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Art.-No.: LOBEZTAOTTD

The Art of the Tarrasch Defence

320 pages, paperback, New in Chess, 1. edition 2017.

€27.95
Incl. 7% Tax, excl. Shipping Cost

The Tarrasch Defence is one of the most ambitious ways to play against 1.d4. Black immediately fights for the centre, gets a lot of space and develops his pieces without many problems. Great fighters like Boris Spassky, Paul Keres and Garry Kasparov have played the Tarrasch Defence.

Former Russian Champion Alexey Bezgodov has more than 30 years of experience with the Tarrasch and is one of the world’s greatest experts.The Art of the Tarrasch Defence is a deeply researched journey into the positional structures, the key moments in the fight for the initiative, the players and the variations. Bezgodov has injected his main line, the neglected Kasparov System, with a lot of surprising ideas and presents new ways to handle White’s offbeat variations. He also shows that quite a few lines for Black with a bad reputation are actually good. He teaches how the giants of chess have exploited the many dynamic possibilities of the Tarrasch Defence, and he includes plenty of practical exercises. This is a must-have book for fearless players who wish to surprise their opponents and who like to play aggressively with Black -- but only with a reliable opening with a sound positional foundation.

Details
Language English
Author Bezgodov, A.
Publisher New in Chess
Edition 1.
Medium Book
Weight 600 g
Width 17 cm
Height 24 cm
Pages 320
ISBN-13 978-9056917685
Year of Publication 2017
Binding paperback
Contents

007 Preface

009 Introduction

013 Part I - Four ‘bad’ lines that are actually good

014 Chapter 1: The Curt von Bardeleben System 7...Bc5

018 Chapter 2: The Keres System 7...cxd4 8.Nxd4 Bc5

029 Chapter 3: The Salwe System 7... cxd4 8.Nxd4 Qb6

041 Chapter 4: The Lasker-Capablanca System 7...Be7 8.0-0 0-0 9.Bg5 Be6

055 Part II - White surprise lines ... and what to play against them

056 Chapter 5: Symmetrical and similar systems where White plays an early e2-e3

070 Chapter 6: The Marshall Gambit 4.cxd5 exd5 5.e4

072 Chapter 7: The early capture on c5 (at move 5)

075 Chapter 8: The capture on c5 at move 6

079 Chapter 9: The early development of the bishop to g5

089 Chapter 10: The early bishop development to f4

095 Chapter 11: The early bishop development to e3

098 Chapter 12: The later development of the bishop to e3

107 Chapter 13: Fighting the double fianchetto

121 Chapter 14: The exchange on c5, followed by Na4

125 Chapter 15: The exchange on c5, followed by Bg5

131 Chapter 16: Delaying the development of White’s queen’s knight

135 Part III - The Kasparov System 7...Be7 8.0-0 0-0 9.Bg5 cxd4 10.Nxd4 h6

183 Part IV - Giants of the Tarrasch Defence

184 Chapter 17: Boris Spassky plays the Tarrasch

200 Chapter 18: Svetozar Gligoric plays the Tarrasch

203 Chapter 19: Paul Keres plays the Tarrasch

212 Chapter 20: Garry Kasparov plays the Tarrasch

228 Chapter 21: Boris Spassky fights the Tarrasch

239 Chapter 22: Svetozar Gligoric and Paul Keres fight the Tarrasch

242 Chapter 23: Garry Kasparov fights the Tarrasch

249 Part V - Training

250 Chapter 24: Exercises

269 Chapter 25: Solutions to exercises

305 Afterword

306 Index of variations

314 Index of players

317 Bibliography

Mit Alexey Bezgodov hat das Werk "The Art of the Tarrasch Defence" einen Autor, der das von ihm besprochene System seit mehr als 30 Jahren spielt und zu dem er eine Menge an Erfahrung gesammelt hat. Er ist Großmeister, früherer russischer Meister und auch als Autor sehr anerkannt. Gegenstand seiner Betrachtungen ist die Tarrasch-Verteidigung im Damengambit, die grundsätzlich mit den Zügen 1. d2-d4 d7-d5 2. c2-c4 e7-e6 3. Sb1-c3 c7-c5 eingeleitet wird. Das Ergebnis seiner Arbeit ist weder eine Monographie noch ein Repertoirebuch, sondern eine einzigartige Zusammenstellung unter verschiedenen thematischen Ansätzen. Bezgodov selbst verwendet das Wort des Streifzuges durch das System.

Das bei New In Chess (NIC) erschienene Buch ist in fünf Abschnitte untergliedert, die insgesamt 25 Kapitel beherbergen. In dieser Systematik und mit dem jeweiligen Eintrag im Inhaltsverzeichnis widmet sich "The Art of the Tarrasch Defence" den folgenden inhaltlichen Schwerpunkten (sinngemäß ins Deutsche übersetzt):

1. Vier "schlechte" Abspiele, die aktuell gut sind,

2. Überraschende weiße Spielweisen ... und wie gegen sie zu spielen ist,

3. Das Kasparow-System,

4. Giganten der Tarrasch-Verteidigung,

5. Training.

Im 1. Abschnitt stellt Bezgodov vier Systeme vor, die nicht den besten Ruf genießen und deshalb auch selten auf der Turnierbühne zu finden sind. Er vertritt die Ansicht, dass sie unterschätzt werden. Mit ihrer Wahl nutzt Schwarz die Möglichkeit aus, seinen Gegner durch seine Eröffnungswahl zu überraschen, ohne dies zu dem Preis zu tun, dass dieser bei einem guten Spiel in Vorteil kommen wird. Mit Ausnahme der ersten vorgestellten Spielweise bietet er durchaus reichlich gut aufbereitetes Material an, das den Leser in die Lage versetzt, seine Empfehlungen in der Praxis anzuwenden. Der in den Folgekapiteln behandelte Stoff unterstützt das Verständnis der Gegenstände des 1. Abschnitts. Die gut sortierte Partien-Datenbank des Lesers wird "zur Unterfütterung des Materials" ihr Übriges leisten, auch wenn es an dieser Stelle des Buches um Nebenwege geht.

Die zentrale Stelle eines Repertoires, das "The Art of the Tarrasch Defence" vertreten kann, nimmt der 3. Abschnitt ein. Weiß hat aber zahlreiche Möglichkeiten, der Variante, die heute als Hauptvariante der Tarrasch-Verteidigung angesehen wird, aus dem Weg zu gehen. Diese Versuche werden im 2. Abschnitt des Buches behandelt. Sehr gut gefällt mir die Art und Weise, wie Bezgodov die möglichen Abweichungen initialisiert. Er macht sie regelmäßig an bestimmten Entscheidungen des Gegners mit Weiß fest (beispielsweise "das Schlagen auf c5 im 6. Zug" oder "die frühe Läuferentwicklung nach e3" [hier jeweils sinngemäß ins Deutsche übersetzt]) und geht dann in einem eigenen Kapitel darauf ein.

Im 3. Abschnitt behandelt Bezgodov die mit den Zügen 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 c5 4. cxd5 exd5 5. Sf3 Sc6 6. g3 Sf6 7. Lg2 Le7 8. 0-0 0-0 9. Lg5 cxd4 10. Sxd4 h6 eingeleitete Spielweise, die er als Kasparow-Variante bezeichnet. Diese Namensgebung ist allerdings seine nur eigene "Kreation", mit der er die Verdienste des früheren Weltmeisters auf diesem Gebiet ehren möchte.

Bezgodov beschreibt seine sich anschließenden Ausführungen als "utilitarian", also als utilitaristisch. Damit hat er es geschafft, eine Vokabel zu verwenden, die mir trotz meiner Vermutung, dass sie lateinischen Ursprungs ist (lat. utilitas, Nutzen, Vorteil), nicht nur als solche bisher unbekannt, sondern deren Wortsinn mir generell verschlossen war. Ich durfte mich also zunächst mal schlauer machen, um sein Anliegen besser begreifen zu können. Dabei bin ich mir allerdings nicht sicher, ob meine Interpretation vollends zutrifft. Ich weiß nunmehr, dass Utilitarismus ein Begriff der Ethik ist, der heute vor allem noch im englischen Sprachraum beheimatet ist. Sein Ansatz ist der Nutzen einer Handlung, dessen Bewertung erstmals von Jeremy Bentham (1748-1832) dokumentiert wurde (Zitat: "Mit dem Prinzip des Nutzens ist jenes Prinzip gemeint, das jede beliebige Handlung gutheißt oder missbilligt entsprechend ihrer Tendenz, das Glück derjenigen Gruppe zu vermehren oder zu vermindern, um deren Interessen es geht [ ... ] Mit Nutzen ist diejenige Eigenschaft an einem Objekt gemeint, wodurch es dazu neigt, Wohlergehen, Vorteil, Freude, Gutes oder Glück zu schaffen.").

Es gibt einige Varianten, so wie den negativen Utilitarismus, der sich an der Abwesenheit von Schmerz und Leid orientiert. Der Präferenzutilitarismus bewertet Handlungen danach, inwieweit sie der Erfüllung individueller Präferenzen dienen und der Handlungsutilitarismus beurteilt Handlungen einzeln nach ihrer Tendenz, gute Folgen zu bewirken.

Demnach verfolgt Bezgodov, aber bitte unter dem Vorbehalt meiner korrekten Interpretation, im 3. Abschnitt das Ziel, Ideen und Wege anzubieten, die

- gesund sind,

- Raum für die Berücksichtigung individueller Vorlieben lassen und

- einen guten Erfolg versprechen.

Der 4. Abschnitt zeigt, wie Weltklassespieler aus verschiedenen Zeiten, die für ihre Hingabe zur Tarrasch-Verteidigung bekannt sind, dieses System eingesetzt und wie sie auch selbst mit den weißen Steinen dagegen gespielt haben. Hier werden Spasski, Gligoric, Keres und Kasparow zum Lehrmeister durch ihre Praxis.

Im 5. Abschnitt findet der Leser 96 Aufgaben, die er zu lösen hat, und die Musterantworten darauf vor. Diese Aufgaben werden mittels eines Diagramms eingeführt und enthalten sehr konkrete Fragestellungen bzw. Übungen. Dabei richten sie sich sowohl an Schwarz wie an Weiß, um das Verständnis des Lesers maximal zu erreichen. Die Lösungen werden ihm über die praktischen Partien vermittelt, aus denen die Aufgabenstellungen stammen. In diesen Partien findet er an der maßgeblichen Stelle eingebunden auch das Ausgangsdiagramm wieder, so dass er sich orientieren kann. Kommentiert ist allein der lösungsrelevante Teil des Quellduells.

Das Ende eines Abschnitts nimmt eine wertende Zusammenfassung ("Conclusion") des Autors ein, die sich auf die wichtigsten Erkenntnisse daraus konzentriert und dem Leser auch dessen Empfehlungen vermittelt. Hier haben dann auch persönliche Präferenzen Bezgodovs einen gewissen Raum gefunden.

Alexey Bezgodov beschreibt sehr verständlich und ausführlich. Der Schwerpunkt der Kommentierung liegt im Text, der von übersichtlich gehaltenen Varianten ergänzt wird. Ausnahmsweise kann sich auch mal eine sehr tiefe und mehrseitig dokumentierte Betrachtung ergeben, wenn dies angebracht ist.

Die verwendeten Partien werden regelmäßig vollständig abgebildet. Ausnahmen bilden "Seeschlangen", deren Ende mit dem vom Buch verfolgten Zweck nichts mehr zu tun hat.

Ein ausgezeichnetes Variantenverzeichnis, das Diagramme zu den Schlüsselzügen enthält, rundet den sehr guten Gesamteindruck des Werkes ab.

Die Buchsprache ist Englisch, Fremdsprachkenntnisse auf einem soliden Schulniveau reichen, vom Begriff "utilitarian" einmal abgesehen (siehe oben), für einen bequemen Umgang mit dem Buch aus.

Fazit: "The Art of the Tarrasch Defence" ist ein sehr eigenständiges Werk. Es richtet sich grundsätzlich an Spieler jeder Spielstärke, vom Novizen mal abgesehen. Weder Monographie noch Repertoirebuch bietet es für ausgewählte Interessen ebenso ausgewählte qualifizierte Inhalte an. Der Leser soll die Tarrasch-Verteidigung unabhängig von einer speziellen Variante verstehen und zugleich sowohl ein Hauptsystem als auch Erfolg versprechende Nebenwege kennen oder auch zu vertiefen lernen. Dabei soll er mittels Verständnisses und nicht konkreter Zugfolgen dafür präpariert werden, dass sein Gegner mit Abweichungen von Hauptalternativen aufwartet.

Insgesamt ist "The Art of the Tarrasch Defence" eine empfehlenswerte Arbeit eines intimen Kenners der Tarrasch-Verteidigung.

Uwe Bekemann,

Deutscher Fernschachbund

www.bdf-fernschachbund.de


Alexey Bezgodov ist ein russischer Großmeister und Autor und fiel mir zuerst 2004 auf, als ich ein Buch zu der völlig abstrus anmutenden Eröffnung 1.e4 c5 2.a3 in den Händen hielt. Ich habe es mir natürlich sofort gekauft und wurde so gut unterhalten, dass es mich gar in den Fingern juckte, dies im Turnierschach zu spielen. Letztlich erfreute es mich in 4 Partien, aus denen ich immerhin 3,5 Punkte holte. Auch später blieb der Mann sich treu und brachte den Lesern seiner Bücher Eröffnungen wie 1.e4 c6 2.d4 d5 3.f3, 1.d4 d5 2.c4 Lf5 und auch 1.d4 d5 2.c4 c5 näher. Nun ist er mit "The Art of the Tarrasch Defence" für New in Chess zurück und erläutert die Tarraschverteidigung im Damengambit nach den Zügen 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5. Ist zu diesem System, werden jetzt sicher einige erfahrene Schachbuchleser anmerken, nicht schon alles gesagt? Warum nimmt sich ein Autor mit so kreativen Analyseideen solch eines zuletzt auf dem Schachbuchmarkt stärker frequentierten Themas an?

Es ist wahr, dass diese Variante seit 2011 in einigen Büchern analysiert worden ist. Den Anfang machten GM Jacob Aagaard und Nikolaos Ntirlis mit "The Tarrasch Defence" für den Quality Chess Verlag, die an Harald Keilhacks Klassiker "Die Tarrasch-Verteidigung: Darstellung und Untersuchung eines schwarzen Verteidigungssystems gegen geschlossene Eröffnungen" von 1993 anschlossen und denen es darum ging, den objektiven Ausgleich in dieser etwas in Verruf geratenen Eröffnung zu finden. 2013 folgte dann der deutsche Tarraschexperte IM Jonathan Carlstedt mit "Die Tarrasch-Verteidigung" aus dem ChessMO Verlag, der Aagaard und Ntirlis zwar von den Varianten sehr nahe stand, aber doch noch interessante neue Ideen zeigen konnte. Diese drei Bücher faszinierten mich sehr, aber für Sam Collins`"The Tarrasch Defence- move by move" von 2014 aus dem Hause Everyman Chess hatte ich dann schon keine Muße mehr.

Für Alexey Bezgodov habe ich jetzt aber doch wieder den Zugang zur Welt des Doktor Tarrasch gefunden.

Die Verteidigung hat eine sehr reichhaltige Vergangenheit. Nicht nur der Namensgeber spielte sie gern, sie war von Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts sehr stark in Mode und wurde danach noch von Koryphäen des dynamischen Spiels wie Boris Spassky oder Garri Kasparow zelebriert, die in dem Buch natürlich auch eine Rolle spielen. Als Genickbruch für die breite Masse sah ich immer die Idee Akiba Rubinsteins an, nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5 4.cxd5 exd5 5.Sf3 Sc6 und dann 6.g3 folgen zu lassen. Durch das Fianchetto werden die schwarzen Königsangriffmöglichkeiten eingeschränkt und der Läufer wird später von g2 aus gegen den isolierten d5 drücken. Da dies aber auf Vereinsebene meiner Erfahrung nach relativ selten vorkommt, ist diese Variante gerade bis zu einer DWZ von 2000 sehr angenehm zu spielen. Man muss meist mit einem Isolani auf d5 leben, aber hat aktives Figurenspiel. Gerade zu Isolanistellungen gibt es viele Modellpartien, die man sich ansehen kann, um mit den Feinheiten vertraut zu werden. Einen guten Beitrag leistet dabei auch das vorliegende Buch, das nicht mit vollständigen Partien geizt.

Allerdings muss ich auch gleich aufklären, dass es kein Kapitel zu den strategischen Grundkenntnissen in Isolanistellungen gibt . Man kann zwar einiges aus den Partien extrahieren, aber es wird auch viel vorausgesetzt.

Ansonsten ist das Buch in meinen Augen sehr unterhaltsam aufgebaut. Es gibt erst einmal 3 Theorieteile, dann einen Teil zu Helden des Tarrasch, wie sie die Verteidigung interpretiert, aber auch bekämpft haben, und schließlich einen umfangreichen Testteil mit 96 Aufgaben, zu deren Lösungen dann noch 96 vollständige Beispielpartien gehören.

Um das Eis zu brechen, beginnt der Autor in Teil eins gleich einmal mit "vier "schlechten" Varianten, die eigentlich gut sind". Gemeint sind seltene Varianten gegen den oben erwähnten Rubinsteinaufbau. Während die anderen Aufbauten gegen die Tarraschverteidigung eigentlich relativ einfach zu behandeln sind, ist der Theorieaufwand gegen die immer noch moderne Hauptvariante stark angewachsen. Schwarz muss hier oft recht genau spielen. Ich habe deshalb den "Tarrasch" bisher nur im Blitzschach gespielt, da ich ansonsten keine Lust auf allzu lange Theorieschlachten habe, wo auch das bessere Gedächtnis eine Rolle spielt. Für Leute wie mich ist dieses Kapitel Gold wert. Der Autor räumt darin mit einigen Vorurteilen auf und zeigt, wie man mit Computerhilfe immer wieder alte Ideen neu aufleben lassen kann.

Am beeindruckendsten fand ich, dass die Partie Rubinstein-Salwe aus Lodz von 1908, die eigentlich für mich immer die Wende in der Popularität der Tarraschverteidigung eingeläutet hat, eigentlich gar nicht so schlimm für Schwarz war und man darum nach den obigen Zügen und 6.g3 mit Sf6 7.Lg2 cxd4 8.Sxd4 Db6 durchaus gutes Gegenspiel erhält. Man muss nur, aber das ist typisch im Tarrasch, wegen der schlechteren Bauernstruktur stets sehr aktiv spielen und darf sich nicht ausruhen. In der Partie reichten schon wenige zu lasche Züge aus, dass Rubinstein die Daumenschrauben anziehen konnte, aber es gab mehrere Alternativen, die gut analysiert werden, mit denen Schwarz keine großen Probleme gehabt hätte. Noch einfacher im Ausgleichsinne ist vielleicht sogar die Idee von Curt von Bardeleben, der nach 6.g3 cxd4 7.Sxd4 Lc5 8.Sb3 Lb4 9.Lg2 Sge7 10.0-0 Lxc3 11.bxc3 0-0 zwar das Läuferpaar abgab, aber auch die weiße Bauernstruktur schwächte. Dadurch hat er mit dem c3 ein klares Angriffziel. Auch die anderen beiden Ideen sehen vernünftig aus und geben dem Leser die Möglichkeit, ohne viel Theoriewissen spielbare Stellungen zu ereichen, die vielleicht nicht eindeutig ausgeglichen sind, aber nur schwer zu knacken sein dürften und vor allem im Sinne des Vorteils von Weiß ein hohes Maß an Präzision erfordern, das die überraschten Weißspieler nur sehr schwer erreichen sollten.

Natürlich gibt es aber auch theoretisch erforschtere Abspiele in dem Buch. Wer doch eher die Hauptvariante spielen möchte, kann dies nach 6.g3 Sf6 7.Lg2 mit Le7 8.0-0 0-0 9.Lg5 erreichen. Dies ist die Grundstellung der Hauptvariante, von der ich vor Erscheinen dieses Buches immer dachte, Schwarz müsste sie anstreben.

Bei Aagaard und Carlstedt wurde hier 9. ...c4 empfohlen, das daraufhin sehr populär wurde. 9. ...cxd4 ist allerdings der klassische Zug in dieser Stellung und wurde von niemand geringerem als Garri Kasparow erprobt. Nach 10.Sxd4 h6 muss Weiß sich entscheiden, was er mit seinem Läufer anstellt. Die Hauptidee ist jetzt 11.Le3, um danach mit Sxc6 und Sa4 und Lc5 das Vorpostenfeld c5 zu nutzen, aber Schwarz gut um dieses Feld herum spielen und erhält gutes Gegenspiel, wie der Autor unter anderem mit einer Partie von sich selbst zeigt. All das wird sehr genau im dritten Teil unter die Lupe genommen. In Teil 2 gibt es noch die diversen Nebenvarianten, die Weiß anstreben kann. Wie oben schon angemerkt, sind gerade die Abspiele ohne g3 für die meisten Leser am wichtigsten. Auch hier zeigt der Autor allerdings stets gutes Gegenspiel für Schwarz. Auch hier verzichtet er allerdings, zum Beispiel nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5 4.Sf3 Sc6 5.cxd5 exd5 6.e3, das letztens erst einer meiner Schüler auf dem Brett hatte, auf den Zug c4, mit dem Schwarz Raum gewinnt, sondern empfiehlt stattdessen eine klassische Entwicklung mit Sf6 und nach zum Beispiel 7.Le2 ergibt sich nach cxd4 8.Sxd4 Lc5 eine ebenso klassische Isolanistellung mit dynamischen Möglichkeiten für Schwarz. Die Heldenkapitel unterhalten dann einfach sehr und man lernt einiges zu der Behandlung der Isolanistellungen gegen den weißen Fianchettoaufbau mit g3 durch Leute wie zum Beispiel Paul Keres, Garri Kasparow oder auch Boris Spassky. Etwas bedauerlich finde ich, dass es nur wenige Beispiele zu den lahmeren Weißvarianten gibt, die aber die meisten Leser in der Praxis häufiger antreffen werden. Auch bei den Aufgaben sieht man fast immer das Fianchetto bei Weiß. So wird man in diesen Stellungen zum Experten, aber in den klassischeren leider nur durch die Partien im Theorieteil, was aber auch das einzige kleine Manko an dem Buch ist.

Insgesamt ein gutes Buch mit einer guten theoretischen Übersicht, aber auch neuen kreativen Möglichkeiten, um den Gegner zu überraschen. Gerade für Freunde des aktiven Figurenspiels und von Isolanistellungen ist die Tarraschverteidigung und dieses Buch sehr zu empfehlen. Bei einer DWZ von unter 1600 sollte man vielleicht noch zusätzlich ein Buch zu Isolanistellungen besorgen, um die Feinheiten noch besser zu verstehen.

IM Dirk Schuh

Dezember 2017

The Art of the Tarrasch Defence

EUR

27.95