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Art.-No.: LXSMIMS
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Moderne Schachanalyse

192 pages, paperback, Gambit, 1. edition 2005.

€8.95
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"Computer sind unglaublich schnell, exakt und dumm; Menschen sind unglaublich langsam, ungenau und brillant; zusammen haben sie unvorstellbare Möglichkeiten." - Albert Einstein zugeschrieben

Die Schachanalyse ist beinahe so alt wie das Spiel selbst. Viele Pionierwerke von den Größen der Schachgeschichte widmen sich der Analyse von Stellungen, Eröffnungen und Endspielen. Schachanalyse, Schachtheorie und Schachwissen sind seit damals immer weiter vorangeschritten; die Analytiker bauten auf dem Wissen der Vorgängergenerationen auf, und ihre Methoden haben sich seit dieser Urzeit des Schachspiels eigentlich wenig verändert.

Jedenfalls bis vor kurzer Zeit. Moderne PCs und leistungsstarke Schachsoftware haben erhebliche Auswirkungen auf Schachanalyse und Schachtheorie. Heute wird man kaum noch einen GM finden, der ohne Computer arbeitet. Und dennoch ist dies das erste Buch, das sich mit der Frage befasst, wie sich der Computer und das menschliche Gehirn zum Zweck der Schachanalyse am besten kombinieren lassen - eine ganz zentrale Frage im modernen Schach.

Das Buch geht aber weit über das bloße Erläutern von Methoden der computergestützten Analyse hinaus. Beim Durcharbeiten der von Robin Smith präsentierten Beispiele werden die Leser ein tieferes Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Verstands entwickeln, aber auch ein größeres Verständnis in vielen Bereichen des Schachspiels.

Folgende Themenbereiche werden in diesem vielseitigen Buch behandelt:

Schematisches Denken

  • Dynamisches Spiel und ruhiges Manövrieren

  • Festungen

  • Königsjagd und "Königsdrift"

  • Das Problem des Abtauschens

  • Interaktive Analyse

Details
Language German
Author Smith, Robin
Publisher Gambit
Edition 1.
Medium Book
Weight 360 g
Width 17.2 cm
Height 24.7 cm
Pages 192
ISBN-10 1904600247
ISBN-13 9781904600244
Year of Publication 2005
Binding paperback
Contents

005 Symbole

005 Widmung

005 Danksagungen

006 Einführung

008 Warum Analyse?

009 Allgemeines über Computer und Schachprogramme

009Anschaffung eines Computers für die Schachanalyse

011Welches Programm soll ich nehmen ?

011Allgemeine Anmerkungen zu den Algorithmen von Schachprogrammen

013 1 Relative Stärken von Computern und Menschen

013 Berechnung

018 Schematisches Denken

021 Stellungsbewertung

030Einige Feinheiten der Bewertungsfunktion

032 Ausnahmen von der Regel

033Das Qualitätsopfer

036Andere materielle Ungleichgewichte 036"Schwache" Bauernstrukturen

042 Intuition

046 2 Computergestützte Analysemethoden

046 Interaktive Analyse - Das Programm als Sparringspartner

052 Mehrvarianten-Modus

052"Kästchen-Canyons"

054 Zugumstellung

055 Gleichzeitiges Ausführen mehrerer Engines

060 Engine-Turniere als Analysehilfe

062 Tiefe Stellungsanalyse/Daueranalyse (Fernschachmodus)

066 Automatische Kommentierung und Fehlersuche

070 3 Eröffnungsanalyse

070 Statistiken aus Partiendatenbanken

071 Kommentierte Partien

074 Das Programm "Bookup"

076 4 Mittelspielanalyse

076 Tiefe Taktik und hochgradig forcierte Varianten

079 Vorposten, schwache Felder, Angriffsmarken, Freibauern und andere positionelle Elemente

086 Opfer auf Position

087 Gefängnisse

099 Rochade

101 Königsjagd und "Königsdrift"

112 Das Problem des Abtauschs (I)

115 Materielles Ungleichgewicht

115 Ruhiges Manövrieren (I)

122 Kritische Stellungen

126 5 Endspielanalyse

126 Endspieldatenbankstatistik

128 Tablebase-Endspiele

134 Festungen

147 Dauerschach

152 Das Problem des Abtauschs (II)

153 Freibauern

153Freibauern in reinen Bauernendspielen

158Freibauern in Figurenendspielen

165 Ruhiges Manövrieren (II)

168 6 Zusammenfügen der einzelnen Elemente 178 Einige Schlussfolgerungen

178 Die Zukunft der Schachanalyse

180 Computerschach-Glossar

186 Meilensteine in der Geschichte des Computerschachs

190 Index der Spieler

192 Index der Studienkomponisten

192 Index der Eröffnungen

Vor zwei Jahrzehnten herrschte Un­gewisser Aufbruch im privaten Rechnersektor. Die Firma Commodore war dabei, sich den sich aus­weitenden Markt für Heimcomputer mit ihrem C64, dem liebevoll "Brotkasten" ge­nannten PC, durch den Vertrieb beim Su­permarkt-Riesen ALDI zu erschließen. Beim Intimfeind Atari startete Anfang 1987 die Firma ChessBase ihre Eroberung des elektronischen Schachmarkts. Doch wegen des Siegeszugs des Betriebs­programms Windows änderten sich die Zeiten schnell. C64 und Atari stehen schon lange im Museum, aber mit kommerziel­len Schachprogrammen macht ChessBase noch heute Profit. Anno 1994 zitterten bereits die Allerbesten, als Fritz 3 beim Münchener Blitzturnier Kasparow, Anand, Kramnik, Gelfand und Short schlug. Eine Dekade später vergnügen sich Millionen Schachfans mit Fritz, Shredder, Junior und

anderen käuflichen Programmen oder kos­tenloser Software aus dem Internet. Die "Freunde auf den Bildschirmen" sind für viele Schachspieler nicht mehr wegzu­denken, gleich ob zum Training, zum Ver­gnügen oder zur Vor- und Nachbereitung. Da mutet es Wunder an, dass es bislang keine kompakte Einführung in die Metho­den dieser speziellen Schachanalyse gab - zumindest keine allgemein verständliche Lektüre, die nicht von Experten für Exper­ten gedacht und entsprechend in Fachchi­nesisch verfasst ist.

Diese Lücke schließt jetzt Robin Smith mit einem 2004 in englischer Sprache erschie­nenen Band, der unter dem Titel "Moder­ne Schachanalyse. Die technische Revo­lution in der Schachanalyse" zeitnah An­fang 2005 in deutscher Übersetzung vor­liegt. Sicher auch deshalb so zügig, weil die Macher vom Gambit-Verlag witterten, dass die Zielgruppe der Schachcomputerinteressierten ein erhebliches Leserreservoire bildet. Das Erstlingswerk des amerikanischen Fernschach-Groß­meisters richtet sich an jene, die mit Funk­tionen ihres Programms vertraut sind und "brute force" für keine allzu gefährliche Angelegenheit erachten. Vor allem diese latent interessierte Klientel erhält zusätz­liche Einblicke in Suchmechanismen und Bewertungsschemata (inklusive eines in­formativen Glossars und einer tabellari­schen Zeitreise durch die Schachcomputer­historie).

RUND UM EINE ZAHL

Auf 192 Seiten findet man sich Schritt für Schritt in Denkstrukturen von Rechnern ein. Nach wenigen Seiten zu technischen Aspek­ten und Programmauswahl beginnt es mit "relativen Stärken von Computern und Men­schen". Wohltuend, dass Smith keine Mystifizierung betreibt: "Was Computer gut können, können sie wirklich gut, und worin sie schwach sind, darin sind sie erbärmlich schwach." (S. 13) und "Das positionelle Bewertungssystem aller Computer ist prin­zipiell eindimensional. Am Ende, nach Ab­wägung aller Faktoren, wird in einer einzi­gen Zahl alles ausgedrückt, was das Pro­gramm zu einer Stellung zu sagen hat." (S. 23) lauten zwei Kernaussagen. Und hierzu gibt es Argumente: Welche Gewich­tungen von positionellen Faktoren (z. B. Königssicherheit, Bauernstrukturen, vorge­rückten Bauern, Freibauern, Zentrums­kontrolle, Türmen auf der zweiten oder sieb­ten Reihe oder dem Läuferpaar usw.) bei welchen Programmen wie auftreten (allerdings darf man keine typischen Test­berichte zu einzelnen Programmen erwar­ten!).

Das von Menschen gern verwendete Urteil "unklar" existiert in der Rechnerwelt nicht, wenn ein nomineller Wert am Ende im Dis­play die Variante resümiert. Die Beispiel­auswahl greift auf prägnante Positionen zu­rück, so dass gerade auf Spieler, die sich bislang wenig mit den Grundlagen von Computeranalysen beschäftigt haben, zahl­reiche Ernüchterungen warten: Irgend­welche Bewertungsroutinen stehen fast je­dem Programm im Erkenntnisweg (etwa die Überbewertung offener Linien, die Missachtung der weit reichenden Wirkung von Qualitätsopfern, die Neigung, Bauern vor dem König laufen zu lassen oder das Schaffen von Angriffmarken durch den Aufzug von Randbauern) - kurzum alles, was den Menschen in punkto "Intuition" stark macht. Aber natürlich wird nicht nur an den Pranger gestellt: taktische Domi­nanz in offenen Stellungen, Exaktheit mit reduziertem Material oder das Aufspüren unerwarteter Züge (die berühmten, aus Menschensicht "hässlichen Züge") verset­zen oft ins Staunen. Keine sensationell neuen Fakten, aber anschaulich in den Kon­text gerückt - Warnung und Trost zugleich!

Ist der Leser nach 40 Seiten mit den grund­sätzlichen Vor- und Nachteilen von Rechnervarianten vertraut, so erläutert Smith auf 30 Seiten mit welcher Methode man arbeiten kann: der interaktiven Ana­lyse, bei der das Programm als Sparrings­partner dient (Prinzip "Ausspielen von Stellungen"), der reinen Fehlersuche (äu­ßerst wirksam im "Rückwärtsgang", weil das betreffende Programm gerade bei lan­gen Abspielen, eigene Versäumnisse "hinten in Varianten" aufspürt), dem Mehr­varianten-Modus, der oftmals bei der Su­che nach Kandidatenzügen Hinweise lie­fert, dem Einsatz von mehreren Engines (ein Lieblingsthema des Autors), was -trotz Verlusts an Rechengeschwindigkeit - regelmäßig Aufschlüsse über völlig an­dere Bewertungsparameter liefert, dem Engine-Turnier, bei dem Rechner vorran­gig Stellungen, in denen grundsätzliche Entscheidungen (z. B. Öffnung oder Schließen des Zentrums) anstehen, im Wettstreit untereinander ausloten, und letztlich der Daueranalyse, die vor allem dann greift, wenn es sich potentiell um "computergerechte" Stellungen handelt (eher taktik-orientiert, Optionen der direk­te Attacke gegen den König oder Positio­nen mit möglichen Übergängen in be­stimmte, völlig ausanalysierte Endspieltypen). Damit kann man wirklich jeden Bedarf in den drei Partiephasen befriedi­gen.

ERÖFFNUNGSSUCHE

Ohne Beispiele und mit sechs Seiten ziem­lich knapp kommt das Eröffnungsterrain davon. Smith verlegt sich auf Ratschläge: Wie gut sind Statistiken auf der Grundla­ge von Datenbanken, wie kritisch muss man Kommentierungen hinterfragen (alte, weil fehleranfällig aus dem Vor-Computer-Zeitalter und neue, weil möglicherweise unkritisch unsinnige Computervorschläge einflössen), welche Herangehensweise sollte man beim Auf­bau eines Eröffnungsrepertoire wählen (Nutzen automatischer Analyse, Durch­forsten von Analysen und Aussortieren überflüssiger Informationen und uninter­essanter Varianten) und Einsatz des Pro­gramms "Bookup" als Hilfsmittel zur Systematisierung von Variantenüber­gängen und Zugumstellungen. Smith zieht das unerwartete, aber nicht belegte Fazit zu Eröffnungsvorschlägen der Rechner: "Oft taugen sie nicht allzu viel. " (S. 74) Eigentlich verdient dieser Bereich ein ei­genes Buch ...

MITTELSPIELDILEMMA

Fast 50 Seiten über Mittelspielanalyse le­sen (und spielen) sich dagegen packend. Einige Klassiker und aktuelle Begegnun­gen werden ausführlich unter die Lupe ge­nommen (z. B. Cholmow-Bronstein, Kiew 1964/65 oder drei Partien aus dem Internet-Match des israelischen GM Ilja Smirin gegen verschiedene Programme im Jahre 2002 - hier mit Blick auf Anti-Com­puter-Strategien). Auch die respektlose Auseinandersetzung mit Garry Kasparows Erträgen aus seiner Buchreihe über die WM-Vorgänger lässt aufmerken, da der Weltranglistenerste eigentlich für seinen effektiven Einsatz mit den Maschinen be­kannt ist...

Smith isoliert in diesem Kapitel wichtige Prinzipien des computergecheckten Mittel­spiels: forcierte Varianten, Vorposten, An­griffsmarken, Freibauern, Opfer auf Posi­tion, Gefängnisse (Obacht: Festungen kom­men in Endspielen vor!), Rochadeoptionen, verschiedene Abtauschformen, Königs­jagden usw. Einen besonderen Leckerbis­sen - mit neuem Terminus - stellt die Be­trachtung der "Königsdrift" dar, d. h. dem allmählichen Verschieben von Figuren und/ oder Bauern in Richtung König. Solche "Einsickerstrategien" sind allein die Lek­türe wert. Schließlich zieht ein Zehn-Punk­te-Katalog mit Thesen zu kritischen Stel­lungen interessante Schlussfolgerungen für das eigene, künftige Analyseraster (z. B. die philosophisch anmutende Aussage: "Die Computerbewertung sagt ,gleich', der Mensch sagt ,unklar'".)

ENDSPIELSACKGASSEN

Endspiele galten lange Zeit als Achilles­ferse der Rechner. Hier ist die Entwick­lung fortgeschritten - gerade wegen der Tablebases, die - wie Smith ausführlich darlegt - alles bis zum Fünfsteiner abso­lut exakt berechnen. Problembereiche blei­ben Übergänge vom Mittel- ins Endspiel, Schwächen beim Erkennen von Festungen und Dauerschachs und langfristige Endspielbehandlung mit mehr als 25 Zü­gen. Aber auch Konfusionen bei Rettungs­verfahren zum Remis kommen vor, obwohl diese bisweilen notwendig werden, selbst wenn der Rechner sich im Vorteil wähnt...

Die Materialauswahl ist durchweg trefflich und sollte nicht nur für das Eigenstudium der finalen Partiephase geeignet sein, sondern auch für das Zusammenstellen von Trainingsmaterial im Schachunterricht. Ausführliche Highlights sind u. a. das Durchleuchten des Turm­endspiels Botwinnik-FIohr, UdSSR-Meis­terschaft 1944 (mit ein wenig Kritik am ersten sowjetischen Weltmeister), das Läuferendspiel Topalov-Shirov, Linares 1998 oder das Thema "starker Springer gegen kurzatmiger Läufer" in Torre-Jakobsen, Amsterdam 1973. Wer diese Beispie­le aus der gängigen Literatur kennt, wird - wegen der neue Perspektive von hinter den Prozessorkulissen - gleichwohl man­chen Aha-Moment erleben!

FAZIT

Als kritischer Punkt bleibt anzumerken, dass Smith nie anführt, mit welcher Programmversion er seine Beispiele unter­suchte bzw. Engine-Turniere ablaufen ließ. Von einen Fernschachspieler, der zweimal die US-Fernschachmeisterschaft errang, hätte man u. U. mehr Tipps zum Nutzen des Computers in diesem Bereich erhofft. Wie eingangs verdeutlicht, ist das Zeital­ter der Schachprogramme noch jung, aber inzwischen allgegenwärtig. Das Verdienst der Untersuchung besteht darin, dass Smith mit anschaulichen, präzisen Definitionen eine breite Stärken-Schwäche-Eva­luation vornimmt, die ein tieferes Ver­ständnis für Interaktionen Mensch-Ma­schine fördert. Leider ist eine solche klare Sprache in Technikbereichen nicht alltäg­lich, und so sollte fast jeder aus dieser detailreichen Studie einen Erkenntnis­gewinn ziehen.

Harald Fietz, Schachmagazin 64 06/2005

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Das ungewöhnliche Lehrbuch "Mo­dern Chess Analysis" von Robin Smith wurde von Gambit Publications jetzt auch in einer deutschen Ausgabe herausgebracht. Wie bereits bei den anderen deutschsprachigen Veröffentlichungen dieses Verlages handelt es sich auch bei "Moderne Schachanalyse" um eine originalge­treue Übersetzung, weswegen wir auf unsere ausführliche Besprechung der englischen Ausgabe in Heft 4/2004 verweisen wollen.

Als Zusammenfassung sollen fol­gende Stichworte genügen. Smith, ein erfahrener und starker Fernschach­spieler, untersucht in seinem Buch die Zusammenarbeit von Mensch und Computer bei der Schachanalyse. Da­zu geht er den jeweiligen Vor- und Nachteilen auf den Grund und zeigt den Weg für ein möglichst optimales Ergebnis.

Robin Smith untersucht dabei The­men wie Berechnung, lange forcierte Varianten, schematisches Denken, positionelle Bewertungen, "Ausnah­men von den 'Regeln'" (Gemeint sind die Regeln, nach denen Programme die Stellungen bewerten), Intuition, Computergestützte Analysemethoden wie z.B. interaktive Analyse, Analyse der Eröffnungen, typische Probleme bei der Analyse von Mittelspielstellungen, die Analyse des Endspiels usw.

Neben einer ausführlichen Bespre­chung der vielfältigen und interessan­ten Themen, die in dieser Art und Tiefe wohl noch von keinem anderen Autoren vorgenommen wurde, bietet das Buch auch viele eindrucksvolle Beispiele.

Dieses Buch ist sicher nicht nur für Fernschachfreunde zu empfehlen, denn an Fritz & Co führt für die meisten Schachspieler längst kein Weg mehr vorbei.

Schachmark 02/2005

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Der Autor Robin Smith steht als zweimaliger US-Fernschach-Champion kurz vor seiner Ernennung zum Fernschach-GM. Selbstredend hat er diesen Erfolg zu aller erst seiner Spielstärke zu verdanken, aber ein gewisser Teil mag auch seiner überaus geschickten Handhabung von Computerprogram­men zur Partieanalyse zuzuschreiben sein.

Sein Buch - offenbar das erste zum Thema - befasst sich mit der Frage, wie sich menschliches Denken und di­gitale Rechenkraft im Hinblick auf die Analyse am besten kombinieren las­sen. In der Einleitung (S. 6-12) macht Smith einige Anmerkungen zum We­sen der Schachanalyse, zur Auswahl geeigneter Hard- und Software, sowie zu den wesentlichen Algorithmen Suchfunktion und Stellungsbewertung. Die weiteren Kapitel sind ziemlich systematisch aufgebaut:

1) Relative Stärken von Computern und Menschen (S. 13-45): während der Computer durch Rechenkraft glänzt (jedenfalls so lange, bis sein "Hori­zont" erreicht ist), liegen die menschli­chen Stärken im Bereich des schemati­schen Denkens (Spiel nach Plänen) und in der Intuition. Die Stellungsbe­urteilung des Programms (üblicherwei­se in Dezimalstellen von Bauernein­heiten ausgedrückt) kann den User manchmal gehörig in die Irre führen, wenn es z.B. um Qualitätsopfer oder um vermeintlich schwache Bauernstrukturen geht.

2) Computergestützte Analysemetho­den (S. 46-69): Hier beschreibt der Au­tor Techniken, mit mehreren Program­men zu arbeiten, vor allem mit der so­genannten interaktiven Analyse: Er empfiehlt bei Beurteilungsdifferenzen Engine-Turiere (um zu sehen, wie die Programme in mehreren Partien gegeneinander die Analyseposition wei­terspielen) und schildert Vorteile und Schwächen der Daueranalyse im Fem­schach-Modus.

3) Eröffnunsanalyse (S. 70-75): Bei Datenbankstatistiken ist Vorsicht gebo­ten; auch die automatische Analyse/ Fehlersuche in bestimmten Eröff­nungsvarianten hält für den Unerfahre­nen etliche Fallstricke bereit.

4) Mittelspielanalyse (S. 76-125): Cum grano salis sind natürlich tiefe Takti­ken und die Berechnung forcierter Va­rianten eine Domäne der Programme. Problematisch wird es hingegen bei positionellen Opfern, Figuren-Einsperrung, Rochade (wohin?), Abtauschoperation, materiellem Ungleichgewicht und ruhigem Manövrieren. Auch lang­sam aufgebaute Königsangriffe ("Kö­nigsdrift") sowie das Erkennen kritischer Situationen während des Partie­verlaufs können den elektronischen Helfern erhebliche Schwierigkeiten bereiten.

5) Endspielanalyse (S. 126-167): Hier geht es um die Tablebase-Endspiele (bekanntlich sind ja alle Fünfsteiner "gelöst" und etliche Endspiele mit sechs Steinen dazu), um die Endspiel­datenbankstatistik sowie um Probleme der Programme beim Erkennen von Festungen, von Dauerschach (in der Vorausberechnung, Horizont-Effekt) und bei der Bewertung der Stärke von Freibauern.

6) Zusammenfügen der einzelnen Ele­mente (S. 168-179): Anhand einiger Beispiele gibt Smith Ratschläge für die effiziente Nutzung von Programmen zur Schach-Analyse: man soll die Fä­higkeiten des Computers weder über- noch unterschätzen, mehrere Engines benutzen, die Schwachstellen der Pro­gramme beachten (einschließlich der Bewertungsfunktionen und Daten­bankstatistiken), und auch die interak­tive Analyse nicht kritiklos überbewer­ten. Für die Zukunft sieht der Autor noch gewisse Verbesserungen durch eine Steigerung der Rechtentiefe. Ein Computerschachglossar (S. 180-185) erläutert von "Alpha-Beta" bis "Zugreihung" 39 Fachbegriffe, und die "Meilensteine in der Geschichte des Computerschachs" (S. 186-189) lie­fern eine Kurzchronik der bedeutends­ten Daten in diesem Bereich von 1713 (!) bis 2003.

Smith präsentiert zu allen Themen sorgsam ausgewählte Beispiele - ins­gesamt 63 vollständige Partien und 88 Partiefragmente und stellt das Wesent­liche jeweils klar heraus mit Analysen, Kommentaren und Anmerkungen. Sein Credo lautet: Computer haben die Schachanalyse revolutioniert und in früher unvorstellbarer Weise vertieft, aber man darf ihnen keineswegs "blind" vertrauen. Erst ein kluger Um­gang mit ihren immensen Möglichkei­ten bringt die erwünschten tragfähigen Ergebnisse. Die relativiert auch das Al­bert Einstein zugeschriebene Zitat: Computer sind unglaublich schnell, exakt und dumm; Menschen sind un­glaublich langsam, ungenau und bril­lant; gemeinsam haben sie unvorstell­bare Möglichkeiten."

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 04/2005

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Bereits 1713 schuf James Waldegravemit dem "Minimax - Prinzip" die elementare Grundlage zur Voraus­berechnung in der Spieltheorie. Mit wenig Theorie, aber dafür mehr Mechanik und nicht zu vergessen einem kleinen Mann im Kasten, kam ab 1769 der "Türke" aus, die erste schachspielende Maschine der Welt. Die Anfange des "Computer­schachs" reichen also weit zurück, aber seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts hat die technische Entwick­lung sowohl im Bereich der Hardware als auch der Software unglaublich zu­genommen. Längst brauchen die Com­puter keine kleinen Männchen mehr, die auch schon lange nicht mehr in die kleinen Kästchen oder erst recht nicht in die Disketten und CDs passen wür­den, die heute enorm leistungsfähige Schachprogramme repräsentieren. Mit der Steigerung des Expertenwissens steigt natürlich analog das Unwissen der Masse der Schachspieler (auch wenn diese selbst Schachcomputer oder -Software verwenden). Wer er­klärt einem die Grundlagen und ele­mentaren Begriffe, informiert über die Möglichkeiten von Anwendung und Leistungsfähigkeit, aber auch die Grenzen der kleinen Monster? Nun, diese Frage ist mit dem hier be­sprochenen Buch geklärt. Der Autor Robin Smith vermittelt dem noch we­nig beschlagenen Leser einen hervor­ragend verständlich gemachten Ein­stieg in die Welt des Computerschachs, hat aber selbst für Fortgeschrittene und versierte Anwender eine ganze Menge Interessantes zu bieten. Erfreulicher­weise eines der seltenen Bücher, die tatsächlich ein breites Spektrum von Spielstärke und Vorwissen abdecken! Man könnte erwarten, dass der Autor ein Computerfreak ist, der einseitig aus der Sicht des Experten berichtet. Smith schafft es jedoch, kritische Dis­tanz zu bewahren, wie schon sein Leitzitat zu Beginn der Einleitung zeigt: 'Computer sind unglaublich schnell, exakt und dumm, Menschen sind un­glaublich langsam, ungenau und bril­lant; gemeinsam haben sie unvorstell­bare Möglichkeiten.' Das Buch ist wie folgt aufgebaut:

S. 6-12 Einführung

S. 13-42 1. Relative Stärken von Com­putern und Menschen

S. 43-69 2. Computergestützte Analy­semethode

S. 70-75 3. Eröffnungsanalyse

S. 76-125 4. Mittelspielanalyse

S. 126-167 5. Endspielanalyse

S. 168-179 6. Zusammenfügen der ein­zelnen Elemente

Es folgt abschließend ein Glossar und jeweils ein Index von Spielern, Studienkomponisten und Eröffnungen. Vielleicht erstaunt manchen Leser, dass der riesige Komplex der Eröff­nung mit 6 Seiten recht stiefmütterlich wegkommt. Aber in der Eröffnung spielen in erster Linie die Datenbank-Funktionen der Computer eine Rolle, während der Schwerpunkt des Buches auf dem analytischen Sektor liegt. Dies lässt sich natürlich mit Studien, Partien und Partiestellungen weitaus besser untersuchen als mit Theorieva­rianten, wo lediglich Überprüfung und Ausarbeiten von Neuerungen in diese Kategorie fallen.

Interessante Studien und Endspiele und Partien von Klassikern wie Pillsbury - Lasker, St. Petersburg 1895/96 bis zu aktuellen Meisterpartien in der Zeit unmittelbar vor dem Erscheinen der englischen Ausgabe 2004 bilden das Material für die Analysen und Un­tersuchungen. Es finden sich sowohl Partien Computer gegen Computer ebenso (wenn auch seltener) als auch Partien Mensch gegen Computer oder Meisterpartien bzw. Stellungen aus diesen oder Studien. Alle Aspekte der Analyse werden also berücksichtigt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf prak­tischen Anwendungen aus der Welt des Turnierschachs. Als Beispiele seien genannt eine Fehlerüberprüfung der Partie Kasparow - Topalov, Wijk aan Zee 1999 mit Fritz 8 (S. 67 ff.), eine Analyse der Endspielstellung Fischer -Reshevsky (11. Matchpartie USA 1961) S. 142-144, mit einem Vergleich von Fischers Analyse in seinem Be­rühmten Buch "Meine 60 denkwürdi­gen Partien" und eine Studie des Bauernkünstlers Grigoriew (1954), die auf lustige Weise die Limitationen der Computer aufzeigt...

Offenbar können also nicht nur Men­schen auf krummen Wegen gerade wandeln! Falls du, lieber Leser, erfolg­reich spielst, lass also bloß nicht deine Programmierung verbessern; wer weiß, was dabei herauskommt! Die vielen interessanten Punkte in die­sem Buch auch nur kurz aufzuzeigen würde den Rahmen einer Rezension erheblich sprengen.

Einziges Manko ist der Satz. Wie lei­der üblich bei Gambit werden in Satz und Layout zuwenig Absätze und Ab­stände eingebaut. Ein Textblock von Seitenlänge erschwert jedoch erheblich die Lesbarkeit und bietet dem Auge beim Pendeln von der Buchseite auf das Schachbrett (das die meisten Leser gewiss brauchen werden, um die Par­tien und Analysen zu verfolgen - nicht jeder hat die Spielstärke der Gambit-Direktoren GM John Nunn und GM Murray Chandler) wenig Anhalt. Mehrzeilige Analysen sollten unbe­dingt durch Abstände besser hervorge­hoben werden, um das Nachspielen zu erleichtern.

Den Preis von 25,95 € hätte man frü­her als "typisch englisch" bezeichnet. Mit der Einführung des "Teuro" haben sich allerdings viele Preise zum Bösen verändert. Kaum noch ein gutes Schachbuch ist unter ca. 20 € zu ha­ben. Insofern muss man bei der Preis­einschätzung wohl umdenken. Wenn man von dieser Einstellung ausgeht, bietet das Buch sogar ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs- Verhältnis, weil die gute Darstellung, die Origina­lität und der konkrete Nutzen, der das Werk dem Leser vermittelt, ohne Ein­schränkung diesen Preis rechtfertigt. Wer sich über Computerschach infor­mieren oder weiterbilden möchte, dem ist diese Buch wärmstens zu empfeh­len. Auch als Geschenk oder Preis hervorragend geeignet!

Heinz Brunthaler, Rochade Europa 05/2005

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In der Einführung des Buches schreibt der Verfasser: "Dieses Buch wird Ihnen viele Techniken zur Nut­zung eines Computers als Hilfsmittel bei der Schachanalyse zeigen und dient damit letztendlich der Steige­rung Ihrer Spielstärke. Es richtet sich an Spieler jedes Niveaus, vom relativen Anfänger bis zum. Top-Groß­meister". Das Buch geht aber weit über die bloßen Erläuterungen von Methoden der computergestützten Analyse hinaus. Die beigeführten Bei­spiele vermitteln dem Leser ein tiefe­res Verständnis der Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Ver­stands der Schachanalyse und auch ein Verständnis in vielen Bereichen des Schachspiels. Die folgende The­men werden durch Fernschach-Groß­meister Robin Smith behandelt:

Relative Stärken von Computern und Menschen, Computergestützte Analy­senmethoden, die Eröffnungsanalyse, die Mittelspielanalyse, die Endspiel -analyse, das Zusammenfügen der einzelnen Elemente.

Fernschach International 01/2005

Moderne Schachanalyse

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