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Forgotten Genius - Dragoljub Velimirovic Vol. 1

325 pages, hardback, Thinkers Publishing, 1. edition 2024

€44.95
Incl. Tax, excl. Shipping Cost
"For me, a draw is not a result at all. If the game develops normally, I never think about a draw. I always think about playing to win. I blame all chess players who play chess to make draw and thus degrade this ancient game!"

"I like fast, "rocket" chess and always play to win. It seems to me that chess was invented precisely to have winners and losers. If someone offers me a draw, I take it as an insult."

"I start every game with the firm intention of finishing it with, or on, the shield!"

"One pawn more or less. I have 8 of them, don't I?"

"I am very pleasant to talk to and very unpleasant to play chess with!"
More Information
EAN 9789464201994
Weight 790 g
Manufacturer Thinkers Publishing
Width 17.5 cm
Height 24 cm
Medium Book
Year of Publication 2024
Author Georg MohrAna Velimirovic-Zorica
Language English
Edition 1
ISBN-13 9789464201994
Pages 325
Binding hardback
011 Intro
015 My father
019 Birth, war, family
027 1958 - 1960: Drasko introduces himself
039 1961 - 1962: Attack on the giants
059 1963: Injustice No 1
069 1964: The search for contact with the best
077 1965: Second ascent
107 1966: From top to bottom. And on it goes!
125 1967: The beginning of Coaching Career
133 1967 - 1969: Just a Few Tournaments
145 1970: And finally the sun shone
175 1971 - 1973: In the hunt for the top title
241 1974: Olympic debutant
265 1975: Champion!
309 Best Results 1959 - 1975
310 About Georg
312 About Ana
313 Index of OPENINGS
314 Index of PLAYERS
315 Index of TYPICAL SACRIFICES
316 Bibliography & Photographs
GEDENKEN AN EINEN VOLKSHELDEN
Jedes Land hat Helden. Auch im Schach. Ein solcher war für die Jugoslawen Dragoljub Velimirović, den alle nur „Gazda“ (Boss) nannten, und der den erfolgreicheren Gligorić an Beliebtheit noch übertraf.
Der slowenische Großmeister Georg Mohr widmet sich in seinem neuesten Werk dem 2014 verstorbenen Serben. Er setzt damit die Reihe von Erinnerungen an jugoslawische Schachspieler fort, die er 2021 mit Albin Planinc begonnen hatte. Es ist das erste Buch über den legendären Taktiker und Theoretiker, der weit über die Landesgrenzen hinaus Spuren hinterlassen hat.
Mohr schrieb Forgotten Genius in Zusammenarbeit mit dessen Tochter Ana Velimirović-­Zorica, die viele private Fotos, Aufzeichnungen und Analysen ihres Vaters zur Verfügung stellte, die er schon seit Ende der 1950er Jahre niedergeschrieben, aber nie veröffentlicht hatte. Dadurch lässt sich oft nachvollziehen, wie Velimirović theoretische Ideen fand, sie weiterentwickelte und schließlich in der Praxis anwendete.
Der 1942 im Zweiten Weltkrieg geborene Velimirović wuchs ohne Vater auf. Seine Mutter, die Anwältin war und der kommunistischen Partei skeptisch gegenüberstand, nannte ihn Drasko, weil dieser montenegrinische Spitzname in Serbien unüblich war. Da seine Mutter nach dem Krieg im Untergrund lebte und anschließend bis 1950 vom Geheimdienst beobachtet wurde, wollte sie ihren Sohn nicht Dragoljub nennen, weil das der Vorname des Tschetnik-Führers Mihailović war.
Wegen der politischen Einstellung seiner Mutter sollte Velimirović auch später noch Schwierigkeiten mit Funktionären bekommen, die ihn viele Jahre bei der Meldung zu internationalen Turnieren nicht berücksichtigten, obwohl er sich qualifiziert hatte. Deshalb wurde er erst 1973 mit 31 Jahren Großmeister.
Sein Gehör soll Velimirović verloren haben, weil er 1961 bei einer Nasenoperation mit einem Desinfektionsmittel behandelt wurde, dass zur Gehörlosigkeit führen kann. Später „überhörte“ er auch Remisangebote, was auf seine Gegner unfreiwillig arrogant wirkte. Seine Taubheit war auch dafür verantwortlich, dass er keine Fremdsprachen sprach. Um trotz seiner Schwerhörigkeit an Gesellschaften teilzunehmen, wurde er zu einem unterhaltsamen und allseits beliebten Anekdotenerzähler.
Velimirović zählte auf dem Zenit seiner Karriere zu den dreißig besten Spielern der Welt. Er war bekannt dafür, dass er seine Partien ausspielte, weshalb seine Remisquote gering war. „Wenn mir jemand Remis anbot, habe ich das als Beleidigung verstanden“, soll er einmal gesagt haben. Sein kompromissloser taktischer Stil führte zu vielen Glanzpartien, weshalb er auch als „jugoslawischer Tal“ bekannt war. Schon in den Sechzigern gab es für seine Opfer häufiger während der Partien „Szenenapplaus“, oft jubelte das Auditorium, wenn er gewonnen hatte. Sein attraktiver Spielstil wurde vielfach gewürdigt, wie bei der Landesmeisterschaft 1965, als er gleich drei Auszeichnungen einstrich: für das kämpferischste Schach, die wenigsten Remisen und den Schönheitspreis.
Bis heute in aller Munde ist Velimirović durch den von ihm ausgearbeiteten und nach ihm benannten Angriff im Sizilianer. Seine ersten Analysen gehen auf das Jahr 1959 zurück, seit 1970 spielte die Weltklasse diese Variante.
Auch wegen dieses Eröffnungssystems hatte Velimirović früh einen Ruf als herausragender Analytiker, weshalb viele Topspieler sein Dienste in Anspruch nahmen. Von 1966 bis 1972 arbeitete er als Sekundant für Gligorić, ohne dafür jemals Geld zu erhalten. Es kam zum Bruch zwischen beiden, als „Gliga“ nach dem Tod von Velimirovićs Mutter zu kondolieren vergaß. Danach trainierte Velimirović viele Talente wie Ivan Sokolov oder Nikolic, die später bekannte Großmeister wurden. Und auch mit Kortschnoi und Fischer hat er gearbeitet. Dem Amerikaner zeigte er 1970 die Sh5-Idee im Benoni, mit der Fischer später beim WM-Match die dritte Partie gegen Spasski gewann. Vier Mal wurden Ideen von Velimirović vom Informator zur wichtigsten Neuerungen des Jahres gewählt, was bis 2012 nur vier Spielern Anand, Karpow, Kasparov und Kramnik öfter gelungen war. Als Velimirović starb, schrieb Ljubojevic in seinem Nachruf, dass er der bei weitem beste Trainer Jugoslawiens gewesen sei.
Der erste Band dieser Monografie endet auf dem Höhepunkt von Velimirovićs Karriere. Seine nicht unberechtigten Hoffnungen, im WM-Zyklus weit zu kommen, verflogen allerdings, als die Politik ins Spiel kam. Weil das Zonenturnier 1975 im faschistischen Spanien stattfinden sollte, boykottierten es die osteuropäischen Staaten. Als nach langem Hin und Her ein Ersatz-Zonenturnier von der Fide ausgetragen wurde, war Velimirović nervlich so aufgerieben, dass er sich nicht für das Interzonenturnier qualifizieren konnte.
Georg Mohr hat mit diesem Werk eine Lücke in der jugoslawisch-serbischen Schachgeschichtsschreibung gefüllt. Er bietet nicht nur einen umfassenden Einblick in Velimirovićs Leben und zahlreiche Informationen zu dessen Gegnern. Durch die Verwendung von Velimirovićs Nachlass kann der Leser auch die eigenen Gedanken dieses kreativen Spielers nachvollziehen. Nicht zuletzt sind die vielen attraktiven Angriffspartien Velimirovićs ein Genuss.
Mittlerweile ist auch der zweite Band erschienen.
Harry Schaack
KARL 2/2024
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