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LMBRUTTUT5

Taktik - Training & Test / Band V

56 pages, brochure, Blauer Punkt, 1. edition 2003

From the series »Taktik - Training & Test«

€7.00
Incl. Tax, excl. Shipping Cost

Taktik für Meisteranwärter - was heißt das?

Zunächst wäre zu klären, wie wir einen Meisteranwärter definieren wollen, da unser DWZ-Ratingsystem ja keine Ränge und Klassen kennt. Das frühere Leistungsklassensystem oder das US-Ratingsystem (das Wertzahlen und Titel kombiniert) stufen den Meisteranwärter (MA) , Meisterkandidaten (MK) oder "Expert" in einem Bereich von etwa DWZ 2000-2200 ein. Nur ca. 1650 Spieler in Deutschland (von ca. 98.000) haben eine höhere Wertzahl als DWZ 2200 (davon ca. 780 über 2300); ca. 5000 Spieler liegen im Bereich des Meisteranwärters. Eigentlich müsste man diese Leistungsklasse unterteilen, denn Spieler im Bereich 2001-2100 bilden die Schnittstelle vom starken Klubspieler zum Meisteranwärter, während man den Bereich 2100-2200 eher als den Übergang vom Amateur zum Meister ansehen kann. Der Meisteranwärter ist eine Art Wanderer zwischen den Welten, zwischen einem überstarken Klubspieler und einem Beinahe-Meister angesiedelt, schon mit gutem Theorie- und Technikwissen ausgestattet, aber noch nicht auf der Ebene meisterlicher Feinheit und Präzision. Auch der Bereich seiner Gegner ist breit gefächert. Nehmen wir eine übliche Spannweite der Gegner um + / - 200 Punkte an, hat der "mittlere MA" eine Gegnerschaft zwischen 1900 - 2300 DWZ; er muss sich also auf den guten Klubspieler genauso einstellen können wie auf den starken Fidemeister, was schon eröffnungstheoretisch nicht einfach ist. Immerhin muss ein MA gegen einen 100 Punkte schwächeren Gegner 64% der Punkte holen, bei einer Differenz von 200 Punkten schon 76%. Das lässt wenig Spielraum, da fehlende Gewinnprozente nur durch Erfolge gegen sehr starke Gegner ausgeglichen werden können. Entsprechend hoch sind die taktischen Anforderungen an den MA. Er muss, um die erforderliche Punktausbeute gegen schwächere Spieler zu erreichen, die taktischen Chancen präzise nutzen, auch kleine Vorteile durch angewandte Taktik realisieren. Andererseits muss er gegen stärkere Spieler rechtzeitig drohende taktische Schläge erkennen (oder zumindest erahnen), um nicht frühzeitig in Nachteil zu kommen. Beim Vermeiden wie beim Austeilen taktischer Schläge ist präzise Berechnung langer oder vieler paralleler Varianten, Kreativität, Aufgeschlossenheit und natürlich die Kenntnis zahlreicher taktischer Motive und deren Verknüpfung miteinander unumgänglich.

In dieser Broschüre sollen die taktischen Aufgaben verschiedener Art den Leser auf den Bereich des Meisteranwärters vorbereiten und ihm sowohl ein Training zur Intensität und Dauer der Variantenberechnung bieten als auch ihn mit neuen taktischen Motiven vertraut machen. Ab und zu sind auch einfache Aufgaben eingestreut - ein Meisteranwärter muss ohne Vorwarnung taktische Probleme jeglicher Art lösen können, und manchmal ist es gar nicht so einfach, von der komplexen Variantenberechnung zu den Niederungen der Standardtaktik hinabzusteigen, was auch bedeuten kann, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht!

Was ist der Unterschied zwischen Taktik in unteren Spielstärkeklassen und Taktik im Bereich gehobener Spielstärke? Man könnte annehmen, dass aufgrund der Gleichheit der taktischen Motive kein großer Unterschied vorhanden sei. Das ist im Prinzip zwar auch richtig, aber die Taktik auf höherer Ebene ist

- subtiler; d.h., es gibt wenige grobe Fehler und Schwächen als Ansatzpunkte; die Kombinationsmöglichkeiten sind schwerer zu erkennen.

- komplexer; d.h., manchmal sind mehrere Ansätze für Kombinationsmotive vorhanden, und du musst entscheiden, welcher davon vielversprechend(er) ist. Oder Motive wechseln, lösen sich sozusagen ab, werden pariert, wobei aber neue Motive entstehen.

- oft von langen Varianten geprägt, die über mehr als 10 Züge vorausberechnet werden müssen, während Varianten z.B. im Bereich um DWZ 1800 selten über 4-6 Züge hinaus reichen.

- intuitiver, da viele lange Varianten und deren Verzweigungen nicht berechnet werden können, sondern intuitiv erfasst und bewertet werden müssen.

Wir müssen für eine genauere Betrachtung unterschieden zwischen

a) dem Finden von Kandidatenzügen;

b) dem konkreten Berechnen von Varianten zur Bewertung der einzelnen Züge / Varianten;

c) demintuitiven Erfassen und Bewerten von Positionen.

Die ersten wissenschaftlich fundierten Untersuchungen zum Finden von Kandidatenzügen nahm der holländische Meisterspieler und Psychologe A.D. de Groot ab 1938 vor. Er legte den Testpersonen, unter ihnen Weltmeister Aljechin und die Weltklassespieler Euwe, Fine, Flohr und Keres, verschiedene Positionen vor und ließ sie laut denken, also alles, was ihnen zu der Stellung durch den Kopf ging, aussprechen. Die Sitzungen fanden ohne Zeitdruck statt; durchschnittlich wurden 15 Min. Bedenkzeit gebraucht. Alle Aussagen und Ergebnisse wurden protokolliert und später ausgewertet.

Während die anderen Testpersonen, immerhin 3 Meister, 2 holländische Damenmeisterinnen und 9 starke Amateure, teilweise den besten Zug gar nicht erst erkannten und nur zwei von ihnen ihn auswählten, fanden 4 der 5 Klassespieler den besten Zug.

De Groot fasste das Ergebnis seiner Untersuchung wie folgt zusammen:

"Wenn man einen Meister und einen schwächeren Spieler miteinander vergleicht, dann erkennt man, dass der erstere oft buchstäblich Möglichkeiten 'sieht', die für den weniger starken Spieler tief verborgen sind; Möglichkeiten, die der letztere erst zu entdecken, zu errechnen, sich auszudenken oder abzuleiten versuchen muß, um sie seinerseits 'sehen' (verstehen) zu können."

(Thought and Choice in Chess, 2.Aufl. 1978, S.306, zit. nach Munzert, Schachpsychologie, 1993, S.204.)

Abgesehen natürlich vom Talent des Meisters liegt seine Stärke im Erkennen von Mustern ("Pattern") in der jeweiligen Stellung. Diese Fähigkeit lässt sich durch Training auch für den Amateur verbessern. Übung hilft, den Schachverstand zu schärfen, wichtige von unwichtigen Motiven zu unterscheiden; Kennen typischer Vorgehensweisen erleichtert die Suche nach dem richtigen Zug. Diese Broschüre soll ein solches Training unterstützen.

Unsere Aufgaben

Die Aufgaben sind breit gestreut aus verschiedenen Bereichen und Ländern, so dass nur wenige dem Leser bereits bekannt sein dürften. Spieler aller Klassen - vom Großmeister bis zum Amateur - haben diese Situationen erlebt oder erlitten; Taktik kennt keine Klassenschranken! Es gibt hauptsächlich drei Haupttypen von Aufgaben:

a) Berechnung einer langen Variante;

b) Berechnung vieler paralleler (meist kurzer oder mittlerer) Varianten, "Variantendickicht";

c) Finden eines originellen Lösungszuges, durch den sich sofort der Erfolg ergibt (manchmal nur 1-2 zügige Varianten!), der aber nicht leicht zu erkennen ist.

Die Aufgaben sollten für einen Spieler ab ca. DWZ 1900 durchweg lösbar sein, wenn auch oft erst nach einigem Knobeln. Die Qualität der Leistung ergibt sich aus der durchschnittlichen Lösungsdauer. Wer alle Aufgaben löst, aber dafür 20 Stunden benötigt, kann natürlich nicht die Stärke eines Meisteranwärters für sich beanspruchen!

Auf eine Einteilung oder Sortierung der Aufgaben wurde bewusst verzichtet. Im praktischen Spiel wird dir auch nicht gesagt "Matt in 5 Zügen" oder dgl., und es ist auch keineswegs immer klar, ob die Lösung einfach oder kompliziert sein wird. So sind also einfache und komplizierte Aufgaben bunt gemischt. Die Stellungen führen in der Regel zu Matt oder Vorteil, in einigen Fällen auch zum Remis. Und manchmal gibt es noch einen kleinen, fiesen Trick!

Lösungszeit

Je nach Spielstärke, Trainingseifer und taktischem Talent kann die durchschnittliche Lösungsdauer pro Aufgabe beim einzelnen Leser sehr unterschiedlich ausfallen.

Aufgaben, die nicht in längstens 5 Min. gelöst werden können, sollten übersprungen und später in Ruhe bearbeitet werden.

Der Leser soll bitte die Lösung komplett und aufmerksam prüfen, nicht nur einen flüchtigen Blick auf den ersten Zug werfen und annehmen, dass damit alles klar ist! Der Teufel steckt oft im Detail und bei einigen der schwierigeren Aufgaben ist im Verlauf der Lösungsvariante noch der ein oder andere gute bzw. präzise Zug erforderlich.

Außerdem sollte der Leser nicht nach dem "Prinzip des dicksten Opfers" an die Aufgabe herangehen.

Zuerst kurz die Stellung abschätzen, die Schwachpunkte suchen, nach bekannten Motiven Ausschau halten, dann mit diesen Informationen Kandidatenzüge auswählen und die möglichen Varianten kurz kalkulieren, um herauszufinden, ob sich eine davon als besonders erfolgversprechend anbietet.

Systematische Vorgehensweise führt auf Dauer auch zu systematischem Denken. Manche Schachfreunde - darunter auch viele begabte Spieler - denken aber bei der Analyse taktischer Stellungen bevorzugt mit den Händen!

Alle Aufgaben sollten natürlich vom Diagramm gelöst und komplett im Kopf berechnet werden. Interessante Stellungen kann man ja später auf dem Brett in Ruhe anschauen und sich intensiver damit beschäftigen.

Lösungen notieren

Da die Lösungen oft umfangreich sind, sollten auf einem separaten Blatt (besser auf einem Block, damit die Blätter nicht verloren gehen) die Varianten notiert werden.

Ergebnis und Auswertung

Wir verwenden einen Bewertungsschlüssel in ähnlicher Art wie der Amerikaner Michael de la Maza in seinem "Rapid Chess Improvement" - System. Die durchschnittliche Lösungsdauer ist dabei das entscheidende Bewertungskriterium. Der Leser sollte sich aber nicht zu sehr von Punkt- und Zeitergebnissen beeindrucken lassen. Unsere Reihe heißt "Training & Test", nicht "Lösungspunkte sammeln und im Test gut abschneiden". Die intensive Beschäftigung mit der Taktik und das kennen lernen neuer Motive und Ideen steht im Mittelpunkt, nicht das Testergebnis! Die Auswertungstabelle und eine Erklärung dazu findest du auf der dritten Umschlagseite.

Um einen echten Bewertungsmaßstab zu haben, sollte man zumindest 2 Std. oder 20 Aufgaben am Stück (be)arbeiten, sonst ist das Resultat eher zufallsbedingt!

Länger / mehr wäre aber besser!

Das Fehlerprofil

Der Leser kann einiges über seine Schwächen erfahren, wenn er die Aufgaben rotiert, die er nicht auf Anhieb lösen konnte und später schaut, ob diese Aufgaben etwas gemeinsam haben. Das könnten z. B. sein:

Lange Varianten (also Schwächen in der Variantenberechnung); bestimmte Matt- oder Opfermotive (also mangelnde Kenntnis / Probleme beim Erkennen dieser Motive); technisch berechenbare Stellungen, die durch "Abarbeiten" und Umstellen der möglichen Züge gelöst werden können, vorzugsweise Stellungen mit Dame oder Türmen (also mangelnde Präzision oder Systematik der Berechnung); Fehlende Kreativität, häufig eine Ursache taktischer Schwäche, lässt sich leicht feststellen, aber nur schwer beheben. In solchen Fällen hilft oft, sich zu zwingen, mal "verrückte" Züge, inkorrekte Opfer und komplizierte Varianten bewusst (und gegen ein warnendes Gefühl) zu wählen und mit Eröffnungen außerhalb der Theorie zu experimentieren. Dies wird zwar manche Blitz- oder Schnellpartie kosten, aber den kreativen Horizont bestimmt ein wenig erweitern!

Die anderen o.a. Schwächen lassen sich in der Regel durch Training und Konzentration zumindest verringern, meist aber weitgehend beseitigen. Hier gilt es aber auch, objektiv gegenüber den eigenen Schwächen zu sein und sich nicht selbst etwas vorzumachen, Mängel schön zu reden oder Schwächen herunterzuspielen. Das Erkennen einer Schwäche ist der erste Schritt zu ihrer Lösung!

Und nun viel Spaß beim Lösen

und nehmt das alles nicht so ernst, ist ja

schließlich nur Spiel!

Heinz Brunthaler, Einleitung

More Information
Weight 200 g
Manufacturer Blauer Punkt
Width 20,7 cm
Height 29,7 cm
Medium Book
Year of Publication 2003
Author Heinz Brunthaler
Series Taktik - Training & Test
Language German
Edition 1
ISBN-10 3980647285
Pages 56
Binding brochure

03 Einleitung/Anwendungsanleitung

06 Testaufgaben

25 Kurzlösungen

26 Lösungen

53 Auswertung/Auflösung der Aufgabe auf dem Titelblatt

Der Autor Heinz Brunthaler hat es richtig erkannt und auf den Punkt gebracht: "Taktik ist das A und O für den Schacherfolg; gerade im Bereich unter DWZ 2000 werden sehr viele Partien durch taktische Schläge (oder das Übersehen solcher) entschieden. Im Gegensatz zur Strategie lässt sich Taktik darüber hinaus besonders gut und einfach trainieren - und es macht auch noch Spaß!" (Einleitung S. 3). Ein echter Freak kann nun so trainieren wie der amerikanische Amateur Michael de la Maza, der durch siebenmaliges (!) Bearbeiten von 1000 (!) Taktik-Aufgaben in jeweils immer kürzer bemessener Zeit seine Spielstärke innerhalb eines Jahres um 400 Rating-Punkte steigern konnte. Wem das zu stressig erscheint, kann sich dem Cooper-Training zuwenden, bei welchem in einer bestimmten Zeit (etwa zwei bis drei Stunden) möglichst viele Aufgaben gelöst werden sollen. Regelmäßig absolviert, steigert diese Trainingsform die Fähigkeit zur Variantenberechnung, das taktische "Sehvermögen", die schachliche Kondition und das Selbstbewusstsein. Je nach Spielstärke sollte sich der Löser nach Empfehlung des Autors etwa drei bis fünf Minuten mit einer Aufgabe befassen. Das individuelle Ergebnis eines Leistungstests wird mit einer speziellen Formel berechnet (S. 6) und anhand einer Tabelle (S. 55) ausgewertet: hier reicht die Bandbreite von DWZ 1200 (durchschnittliche Lösezeit pro Aufgabe mehr als fünf Minuten) bis Elo 2600 (weniger als 30 Sekunden). Brunthaler legt 210 der Turnierpraxis entnommene Stellungsbilder vor (ohne die üblichen Angaben zu Spielernamen, Ort und Zeit der Partie) (S. 7-41); unter den Diagrammen kann der Proband seine Lösung eintragen und mit den Lösungsbesprechungen (S. 42-54) vergleichen. Leichte und schwere Aufgaben wechseln sich absichtsvoll in zufälliger Reihenfolge ab. Die Broschüre eignet sich vorzüglich zum Selbststudium, um den taktischen Blick zu schärfen. Ob der geneigte Leser die Aufgaben nun test- und leistungsmäßig angehen will oder ,just for fun" sich nur an schönen Kombinationen erfreuen möchte, sei ihm selbst überlassen.

Heinz Brunthaler hat für die nächste Zukunft das Erscheinen eines ähnlich aufgebauten zweiten Bandes angekündigt sowie eine Broschüre "TAKTIK - Training & Test A (einfache Übungen)".

Erratum: Bei der Aufgabe Nr. 181 ist nicht Schwarz am Zuge (wie irrtümlich angegeben), sondern Weiß.

Dr. W. Schweizer, Rochade Europa 08/2003

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