Zug zu finden.

Auf seiner Reise in den Schachspielerverstand bedient sich Hendriks jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Funktionieren des Gehirns.

Er wirft einige interessante Fragen auf:

  • Kann jeder (ob talentiert oder nicht) Großmeister werden?

  • Warum klingt der Rat eines Schachtrainers häufig wie ein Horoskop?

  • Kann man starke Züge finden, indem man eine To-do-Liste abarbeitet?

  • Kann man Meisterstärke erreichen, ohne jemals einen Plan ausgearbeitet zu haben?

  • In diesem erfrischenden, unterhaltsamen und äußerst lehrreichen Buch zeigt Willy Hendriks, wie man den Weg zur schachlichen Verbesserung mit wenig Gepäck beschreiten kann!

More Information
Weight 480 g
Manufacturer New in Chess
Width 17 cm
Height 23,5 cm
Medium Book
Year of Publication 2014
Author Willy Hendriks
Language German
Edition 1
ISBN-13 978-9056915490
Year of Original Version 2012
Pages 256
Binding paperback

TABULA RASA

Von Harry Schaack

Schachtraining ist ein weites Feld. Mittlerweile gibt es unzählige Publikationen zu diesem Thema. Viele Autoren versprechen immer neue Wege zum Erfolg durch innovative Denk- und Lernmethoden. Es ist wie die Suche nach dem Stein der Weisen und unter seriösen Trainern und Autoren tummeln sich Alchemisten und Scharlatane, die marktschreierisch die schnelle Leistungssteigerung durch ihre neuen didak­tischen Ansätze postulieren.

Dass es dabei zuweilen ziemlich unwissenschaftlich zugeht, hat Willy Hendriks 2012 mit seinem bemerkenswerten Buch Move First, Think later dargelegt. Die englische Version war ein großer Erfolg und wurde von der Englischen Schachföderation zum Buch des Jahres gekürt. Jetzt ist es in Deutsch erschienen.

Hendriks ist Internationaler Meister, Philosoph und seit vielen Jahren als Schachtrainer tätig. Mit seinem Werk schickt er den Leser auf eine Reise in die Abgründe des Schachverstandes. Unter Berücksichtigung neuer wissenschaft­licher Erkenntnisse kommt der Autor zu erstaunlichen Schlussfolgerungen, die nicht jedem gefallen dürften. Trotz des theoretisch anspruchsvollen Themas, liest sich das Buch leicht, denn der Duktus zeichnet sich vor allem durch einen ironischen Unterton aus und oft gehen die Darlegungen mit einem Augen­zwinkern einher.

Erst ziehen, dann denken ist auch eine explizite Auseinandersetzung mit anderen Lehrbüchern und deren Autoren. Dadurch erhält der Leser einen sehr guten Überblick über die Literatur zu diesem Thema, die Hendriks kritisch, teils sehr kritisch bespricht.

Hendriks fordert einen Paradigmenwechsel. Die These, dass die Analyse der Merkmale einer Stellung zu effektiven Zügen führt, kann mit mindestens gleichem Recht umgekehrt werden. Lösungszüge kann man auch finden, wenn man mit attraktiven Zügen "herumspielt“, behauptet er. Dem Leser schwirrt der Kopf, weil viel Liebgewonnenes damit über den Haufen geworfen wird. Die Frage lautet: Wie erschließt man sich eine Stellung?

Hendriks‘ Gewährsmann ist der berühmte Psychologe Adriaan de Groot, der Mitte der Sechziger die Denkprozesse von Schachspielern untersuchte. De Groots Ergebnisse scheinen durch aktuelle Forschungen gestützt zu werden. Der Holländer stellte fest, dass Großmeister kaum tiefer, aber qualitativ wesentlich effektiver als Amateure rechnen und deshalb schneller zu den richtigen Lösungen kommen. Sie gleichen die Stellung mit ihrem Mustervorrat, mit ihrem Wissen ab.

Deshalb vergleicht Hendriks die Zugfindung mit einem Schachnetzwerk, in denen die einzelnen Züge wie Städte und Dörfer sind. Die einen sind gut angebunden, andere sehr abgelegen und schwer zugänglich. Manche sind so weit weg, dass sie blinde Flecken sind. Um besser Schach zu spielen, kommt es also auf den Ausbau dieser Infrastruktur an.

Deshalb wendet sich der Autor gegen Lehrbücher, die sich auf die Stellungsanalyse konzentrieren und die dazu aufrufen, den Denkprozess umzustrukturieren. Der Unterscheid zwischen guten und schwachen Spielern bestehe in der Erfahrung. Einzig die Aktivierung des Wissens produziere gute Züge. Der Spieler "sieht, was er schon weiß.“

Zweifellos eine etwas verkürzte Darstellung, bei der einige wichtige Aspekte zur Stellungserkundung auf der Strecke bleiben. Der Autor erweckt den Eindruck, als würde der richtige Zug entweder automatisch zu uns kommen, oder eben nicht, je nachdem, wie viel wir über das Spiel wissen. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass Wissen kein statischer Aspekt ist, sondern ein ständiger Prozess, der sich auch während einer Partie umbildet und verändert, der sich mit jeder schachlichen Beschäftigung erweitert. Hendriks räumt am Ende selbst ein, dass es keine scharfe Trennlinie zwischen dem Zugriff auf Wissen und der gleichzeitig stattfindenden Wissenserweiterung gibt. Den richtigen Zug zu finden, ist eben zum einen Musteranwendung, zum anderen Erkenntniserweiterung. Man kann beides schwerlich trennen. Es ist das Henne/Ei-Problem und in mancher Hinsicht ist man an Artur Rimbauds Ausspruch "Ich ist ein Anderer“ erinnert.

Hendriks konstatiert der Schachliteratur einen Hang zur Verifizierung, obwohl seit der Philosophie Karl Poppers in der Wissenschaft die Falsifikation der fruchtbare Leitfaden geworden ist. Im Schach eine Maxime oder These zu belegen, ist heute aufgrund großer Datenbanken relativ einfach, je nachdem welchen Ausschnitt man wählt. So gibt es zahlreiche Beispiele, die einen altbekannten Rat wie: "Bei einer Flügelattacke soll man im Zentrum angreifen“ stützen. Tatsächlich gibt es etwa genauso viele Beispiele, die diese Regel widerlegen.

Die Regeln und Ratschläge vieler Lehrbücher sind so unscharf wie Horoskope formuliert, meint Hendriks. Letztlich sind sie dadurch ebenso wenig hilfreich wie andere, die so apodiktisch gehalten sind, dass sie bei strikter Anwendung oft ins Verderben führen würden. Aber das ist freilich ein didaktisches Grundproblem. Hendriks Fazit lautet: Schach ist zu konkret für allgemeine Regeln.

Das Buch ist ein Plädoyer für das qualitative Anhäufen von Schachwissen. Man solle sich mit konkreten Schachstellung auseinandersetzen und nicht mit didaktischen Theorien. Dafür gibt Hendriks dem Leser zahlreiche Beispiele an die Hand - von der richtigen Aufgabenstellung bis hin zum Analysieren der eigenen Partien. Allesamt nicht neu, aber es geht ihm auch eher darum, nutzlose Methoden auszuschließen.

Der Autor wendet sich entschieden gegen das methodische Schachdenken, auch weil er davon überzeugt ist, dass Talent, also genetische Prädispositionen, größeren Einfluss auf das Lernvermögen hat als Lehrsysteme. Doch er will den Schacheleven nicht den Boden unter der den Füßen wegziehen, sondern Ballast abwerfen. Denn für Hendriks ist das Bewusstsein keine Entscheidungsfindungseinheit, sondern ein laufender Kommentar unbewusster Art. "Es gibt keine Abkürzung zum besten Zug durch irgendeine revolutionäre Weise, die Stellung zu betrachten“, heißt sein Credo. Nicht Regeln, kritische Momente, psychologische Aspekte, sondern wie man seit de Groot schon weiß: Schachwissen ist entscheidend.

Erst ziehen, dann denken ist eine kritische Reflexion über Denkmethoden. Jeder, der sich mit Schachdidaktik beschäftigt, sollte dieses Buch gelesen haben.

KARL 2014/04

Dezember 2014


Im Jahr 2012 ist in englischer Sprache "Move First, Think Later" von IM Willy Hendriks bei New In Chess (NIC) erschienen. Ich habe es damals positiv rezensieren können. In der Folge wurde es mit weiteren positiven Besprechungen überschüttet und dann sogar Gewinner des Preises der Englischen Schachföderation (ECF) für das beste Buch des Jahres.

Nun ist das Werk auch in einer deutschen Übersetzung verfügbar. Unter dem sinngemäß gleichbedeutenden Titel "Erst ziehen, dann denken“ können es nun endlich auch die Spieler nutzen, die keine (guten) englischen Sprachkenntnisse haben bzw. denen der Umgang mit einem fremdsprachlichen Schachbuch zu mühselig ist. Im Kern kann ich meine damaligen Ausführungen zur Neuerscheinung im Original zur deutschen Ausgabe wiederholen, zumindest in einer angepassten Form.

"Erst ziehen, dann denken“ ist kein revolutionäres Werk, das sich anschickt, die Theorie neu zu schreiben, wie der provokant wirkende Titel glauben machen kann. Es ist vielmehr sehr auf die Praxis ausgerichtet, und zwar die herkömmlichen Prinzipien beachtend. Allein die Methode, wie der Spieler die besten Züge in einer Stellung ermittelt, sieht Hendriks anders.

Hendriks vertritt die These, dass der Spieler zumeist in seiner Partie nicht nach den hergebrachten Prinzipien handelt, nicht die Charakteristika einer Stellung ermittelt, einen Plan entwickelt und nach seinen Kandidatenzügen Ausschau hält. Für ihn hat das Spiel in der Praxis mehr mit "Versuch und Irrtum" zu tun. Danach checkt der Spieler im Prinzip eher die einzelnen Züge auf ihre Tauglichkeit durch. Erweist sich die erste positive Einschätzung, die eben zu seiner genaueren Prüfung geführt hat, als Fehler, so wird der Zug verworfen, andernfalls bleibt er als spielbare Möglichkeit erhalten.

Dabei kommt er in einem fortgeschrittenen Teil des Buches zu einem interessanten Vergleich: Engines ermitteln auch nicht erst die Charakteristika einer Stellung, fassen nicht einen Plan, vielmehr arbeiten sie nach der Methode "Erst ziehen, dann denken“ - jeder mögliche Zug wird zunächst zumindest kurz angefasst, und weiter geht es dann nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" nach den Rechenergebnissen.

"Erst ziehen, dann denken“ ist eine Anleitung zum praktischen Schachtraining, und eine richtig gute sogar. Hätte Hendriks sich mit dem Vorhaben, die Schachtheorie - zumindest partiell - auf den Kopf zu stellen, vermutlich verhoben, so ist er als Autor zum Schachtraining voll in seinem Element. Er ist ein Praktiker mit einer Jahrzehnte langen Erfahrung, die sich über das ganze Buch hinweg immer wieder zeigt.

Die Palette dessen, was er behandelt, dürfte das widerspiegeln, was er als Manko in den Fähigkeiten der von ihm trainierten Spieler erkannt hat. Er geht Fragen nach, warum der Trainingserfolg sich nicht in den Partien des Spielers bestätigt, leitet zur Ausräumung der Gründe an, gibt Hinweise auf Trainingsmethoden, beschreibt diese, und dies alles als gefühltes Praxisseminar.

Ich möchte die allgemeine Beschreibung des Inhalts von "Erst ziehen, dann denken“ um ein paar ganz konkrete Beispiele ergänzen.

1. Warum findet ein Spieler, der zuhause Schachaufgaben aus Zeitschriften und Büchern sehr gut zu lesen versteht, nicht auch ihm damit thematisch geläufige Züge in der eigenen Partie? In der Aufgabe weiß der Spieler, dass er eine Stellung vor sich hat, in der er nach einem bestimmten Motiv suchen muss oder zumindest irgendetwas für eine Partei gehen wird. Seine Aufmerksamkeit ist erregt, er sucht gezielt. In der Partie ist dies anders, der Spieler muss erst selbst ihre Reife für ein Motiv o.ä. erkennen. Und das klappt eben oft nicht. Hendriks arbeitet darauf hin, diese Schere zwischen Theorie und Praxis zu entschärfen, sehr verständlich und nachvollziehbar.

2. Nicht neu ist die Aussage, dass die Analyse der eigenen Partien die Spielstärke hebt. Neu ist auch nicht, dass der Einsatz von Engines vorteilhaft ist. Noch nirgendwo gelesen habe ich aber die folgende konkrete Anleitung hierzu. Hier arbeitet Hendriks mit einem anschaulichen Beispiel: Wirft der Computer für 17.Se4 einen Vorteil für Weiß von 0.42 aus, dann sollte sich der Spieler damit nicht zufrieden geben und den Zug somit nicht "abhaken". Wenn der Spieler meint, er müsse sich gegen 17 ... Txb2 verteidigen, und nicht sieht, wie dies mit 17.Se4 gelingen soll, dann soll er 17 ... Txb2 ausführen und den Computer die Arbeit erledigen lassen.

3. Im netten Kapitel mit dem humorvollen Titel "Das sadistische Examen" vergleicht Hendriks die Schachpartie mit einem Examen, in dem der Student alle ihm gestellten Fragen korrekt beantwortet und nur einen einzigen Fehler macht, er deshalb aber durchfällt. Maßnahmen gegen den Zeitdruck in der Partie sollen "das sadistische Examen" entschärfen.

"Erst ziehen, dann denken“ enthält insgesamt 27 Kapitel, die im doppelten Sinn ein Praxiskurs sind. Die inhaltliche Auswahl und das Heben der Spielstärke des Lesers sind konsequent praxisorientiert, zugleich wird er über praktische Übungen gefordert. Sehr angenehm fällt mir hierbei die maßvolle Zahl der Übungen auf. Diese Beschränkung hält die Motivation aufrecht, es wird nicht langweilig.

Das Buch ist sehr locker geschrieben, sodass es auch einen netten Unterhaltungswert hat und von Beginn an Spaß vermittelt, mit ihm zu arbeiten.

Fazit: "Erst ziehen, dann denken“ ist ein sehr empfehlenswertes Buch für ein qualifiziertes Schachtraining, das aufgrund der Übersetzung ins Deutsche nun endlich auch ohne Fremdsprachkenntnisse genutzt werden kann. Auf der Basis verständlicher und logisch dargelegter Gründe gibt es zahlreiche Empfehlungen und konkrete Methoden an die Hand, die der Leser im lockeren Heimtraining zur Hebung seiner Spielstärke nutzen kann.

Mit freundlicher Genehmigung

Uwe Bekemann, deutscher Fernschachbund

www.bdf-fernschachbund.de


Rezensionen zur englischen Ausgabe:

Das Buch "Move First, Think Later", geschrieben von IM Willy Hendriks und vor wenigen Wochen erschienen bei New In Chess, ist eine jener seltenen Neuerscheinungen, zu denen ich zunächst keinen Zugang gefunden habe. Ich habe das Buch mehrfach in die Hand genommen, um es zu rezensieren, und ebenso oft habe ich es wieder beiseite gelegt, weil ich es einfach nicht wirklich verstand. Jetzt, wo ich diese Rezension als Ergebnis meiner Arbeit vorlegen kann, ist mir in der Nachbetrachtung auch klar geworden, woran meine anfänglichen Schwierigkeiten gelegen haben: Ich bin mit völlig falschen Grundvorstellungen und damit auch falschen Erwartungen ans Werk gegangen. Auch hierfür meine ich den Grund gefunden zu haben: Es muss am provokanten und von mir falsch ausgelegten Titel gelegen haben wie auch an der Einführung des Werkes durch den Autor.

Sinngemäß übersetzt ist "Move First, Think Later" die Aufforderung an den schachinteressierten Leser, zunächst seinen Zug auszuführen und dann erst zu überlegen. Als "herkömmlich auf Schachprinzipien sozialisierter" Spieler musste ich damit meine Probleme haben, die sich beim Einlesen in das Werk eher bestätigten als auflösten. Hendriks vertritt die These, dass der Spieler zumeist in seiner Partie nicht nach den hergebrachten Prinzipien handelt, nicht die Charakteristika einer Stellung ermittelt, einen Plan entwickelt und nach seinen Kandidatenzügen Ausschau hält. Für Hendriks hat das Spiel in der Praxis mehr mit "Versuch und Irrtum" zu tun. Danach checkt der Spieler im Prinzip eher die einzelnen Züge auf ihre Tauglichkeit durch. Erweist sich die erste positive Einschätzung, die eben zu seiner genaueren Prüfung geführt hat, als Fehler, so wird der Zug verworfen, andernfalls bleibt er als spielbare Möglichkeit erhalten.

"Move First, Think Later" ist aber gar kein revolutionäres Werk, das sich anschickt, die Theorie neu zu schreiben, es ist vielmehr sehr auf die Praxis ausgerichtet, und zwar die herkömmlichen Prinzipien beachtend. Allein die Methode, wie der Spieler die besten Züge in einer Stellung ermittelt, sieht Hendriks anders.

Dabei kommt er in einem fortgeschrittenen Teil des Buches zu einem interessanten Vergleich: Engines ermitteln auch nicht erst die Charakteristika einer Stellung, fassen nicht einen Plan, vielmehr arbeiten sie nach der Methode "Move First, Think Later" - jeder mögliche Zug wird zunächst zumindest kurz angefasst, und weiter geht es dann nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" nach den Rechenergebnissen.

Aber was ist "Move First, Think Later" denn nun? Bisher habe ich erst die Frage klären können, was es nicht ist. Es ist eine Anleitung zum praktischen Schachtraining, und eine richtig gute sogar. Hätte Hendriks sich mit dem Vorhaben, die Schachtheorie - zumindest partiell - auf den Kopf zu stellen, vermutlich verhoben, so ist er als Autor zum Schachtraining voll in seinem Element. Er ist ein Praktiker mit einer Jahrzehnte langen Erfahrung, die sich über das ganze Buch hinweg immer wieder zeigt.

Die Palette dessen, was er behandelt, dürfte das widerspiegeln, was er als Manko in den Fähigkeiten der von ihm trainierten Spieler erkannt hat. Er geht Fragen nach, warum der Trainingserfolg sich nicht in den Partien des Spielers bestätigt, leitet zur Ausräumung der Gründe an, gibt Hinweise auf Trainingsmethoden, beschreibt diese, und dies alles als gefühltes Praxisseminar.

Ich möchte die allgemeine Beschreibung des Inhalts von "Move First, Think Later" um ein paar ganz konkrete Beispiele ergänzen.

1. Warum findet ein Spieler, der zuhause Schachaufgaben aus Zeitschriften und Büchern sehr gut zu lesen versteht, nicht auch ihm damit thematisch geläufige Züge in der eigenen Partie? In der Aufgabe weiß der Spieler, dass er eine Stellung vor sich hat, in der er nach einem bestimmten Motiv suchen muss oder zumindest irgendetwas für eine Partei gehen wird. Seine Aufmerksamkeit ist erregt, er sucht gezielt. In der Partie ist dies anders, der Spieler muss erst selbst ihre Reife für ein Motiv o.ä. erkennen. Und das klappt eben oft nicht. Hendriks arbeitet darauf hin, diese Schere zwischen Theorie und Praxis zu entschärfen, sehr verständlich und nachvollziehbar.

2. Nicht neu ist die Aussage, dass die Analyse der eigenen Partien die Spielstärke hebt. Neu ist auch nicht, dass der Einsatz von Engines vorteilhaft ist. Noch nirgendwo gelesen habe ich aber die folgende konkrete Anleitung hierzu. Hier arbeitet Hendriks mit einem anschaulichen Beispiel: Wirft der Computer für 17.Se4 einen Vorteil für Weiß von 0.42 aus, dann sollte sich der Spieler damit nicht zufrieden geben und den Zug somit nicht "abhaken". Wenn der Spieler meint, er müsse sich gegen 17 ... Txb2 verteidigen, und nicht sieht, wie dies mit 17.Se4 gelingen soll, dann soll er 17 ... Txb2 ausführen und den Computer die Arbeit erledigen lassen.

3. Im netten Kapitel mit dem ins Deutsche übersetzten Titel "Das sadistische Examen" vergleicht Hendriks die Schachpartie mit einem Examen, in dem der Student alle ihm gestellten Fragen korrekt beantwortet und nur einen einzigen Fehler macht, er deshalb aber durchfällt. Maßnahmen gegen den Zeitdruck in der Partie sollen "das sadistische Examen" entschärfen.

"Move First, Think Later" enthält insgesamt 27 Kapitel, die im doppelten Sinn ein Praxiskurs sind. Die inhaltliche Auswahl und das Heben der Spielstärke des Leser sind konsequent praxisorientiert, zugleich wird er über praktische Übungen gefordert. Sehr angenehm fällt mir hierbei die maßvolle Zahl der Übungen auf. Diese Beschränkung hält die Motivation aufrecht, es wird nicht langweilig.

Das Buch ist sehr locker geschrieben, sodass es auch einen netten Unterhaltungswert hat. Wenn man sich nicht so dumm anstellt, wie es mir wie oben beschrieben passiert ist, als ich "Move First, Think Later" noch nicht genügend kannte, macht es sicher von Beginn an Spaß, mit ihm zu arbeiten.

Die Buchsprache ist Englisch, Sprachkenntnisse auf Schulniveau reichen auf jeden Fall zum Verstehen aus.

Bemerkenswert ist noch der Umfang der Bibliografie. Es fehlen eigentlich nur das Schachbuch von Lucena aus dem Jahre 1497 und die Neuerscheinungen des kommenden Jahres, ansonsten ist alles mit Rang und Namen verzeichnet. Hendriks wird nicht alles nur für "Move First, Think Later" durchgearbeitet haben, sondern eben sehr gut seine immense Trainererfahrung genutzt haben. Mit seinem Werk hat er auf jeden Fall auch eine Fleißarbeit abgeschlossen, selbst wenn sich dieser auf viele Jahre verteilt haben dürfte.

Fazit: "Move First, Think Later" ist ein sehr empfehlenswertes Buch für ein qualifiziertes Schachtraining. Auf der Basis verständlicher und logisch dargelegter Gründe gibt es zahlreiche Empfehlungen und konkrete Methoden an die Hand, die der Leser im lockeren Heimtraining zur Hebung seiner Spielstärke nutzen kann.

Mit freundlicher Genehmigung

Uwe Bekemann, Deutscher Fernschachbund

August 2012

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Kennen Sie das? Sie haben schon einige gute Bücher zum Thema Schachtraining gelesen und doch stagnieren Sie auf der ELO-Leiter? Sie trainieren und trainieren und doch treten Sie auf der Stelle? Gründe, warum das so ist, kann es viele geben. Kann aber auch sein, dass Sie bisher vielleicht einfach mit den falschen Büchern trainiert haben. IM Willy Hendriks stellt in seinem neuen Buch Move First, Think Later eine provokante These auf. Er behauptet, die althergebrachten Methoden des Schachtrainings wie das Studium charakteristischer Positionen oder das Festhalten an bestimmten Faustregeln sind nicht dazu geeignet, große Fortschritte zu erreichen.

Bei diesen Aussagen hätte sich Steinitz im Grabe herumgedreht, falls es derartig postkinetische Kräfte gäbe, die solche Phänomene des Okkulten auszulösen imstande wären.

Nach Meinung des Autors brauchen Schachspieler nicht erst einen Plan bevor sie Kandidatenzüge ausfindig machen, Versuch und Irrtum ist ein sehr häufiger und in der Tat höchst effektiver Weg um den besten Zug zu finden. Hendriks verwendet neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Funktionsweise unseres Gehirns und wirft dabei eine ganze reihe interessanter Fragen auf:

Kann jeder (ob man nun talentiert ist oder nicht) ein Großmeister werden?

Warum klingen manche Ratschläge von Schachtrainern wie das neueste Horoskop?

Kann man besser werden durch das Ankreuzen einer To-Do-Liste?

Ist es möglich, Meisterebene zu erreichen ohne jemals einen Plan zu erstellen?

Der Autors präsentiert dazu eine ganze Fülle von großartigen Schulungsunterlagen und Trainingsbeispielen die dazu gedacht sind, seine Aussagen zu unterstreichen.

Man kann über das Buch diskutieren, darüber streiten oder darüber den Kopf schütteln aber eines nicht: es verteufeln. Hendriks legt zugegebener Maßen sehr provokante Thesen auf den Tisch und so mancher mag sich fragen, was er eigentlich die letzten Jahre falsch gemacht hat. Vielleicht gar nichts! Aber vielleicht fehlte einfach noch das letzte "UmdieEckedenken“, der letzte fehlende Lichtstrahl und der Mut, auch mal Regeln zu brechen, Konventionen beiseite zu schieben und eine neue Sichtweise zu gewinnen.

Ich habe mich beim Lesen prächtig amüsiert, Hendriks schreibt locker und humorvoll. Nie wird es langweilig oder eintönig, immer wieder überrascht er mit neuen verrückten Ideen die uns aus unserem Dornröschenschlaf erwachen lassen. Durch seine Sichtweise erweitern wir unseren schachlichen Horizont ganz erheblich und es gibt bestimmt nicht viele Schachbücher die das bewerkstelligen können. Für mich ein wirklich großartiges Buch mit vielen frischen Ideen und exzellenten Beispielen.

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, fühlen Sie sich wie Neo aus dem Film Matrix, als er erfährt, dass sein bisheriges Leben eine Illusion war und das jetzt sein echtes Leben beginnt.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach Niggemann zur Verfügung gestellt.

Martin Rieger

"What a fantastic book! I have not enjoyed reading an instructional book so much in years. I was laughing out loud throughout, because it is very witty, but it is also a really important instructional volume.”

Steve Giddins, author of 50 Ways to Win at Chess